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Wenn Gentrifizierung die Vielfalt bedroht

Die Änderungsschneiderei am Kottbusser Damm in Kreuzberg, in der seit 30 Jahren für wenig Geld Kleidung geflickt wurde, steht neuerdings leer. Das Restaurant für türkische Spezialitäten ist weg, ebenso wie der Blumenladen um die Ecke und die türkische Buchhandlung ein paar Meter weiter. An der Schaufensterscheibe der leeren Schneiderei steht: „Tourists, Berlin hates you“ – „Touristen, Berlin hasst euch.“

Kottbusser Damm, Kreuzberg. Offensichtlicher Leerstand in einer Gegend, die früher Little Istanbul hieß.
Foto: Markus Wächter / Waechter (Quelle: https://www.berliner-zeitung.de/berlin/kottbusser-damm-wenn-gentrifizierung-die-vielfalt-bedroht-31938768)

Bald werden auch hier wohl neue Mieter einziehen. Solche, die sich die Miete leisten können, die von etwa 1500 Euro auf einen Schlag auf mehr als 3000 Euro erhöht wurde.

Berlin wandelt sich. Ständig. Der Moloch ist in Bewegung, genau wie seine Bewohner. Immer mehr Leute ächzen unter immer höheren Mieten. Sie ziehen weg, wohin auch immer, Hauptsache, sie können es sich noch leisten. Ihre Wohnungen werden teuer vermietet, und ringsum entstehen neue Läden: vegane Burgerrestaurants und Cafés, in denen ein Donut vier Euro kostet. Sie verdrängen die kleinen Läden, die seit Jahrzehnten ihre Nachbarschaft mit all den kleinen Dingen des Alltags versorgt haben: Stoffe, Mode, Handwerk und Dienstleistungen.

Kotttbusser Damm ist ein exemplarisches Beispiel für den Wandel

Viele Straßen in Prenzlauer Berg, Friedrichshain, Kreuzberg und Neukölln haben sich längst komplett gewandelt. Dort reiht sich Restaurant an Restaurant, Touristen und Berliner aus anderen Bezirken fluten an den Abenden und Wochenenden die Kieze. Von einer „Gastro-Monokultur“ spricht der Kreuzberger Wirtschaftsstadtrat Andy Hehmke (SPD) ebenso wie sein Kollege Jochen Biedermann (Grüne), Stadtrat für Stadtentwicklung in Neukölln. Beide sehen zwar generell auch Gutes am Wandel, doch sie fürchten diese Eintönigkeit gleichermaßen.

Der Kottbusser Damm – die Grenze von Kreuzberg zu Neukölln – ist ein exemplarisches Beispiel für einen solchen Wandel, der sich dort mit aller Macht in der Nähe der U-Bahn-Station Schönleinstraße zeigt: Dort gibt es noch einen Netto – aber ihm stehen zwei Bioläden gegenüber. Es gibt noch kleine türkische und arabische Läden, die Kleidung und Toaster verkaufen – doch die Zahl der aufwendig gestalteten Restaurants und der Cafés mit Retro-Charme wächst ständig.

Gewerbetreibende sind völlig schutzlos

Wer sich unter Gewerbetreibenden umhört, stößt auf Verzweiflung: Die Alten erzählen von zwei- und dreifachen Mieterhöhungen auf einen Schlag. Von Bestechungen und Schmiergeld, um überhaupt einen Laden zu bekommen, berichten fast alle. Während Privatmieter sich auf einige Rechte berufen können – wie zum Beispiel die Mietpreisbremse oder den Milieuschutz – sind Gewerbetreibende vollkommen schutzlos.

oanna Poplawskaja-Qadri und ihr Mann Hassan Qadri bekamen nach 17 Jahren die Kündigung für ihren Laden.
Foto: Markus Wächter (Quelle: https://www.berliner-zeitung.de/berlin/kottbusser-damm-wenn-gentrifizierung-die-vielfalt-bedroht-31938768)

Von Wucher ist ständig die Rede, und der gedeiht dort am besten, wo starke Nachfrage auf unternehmerische Gier trifft. In den Handel zwischen Gewerbetreibenden – business to business – mischt sich der Staat üblicherweise nicht ein.

