big-berlin.land

Neueste Nachrichten

Extreme Mietsteigerung: Nach der Dämmung sind wir die Dummen

Ärger im Kollwitz-Kiez. Die Wohnungsbaugesellschaft saniert dort ihre Mietshäuser. Eine Geldfalle für die Anwohner.

Sie sind Rentner, Künstler, Alleinerziehende und leben in der Knaackstraße 60-68. Ihre Wohnungen im teuren Kollwitz-Kiez sind günstig. Noch!

Wegen Modernisierungen sollen die Mieten in der 1958 errichteten Häuserzeile drastisch angehoben werden. Viele Bewohner müssten dann ausziehen und ihre Heimat Prenzlauer Berg verlassen.

„Besonders das mit der Wärmedämmung ist verrückt“, sagt Mieter Marko Pinnow (42). In einem Schreiben der kommunalen Wohnungsbau-Gesellschaft Gewobag an die Mieter werden die Ausgaben aufgeschlüsselt: Mehr als zwei Millionen Euro sollen die Arbeiten kosten. Davon wird eine Million Euro für die Wärmedämmung berechnet. Und die Dämmung, die Heizkosten senken sollte, wird für die Bewohner teuer. Mieter Marko Pinnow: „Ich zahle aktuell 43 Euro fürs Heizen. Nach der Modernisierung soll ich 73 Euro mehr nur für die Dämmung zahlen. Und da habe ich noch nicht geheizt!“

Klaus Natusius (80) wohnt seit 35 Jahren in dem Haus. Er zahlt bisher für seine 60 Quadratmeter große 2,5-Zimmer-Wohnung 440 Euro. Nach der Modernisierung soll er 670 Euro zahlen. „Ich bekomme eine kleine Rente, habe 45 Jahre auf dem Bau gearbeitet“, sagt er. Die Miete würde er kaum aufbringen können. Den Kiez müsste er verlassen. Denn in Prenzlauer Berg werden für vergleichbare Wohnungen bis zu 950 Euro aufgerufen.

Rückendeckung bekommen die Mieter vonseiten der Politik. „Eine Million Euro für eine simple Fassaden-Dämmung erscheint mir nicht plausibel“, sagt Roland Schröder (47, SPD), Vorsitzender des Ausschusses für Stadtentwicklung im Bezirk. „Es würde mich nicht wundern, wenn da nicht ordentlich kalkuliert wurde, um Mietern Angst zu machen.“ Die erste Familie ist schon aus dem Haus weggezogen.

Bei der Gewobag heißt es: „Wir halten uns strikt an die gesetzlichen Regelungen und die Vorgaben unseres Gesellschafters, des Landes Berlin.“ Es werde aber auch geprüft, ob die Dämmung zwingend erforderlich sei.

 

Quelle: http://www.bz-berlin.de/berlin/pankow/extreme-mietsteigerung-nach-der-daemmung-sind-wir-die-dummen

Mieter protestieren gegen die Modernisierungspraxis der Gewobag

Vor den Häusern der Knaackstraße 60-68  sieht es am Sonnabend aus, als gebe es dort was Tolles zu feiern: Auf Tischen liegen geschmierte Brötchen und Schmalzstullen, aus Lautsprechern, die in den Parterrewohnungen stehen, kommt laute Musik. Einige Bewohner ziehen als Polonaise über den Gehweg, sie singen den Rauchhaus-Song von Ton, Steine, Scherben. Rio Reisers Text haben sie umgedichtet.