„Das führt dazu, dass viele Vermieter nehmen, was auch immer sie maximal nehmen können“, sagt Andy Hehmke. Sein Neuköllner Kollege Biedermann hat im Reuterkiez den Exodus der kleinen Händler erlebt. Er fordert deswegen ein Ende der kompletten Vertragsfreiheit: „Wir brauchen dringend eine Art Gewerbemilieuschutz.“

„Die Leute haben Angst“ …

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Miete frisst immer mehr vom Einkommen

Deutschland braucht Neubauten, bezahlbare Neubauten. Das Problem: die Wohnungen, die entstehen sind meist zu teuer. Vor allem weil die Bodenkosten und die Bauvorschriften zu hoch sind.

 

Hohe Mieten und wenig Geld zur Lebensführung

Nach Berechnungen, die der Immobilienmarktspezialist “empirica-systeme” im Auftrag von Panorama durchgeführt hat, müssen viele Haushalte mehr als 27 Prozent ihres Nettoeinkommens für die Miete einer Neubauwohnung ausgeben. Der Wert von 27 Prozent gilt Experten als problematisch, weil dann nur noch relativ wenig Geld zur sonstigen Lebensführung zur Verfügung bleibt, insbesondere bei Menschen mit kleineren Einkommen.

In Berlin etwa liegt die sogenannte Mietbelastungsquote bei 41,3 Prozent. Die durchschnittliche Berliner Familie muss also 41,3 Prozent ihres Nettoeinkommens ausgeben, um sich eine Drei-Zimmer-Neubauwohnung zur Miete leisten zu können – Kaltmiete! Auch in Frankfurt ist die Mietbelastungsquote mit 40,7 Prozent sehr hoch. Eine durchschnittliche Drei-Zimmer-Neubauwohnung kostet hier stolze 1.450 Euro kalt. In Leipzig kostet so ein Neubau zwar “nur” etwa 1.012 Euro Monatsmiete, da aber die Leipziger deutlich weniger verdienen, liegt die Mietbelastungsquote hier auch bei 37,5 Prozent.

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Gegen Obdachlosigkeit – Aktivisten wollen vor Rotem Rathaus Tag und Nacht protestieren

 

 

Dietlind Schmidt steht am Mittwochabend vor dem Roten Rathaus in der bitteren Kälte. Seit zehn Jahren ist 59-jährige Berlinerin wohnungslos. Sie erzählt, dass sie manchmal irgendwo unterschlüpft, oft muss sie aber auch draußen schlafen. Nun will sie, dass das Grundrecht auf Wohnen ins Grundgesetz aufgenommen wird. „Es ist furchtbar, wenn immer das Geld gegen einen entscheidet“, sagt sie.

Dietlind Schmidt ist zu einem bunten Protest am Mittwochabend vor dem Amtssitz des Regierenden Bürgermeisters gekommen. Die einen halten dort eine Mahnwache ab für einen am Wochenende gestorbenen Obdachlosen. Die anderen protestieren mit große Pappkreuzen gegen die „Todesopfer von Hartz IV“.

 

Das Grundgesetz ändern

Seit ein paar Tagen ist es kalt, und so wird es wohl auch weitergehen. Für alle Nächte der nächsten Woche muss mit Dauerfrost gerechnet werden. Für jene Menschen, die auf der Straße leben, ist das eine Herausforderung. „Was kalt ist, wissen wir alle, aber das zu fühlen, ist was anderes“, sagt Nicole Lindner von der Mieterpartei, einer politischen Organisation, die sich nicht weniger zum Ziel gesetzt hat, als das Grundgesetz zu ändern. Ein Recht auf Wohnen soll dort verankert werden, findet Nicole Lindner.

Die Mieterpartei hat sich etwas ausgedacht, um ihren Forderungen ein wenig Nachdruck zu verleihen. Vor dem Roten Rathaus werden in den nächsten Tagen Wohnungsaktivisten ausharren. In der Kälte. Tag und Nacht. Bis Freitag.

Die Mahnwache wird unterstützt vom Mieterverein und anderen Organisationen, die sich für die Vermeidung von Wohnungs- und Obdachlosigkeit einsetzen.