Diesmal sind die Feinde der Hausbesetzer keine Kreuzberger Spekulanten – in der Knaackstraße richtet sich der Ärger der Mieter gegen die kommunale Wohnungsbaugesellschaft Gewobag. Es ist kein Straßenfest in Prenzlauer Berg, sondern ein munteres Protestfrühstück mit Transparenten und Plakaten, die sich gegen das landeseigene Wohnungsunternehmen richten: „Gewobag – Sozial sieht anders aus“, steht da. Und: „Wir lassen uns nicht verdämmen!“

Miete verdoppelt sich

Im Januar 2016 hat das kommunale Unternehmen den Bewohnern mitgeteilt, ihre Häuser würden umfassend modernisiert. Die Fassade werde gedämmt, eine Zentralheizung eingebaut, Badezimmer und Sanitärstränge erneuert. Als Hildegard Pohlmann das mehrseitige Schreiben zu Ende gelesen hatte, sei sie schockiert gewesen, erzählt die Seniorin. Bisher zahlt sie für ihre 51 Quadratmeter große Zwei-Raum-Wohnung 340 Euro, nach der Modernisierung könnten es etwa 250 Euro mehr sein, kündigt die Gewobag an.

Allein für die Dämmung der Fassade soll Hildegard Pohlmann jeden Monat 100 Euro mehr zahlen. Sie sagt, die Hälfte ihrer Rente müsse sie  künftig für die Miete aufbringen. Alle Mieter seien entsetzt gewesen. „Und viele denken, es wird noch teurer, das wäre ja typisch für Berlin.“

Die Bewohner sind verunsichert, sie haben Existenzangst, die ersten ziehen aus. Manche wissen nicht, welche Ausnahmeregelungen es für Mieter mit geringem Einkommen gibt. Und sie sind wütend, weil ausgerechnet eine kommunale Wohnungsbaugesellschaft solche Mieterhöhungen plant. „Die Mieten steigen in eine Höhe, die viele Bewohner nicht mehr bezahlen können“, sagt Anwohnerin Elke Coners.

Der Wohnkomplex an der Knaackstraße wurde Ende der 50er-Jahre gebaut, manche Mieter wohnen seit fünf Jahrzehnten in Wohnungen, die zum Teil noch Ofen- oder Gasetagenheizungen und Badeöfen haben. Heute leben in den Häusern auch Künstler, Studenten, Musiker, Professoren, Alleinerziehende und junge Familien. Die Mieten sind nicht hoch, fünf bis sechs Euro den Quadratmeter, es sind die letzten preiswerten Wohnungen im sonst so teuren Kollwitzkiez. Bewohner sagen, sie hätten gar nichts dagegen, ein modernes Badezimmer eingebaut zu bekommen. Aber warum, fragen sie, muss denn die Fassade für eine Million Euro gedämmt werden, wenn am Ende diese hohen Kosten auf die Mieter umgelegt würden?

Die Bewohner wehren sich, sie organisieren den Protest, erarbeiten einen Forderungskatalog, informieren die Bezirkspolitiker. Im März fordern SPD,  Grüne und Linke im Pankower Bezirksparlament die Gewobag auf, die Modernisierungsankündigung „unverzüglich zurückzunehmen“. Es dürfe keine „teure und unsoziale Sanierung“ im Milieuschutzgebiet Kollwitzplatz geben. „Das robuste Vorgehen der Gewobag entspricht nicht dem, was man von einer kommunalen Wohnungsbaugesellschaft beim Umgang mit ihren Mieterinnen und Mietern generell erwarten darf“, schreiben sie. Auf ihrer nächsten Sitzung am Mittwoch wird es wieder um die Knaackstraße gehen.

Die Gewobag hat ihre Modernisierungsankündigung nicht zurückgezogen, sie hält am Bauvorhaben fest. Eine Sprecherin sagt, die Gewobag plane eine energetische Sanierung zu sozialverträglichen Bedingungen, wie sie  das „Berliner Mietenbündnis“ festlege. Weil es in den Gesprächen mit den Mietern vor allem um die Dämmung der Hausfassade gegangen sei, werde nun geprüft, darauf zu verzichten.

Quelle :  http://www.berliner-zeitung.de/berlin/prenzlauer-berg-mieter-protestieren-gegen-die-modernisierungspraxis-der-gewobag-24296930

Schon mal ein Gericht von innen gesehen?

Gemeinsam auf Tour mit den Steinbergern auf dem Klageweg

kudamm66

Aus gut unterrichteten Quellen haben wir erfahren, dass die Aktiven aus der Siedlung Am Steinerg mal wieder auf Gerichtstour sind.
Vor dem Amtsgericht Berlin Mitte, wird erneut eine Duldungsklage zur Modernisierung verhandelt.  Mieterhöhungen von über 1600 € pro/Monat sollen hier die Senioren und Normalverdiener nach Abschluß der Modernisierungsarbeiten an den Eigentümer berappen.  Wirhaben schon vieles gesehen in unserem Land. Aber das ist die absolute Höhe. Modernisierungkosten von fast 200000 Euro pro Wohnung sollen hier auf den einzelnen Mieter umgelegt werden!

In der Vergangenheit, sind viele Unterstützer, Freunde und Pressebeobachter zu den Gerichtsterminen erschienen, auch um dem Betroffenen, solidarisch den Rücken zu stärken und Zeichen zu setzen.

Auch der neuerliche Termin, am Freitag den 1.07.2016 beim Amtsgericht Wedding, Brunnenplatz, 13357 Berlin, um 09:15, im Saal 356 sollte sicherlich wieder viele Besucher einladen, zu kommen! Der U-Bahnhof Pankstraße U8 ist fußläufig zu erreichen.

 

Wir rufen alle Reinickendorfer und Berliner auf

Solidarisiert euch mit den Aktiven aus der Siedlung Am Steinberg

Sie kämpfen auch für Euch

Seit über 600 Tagen stehen die Bewohner auf den Straßen der Siedlung und demonstrieren gegen den Ausverkauf unseres Bezirks

Kommt in die Siedlung und informiert euch

Beteiligt euch und seid politisch

Siedlung am Steinberg Demo

kudamm2

The post Schon mal ein Gericht von innen gesehen? appeared first on Siedlung am Steinberg.

Kampagnenblog zu TTIP & CETA

Die Freihandelsabkommen TTIP und CETA bedrohen rechtsstaatliche Prinzipien und demokratische Mitbestimmung. Das Bündnis "Stop TTIP" geht aktiv dagegen vor.

Es gibt nichts Gutes, außer man tut es.

Eine Mieterpartei!  Jetzt auch in Berlin. Das werden wir im Auge behalten.

 

The post Es gibt nichts Gutes, außer man tut es. appeared first on Siedlung am Steinberg.

Chaos am Hauptbahnhof Ein U-Bahn-Eingang muss wieder abgerissen werden

Schlampereien bei der Fertigstellung des Hauptbahnhofs könnten gravierende Folgen haben. Weil Tiefbauarbeiten neben dem Bahnknoten wiederholt werden müssen, droht der Abriss eines benachbarten U-Bahn-Eingangs. Betroffen wäre der südöstliche Zugang zum U-Bahnhof Hauptbahnhof an der Linie U 55, teilte ein Sprecher der Deutschen Bahn (DB) jetzt auf Anfrage mit.

Ein Konzept sehe vor, dass das Zugangsbauwerk abgetragen und später wieder aufgebaut wird, sagte er. Um die Probleme im Untergrund neben dem Hauptbahnhof zu lösen, wäre dies die „technisch und wirtschaftlich günstigste Lösung“, so der Sprecher.

Kosten: vier Millionen Euro

Hohe Kosten fallen aber trotzdem an. Nach Informationen der Berliner Zeitung werden sie auf einen siebenstelligen Eurobetrag geschätzt. Momentan ist von rund vier Millionen Euro die Rede.

Es liegt an der S21

Anlass des nun drohenden Abrisses ist der Bau der S-Bahn-Strecke, die künftig vom Ring nach Süden zum Hauptbahnhof führen soll. Die Trasse, die den Projekttitel S 21 trägt, soll neben dem Humboldthafen in einer Tunnelstation vorläufig enden. Für die unterirdischen S-Bahn-Anlagen sollte Vorsorge getroffen werden, als der Hauptbahnhof gebaut wurde.