„Obdachlosigkeit geht uns alle an. Wir setzen uns für das Recht auf ein menschenwürdiges Zuhause für jedermann und jede Frau ein“, sagt Franziska Schulte vom Berliner Mieterverein. „Schon gar nicht wollen wir akzeptieren, dass selbst Kinder von Wohnungslosigkeit betroffen sind.“ Der Mieterverein kämpfe vorwiegend für die Vermeidung von Wohnungs- und Obdachlosigkeit. Aber auch die Rückkehr von wohnungslos gewordenen Menschen in menschwürdige und leistbare Wohnungen sei ein wichtiges Ziel des Vereins geworden.
Bei der Mahnwache gibt es zum Auftakt eine Schweigeminute für den am Moritzplatz verstorbenen Obdachlosen

Rollende Unterkünfte als erster Schritt der Integration

Nach Angaben der Mieterpartei hat es von 1990 bis 2016 genau 290 Kältetote in Deutschland gegeben, und seit Oktober 2018 seien nach Angaben der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe neun Menschen auf deutschen Straßen erfroren. „Es muss endlich sichtbar gemacht werden, dass in einem wirtschaftlich reichen Staat die Menschenwürde derer, die sich nicht wehren können, mit Füßen getreten wird“, heißt es bei der Partei.

Bei der Mahnwache wird am Donnerstag ein Bündnis aus Wohnungslosenparlament, Bundesarbeitsgemeinschaft Soziales und Generationen, dem Verein Little Home, dem Arbeitskreis Wohnungsnot sowie zahlreichen Vereinen ein kleines Holzhaus an einen Obdachlosen verschenken. Auch das ist eine eher plakative Aktion, die die Notwendigkeit von Veränderung aufzeigen soll.

„Die rollenden Unterkünfte sind nur ein erster Schritt der Integration. Aber die konkrete Arbeit des Vereins Little Home hat uns sehr beeindruckt und überzeugt“, sagt Franziska Schulte vom Mieterverein. Das Little Home ist ein kleines Holzhaus. Es besteht aus Leimholzplatten, die auf Europaletten so zusammen geschraubt werden, dass ein Raum entsteht, drei Quadratmeter groß, mit Dach und verschließbar, genug Platz für eine Person zum Übernachten.

„Hundehütte“ für Wohnungslose

Ausgedacht hat sich dies ein Kölner Verein, der die Hütten nicht nur in Köln, sondern auch an anderen Orten aufstellt. Das Projekt hat nicht nur Unterstützer. Die Diakonie spricht von „Hundehütten“, die keine Sozialarbeit ersetzen könnten. Nicole Lindner von der Mieterpartei findet solcherlei Bedenken unangemessen, denn hier ginge es ja mehr um eine Übergangslösung.

Derweil ist der Kältebus jede Nacht in Berlin unterwegs – und bei den aktuellen Temperaturen gut ausgelastet. Jede Nacht steigen etwa 25 Menschen zu, die die Mitarbeiter dann in Kältehilfeeinrichtungen bringen – meist in die Notübernachtung am Hauptbahnhof. Weitere 20 Menschen werden an ihren Schlafplätzen mit Decken, Schlafsäcken und heißem Tee versorgt, damit sie die Nacht überstehen. „Wenn die Kälte länger anhält, gehen die Zahlen hoch“, sagt Martina Rogasch von der Stadtmission. So ist es jedes Jahr.

 

Vermögensrekorde bei wachsender Armut

Oxfam: Ungleichheit führt zu Mängeln im Bildungs- und Gesundheitswesen und so zu Geschlechterungerechtigkeit

 

Die Kluft zwischen Arm und Reich wächst weiter: Im vergangenen Jahr sind die Vermögen der Milliardär*innen weltweit um zwölf Prozent gestiegen, während die ärmere Hälfte der Weltbevölkerung Einbußen von elf Prozent erlitten hat. Umgerechnet entspricht das einem Plus der Vermögenden von durchschnittlich 2,5 Milliarden US-Dollar pro Tag, die ärmere Welthälfte verlor dagegen im Schnitt 500 Millionen Dollar pro Tag. Diese Zahlen gehen aus dem Bericht »Public Good or Private Wealth« hervor, den die Nothilfe- und Entwicklungsorganisation Oxfam an diesem Montag anlässlich des bevorstehenden Weltwirtschaftsforums in Davos vorstellt.

Laut den Berechnungen hat sich die Zahl der Milliardär*innen in den vergangenen zehn Jahren weltweit nahezu verdoppelt. Gleichzeitig können sich immer weniger Menschen aus extremer Armut befreien: Das Tempo, in dem extreme Armut abnimmt, hat sich seit 2013 halbiert. In Teilen Afrikas steigt die extreme Armut sogar wieder an. Als extrem arm gilt laut Weltbank, wer weniger als 1,90 US-Dollar pro Tag zur Verfügung hat.

 

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Fehler mit System

In Berlin-Wedding wehren sich Mieter gegen dubiose Nebenkostenabrechnungen von Deutschlands größtem Wohnungsunternehmen Vonovia.

 

Eddy Haase ist sauer. 2014 ist der 49-Jährige in seine Wohnung in der Schulstraße in Berlin-Wedding eingezogen. »Ich hatte eine passable Miete, und bei Problemen hat der Vermieter zuverlässig reagiert«, sagt Haase. Doch seit das Wohnungsunternehmen Vonovia das Gebäude 2016 aufgekauft hat, flattern ihm immer höhere Nebenkostenabrechnungen ins Haus. Schnee schippen, Flurlampen reparieren, den Müll entsorgen: Alles ist teurer geworden. »2016 wurden für den Hauswartservice im Haus 3200 Euro berechnet«, erzählt Haase. »2017 waren es dann satte 6800 Euro, also mehr als das Doppelte.« Wie kommt der massive Kostenanstieg zustande? Haase kennt die Antwort bis heute nicht. Die Einsicht in die Betriebskostenabrechnung, auf die jeder Mieter das Recht hat, wird ihm bis heute verweigert. »Niemand hat mir irgendwelche Belege präsentiert.« Haase suchte daraufhin das Gespräch mit den Nachbarn. Was er dabei erfuhr, hat den Berliner schockiert: »Praktisch jeder konnte mir Abrechnungen von Vonovia mit erhöhten Nebenkosten zeigen«, sagt Haase.

Das war der Auslöser für die Gründung der Initiative »Vonovia-Mieter-Wedding« im vergangenen Oktober. »Wir Mieter wollen uns diese Profitmacherei mittels überhöhter Nebenkosten nicht mehr gefallen lassen«, sagt Haase. Ziel der Initiative ist es, betroffene Mieter aufzuklären und Öffentlichkeit für das Problem zu schaffen.

 

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Deutsche Wohnen: Streit um Siedlung Westend eskaliert

Das Unternehmen erwägt offenbar, das Neubauvorhaben in Charlottenburg zu kippen. Man wolle nur zu „realistischen Bedingungen“ weitermachen.

Westend. Es gilt als eines der größten Neubauvorhaben in Charlottenburg-Wilmersdorf. Die Deutsche Wohnen will die ehemalige britische Alliierten-Siedlung entlang von Scott-, Swift- und Dickensweg in Westend abreißen. Die Bauten aus den Fünfzigerjahren mit 212 zum Großteil noch vermieteten Wohnungen sollen verschwinden und 580 neue dafür gebaut werden. Seit Jahren wird zwischen Bezirk und Unternehmen um das Vorhaben gerungen. Nach Informationen der Berliner Morgenpost droht die Deutsche Wohnen nun, sich aus dem Vorhaben zurückziehen. Gegenüber der Berliner Morgenpost sagte Deutsche-Wohnen-Sprecherin Manuela Damianakis aber lediglich: „Es ist ein tolles Projekt. Grundsätzlich wollen wir uns weiter für die Realisierung einsetzen, aber nur zu realistischen Bedingungen.“

Bezirk will 52 Prozent der neuen Wohnungen mietpreisgebunden

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Miethaie in Fresslaune

Investoren lechzen nach hohen Renditen auf dem Immobilienmarkt. Mieterbund fordert Bodensteuer als Spekulationsbremse

 

Es ist angerichtet. Die Unternehmensberatungsgesellschaft Ernst & Young hat am Mittwoch das »Trendbarometer Immobilien-Investmentmarkt 2019« vorgestellt, wofür 300 Spekulanten befragt wurden. Im vergangenen Jahr hätten in Deutschland demnach Immobilien im Wert von 78 Milliarden Euro den Besitzer gewechselt. Dies entspreche einem Zuwachs von sieben Prozent gegenüber 2017. Nach 2015 sei es der zweithöchste Wert innerhalb der vergangenen 15 Jahre.