Weiter lesen:  http://www.berliner-zeitung.de/berlin/verkehr/chaos-am-hauptbahnhof-ein-u-bahn-eingang-muss-wieder-abgerissen-werden-24303926?originalReferrer=https://www.facebook.com&originalReferrer=http%3A%2F%2Fm.facebook.com%2F&dmcid=sm_fb_p

Neue Mietwohnungen sind zu teuer

Es sollte der Politik zu denken geben, die aus lauter Ohnmacht auf Investoren angewiesen ist: Der Bund hat die Verantwortung für den sozialen Wohnungsbau abgegeben, Länder und Städte haben ihre Baugesellschaften verscherbelt, genauso große Arbeitgeber wie Bahn oder Post.

 

95 Prozent der privat gebauten Mietwohnungen können sich Normalverdiener nicht leisten. Die Zahlen belegen das Versagen der Politik.

Endlich, so könnte man meinen, kommt der Wohnungsbau in Gang: Die Zahl der Baugenehmigungen steigt so schnell wie seit Jahren nicht, die Auftragsbücher der Handwerker sind voll. Entstehen in den Städten jetzt die Wohnungen, die so dringend gebraucht werden: etwa für Familien, Berufsanfänger oder Flüchtlinge?

Neue Zahlen zeigen das Gegenteil: Was in den vergangenen zwölf Monaten gebaut wurde, kann sich die breite Masse nicht leisten. Nur 4,7 Prozent der Mietwohnungen, die private Bauherren in den 20 größten Städten errichtet haben, fallen in das bezahlbare Segment. Das hat das NDR-Magazin Panorama aus den Marktdaten des Instituts Empirica errechnet. Als “bezahlbar” gilt eine Wohnung, wenn ein durchschnittlicher Haushalt höchstens 30 Prozent seines Einkommens für die Kaltmiete zahlen muss. In München, wo die Einkommen hoch sind, trifft das immerhin auf 8,2 Prozent der privaten Neubauten zu. In Berlin dagegen nur auf 2,5 Prozent.

Alle blicken sie nun auf ein Marktversagen, das sie selbst verursacht haben

Das sind nicht nur traurige Zahlen für Wohnungssuchende. Es sollte auch der Politik zu denken geben, die aus lauter Ohnmacht auf Investoren angewiesen ist: Der Bund hat die Verantwortung für den sozialen Wohnungsbau abgegeben, Länder und Städte haben ihre Baugesellschaften verscherbelt, genauso große Arbeitgeber wie Bahn oder Post. Alle blicken sie nun auf ein Marktversagen, das sie selbst verursacht haben.

Dabei ist entscheidend, warum private Investoren so teuer bauen. Es stimmt zwar, dass Bauträger wie Vermieter Gewinn erwirtschaften wollen. Doch das Problem beginnt schon beim Bauland: Die wenigen Flächen sind derart teuer, dass darauf kaum günstige Wohnungen entstehen können. Hinzu kommen, je nach Land, zu viele verschiedene Auflagen, etwa zur Zahl der Parkplätze. So entstehen statt Mietshäusern energetisch perfekte Eigentumswohnungen mit Tiefgarage, wie es der Gesetzgeber vorgibt.

Zwar gibt es die Theorie, dass jede neue Wohnung – egal wie teuer – hilft: Familien ziehen etwa vom billigen Apartment in einen größeren Neubau, dadurch wird die günstige Wohnung frei. Doch erstens ist es beim Mieterwechsel üblich, die Miete zu erhöhen oder die Wohnung zu sanieren. Zweitens zieht jeder teure Neubau den örtlichen Mietspiegel nach oben. So steigen die Mieten in den Großstädten seit Jahren deutlich schneller als die Einkommen.

Quelle : http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/kommentar-wie-waers-mal-mit-bezahlbar-1.3047858