Die Spekulation mit Wohneigentum ist unter den Managern besonders beliebt. Im Vergleich zum Handel mit Gewerbeimmobilien gebe es in dem Sektor eine »größere Preisphantasie«. Die Investoren glaubten »weiterhin an steigende Mieten in Deutschland und damit auch an Deutschland als Investmentmarkt«.

Ähnlich euphorisch ist auch die Deutsche Bank. Der Tagesspiegel zitierte in seiner Mittwochausgabe aus einem Schreiben der Analyseabteilung des Geldhauses, in dem frohlockt wird, dass Berlin sich zu einem Innovationsstandort entwickle. Dies stelle »eine exzellente Basis für den Wohnungsmarkt dar«. Die Banker erwarten einen »lang anhaltenden Hauspreiszyklus«.

Ernst & Young geht davon aus, dass hierzulande »der Fokus auf Bestandsinvestitionen liegen« werde, da hier bessere Renditen zu erwarten seien als bei Zukäufen. Welche Folgen solche Geschäfte haben, erklärte der Geschäftsführer des Deutschen Mieterbunds, Ulrich Ropertz, am Mittwoch gegenüber jW: »Wenn Investoren vermehrt auf Bestandswohnungen setzen und sagen, da liegt die Rendite, dann heißt das übersetzt, sie treiben die Mieten in die Höhe.«

 

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Glück kennt keine Behinderung

Fotoausstellung von Jenny Klestil

19. Januar bis 5. März 2019

Montag bis Freitag von 10-18 Uhr

Vernissage : 18. Januar 2019 um 18 Uhr

mit Live-Fotoshooting für Menschen mit Down-Syndrom und anderen Beeinträchtigungen (Beitrag 30 €)

im Stadtteilzentrum am Teutoburger Platz / Fehrbellinerstr. 92 / 10119 Berlin

Wir freuen uns auf kleine und große Leute.

Miete rauf, Rente runter

Steigen die Mieten weiter wie bisher, können sich viele Rentner kaum noch eine Wohnung leisten. Wenn die Bauindustrie nicht reagiert, droht den Alten eine Wohnungsnot.

Über später denkt sie nicht so gerne nach. Obwohl Brigitte Weber sonst sehr vieles plant und sehr überlegt handelt. Aber das Altsein wird in dieser Stadt hart, das ahnt Weber schon. Sie geht auf die 50 zu, hat noch knapp 20 Jahre bis zur Rente und heißt in Wirklichkeit anders. Sie will aber nicht mit richtigem Namen in den Medien stehen, zwei Dinge machen ihr Sorgen: Sie ist Angestellte in der Pharmabranche und verdient gut, aber nicht gerade übermäßig. Wenn alles glatt läuft, bekommt sie in etwa 1.000 Euro Rente, sagt ihr Rentenbescheid. Das ist ungefähr so viel, wie sie jetzt für ihre Zweizimmerwohnung in München bezahlt. Und die Mieten werden steigen in den kommenden 20 Jahren. Wird sie sich diese Stadt, in der sie seit 20 Jahren lebt, als Rentnerin überhaupt noch leisten können?

Viele Bürgerinnen und Bürger müssten sich diese Frage stellen, besonders in den Großstädten, findet Matthias Günther: “Deutschland steht ein Alterswohnproblem bevor. Die Entwicklung wird einem Großteil der Seniorenhaushalte in Deutschland zu schaffen machen”, warnt der Vorstand des Pestel-Instituts in Hannover. Das Institut wurde vom einstigen niedersächsischen Wissenschaftsminister Eduard Pestel gegründet und hat sich auf die Erstellung von Szenarien für den Wohnungsmarkt spezialisiert. Sein neuestes Szenario sieht so aus: Weil die Renten künftig schrumpfen, die Wohnkosten dagegen steigen, müssten eigentlich massenhaft Senioren in kleinere Wohnungen umziehen. “Aber genau davon gibt es viel zu wenige”, sagt der Ökonom Günther. Und vor allem gebe es noch weniger seniorengerechte Wohnungen, bundesweit nämlich nur 700.000. Etwa drei Millionen altersgerechte Wohnungen fehlten auf absehbare Zeit, beziffert das Pestel-Institut. Zu dieser Zahl kam schon das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) in seinen Studien. Günther sagt es so: “Deutschland steuert sehenden Auges auf die graue Wohnungsnot zu.”