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Sonnabend, 16. Juli: Arbeitseinsatz auf dem Teutoburger Platz

Liebe Anwohner,

am kommenden Sonnabend wollen wir wieder einen Arbeitseinsatz auf dem Platz durchführen, Rasen mähen, Spielplatz säubern, Müll sammeln und was sonst noch so alles anfällt.

Wir treffen und wie immer um 10:00 Uhr zum gemeinsamen Frühstück und stärken uns für die Arbeit. Gegen elf Uhr wird in die Hände gespuckt und der Teute aufgehübscht.

Danke für euer zahlreiches Erscheinen

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Hallo, Cuvrybrache – ist da wer?

Beste Ecke in Kreuzberg: Das berühmte Camp ist seit zwei Jahren Geschichte. Der Senat sagt nun: „Bis zum Winter hat der Investor noch Zeit, dann …“.

Der Anruf bei Terra Contor endet nach wenigen Sekunden. „Wir geben dazu keinen Kommentar ab“, sagt eine Frauenstimme am anderen Ende der Leitung. Das Unternehmen gehört dem Münchener Investor Artur Süßkind, er ist Eigentümer der Cuvrybrache in Kreuzberg, die vor gar nicht so langer Zeit mal im Mittelpunkt stand und „Favela“ genannt wurde. Passiert da eigentlich was?

Im März sind die Bebauungspläne („Cuvryhöfe2“) auf dem Gelände gescheitet. Auf dem Grundstück in bester Lage zwischen fensterlosen Brandwänden und der Spree wächst Gras über die Geschichte. Auch aus der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung heißt es lediglich, man warte darauf, dass der Investor anfängt zu bauen. „Bis zum Winter hat er Zeit, dann wird die Baugenehmigung nicht mehr verlängert“, sagt der Sprecher Martin Pallgen.

Symbol für Berlins Baupolitik

Unweit dem Schlesischen Tor, umgeben von Clubs, Bars und Cafés, standen auf dem Brachland bis 2014 Zelte und Wellblechhütte. Darin hausten Obdachlose, Aussteiger und Idealisten, die mit dem ganzen „Geld-Scheiß“, wie es eine ausdrückte, nichts zu tun haben wollten. Nach der Räumung durch 120 Polizisten im September 2014 muss das Gelände bewacht werden, damit es sich die damaligen Bewohner nicht zurückholen. Wochenlang gab es kein anderes Thema: Die einen wollten die „Freie Cuvrybrache“ retten, andere waren froh, dass das Müll- und Schnapslager endlich aufgeräumt wurde. Die berühmten Graffiti an der Wand wurden durch einen Mittelfinger auf schwarzem Grund ersetzt.

Der Investor plante dort 250 Luxuswohnungen, Büros und Läden, der Senat wollte einen Uferweg, eine Kita und 25 Prozent Sozialwohnungen. Die geforderte soziale Infrastruktur war dem Artur Süßkind aber zu viel. Süßkind wollte die Quote von 25 Prozent Sozialwohnungen nicht erfüllen, mehr als zehn Prozent sei nicht drin, hieß es. Es ist bereits der dritte Bauplan für die Cuvrybrache, der seit den 90ern gescheitert ist.

Vor den Nullerjahren war das Grundstück zwischen Cuvrystraße und Schlesischer Straße lediglich eine leere Fläche, als in Kreuzberg Baugrund noch einfach vergessen wurde. Als mit dem Investorenprojekt Mediaspree das Spreeufer bebaut werden sollte, regte sich Widerstand im Kiez. Die Cuvrybrache wurde über die Jahre zum Symbol des Protests. Seit der Räumung ist es vor allem ein Symbol für Berlins Baupolitik.

Quelle : http://m.tagesspiegel.de/berlin/umstrittene-cuvryhoefe-in-berlin-kreuzberg-hallo-cuvrybrache-ist-da-wer/13856144.html?utm_referrer

Jetzt wollen alle das Grün in der City West retten

Für das Bürgerbegehren zur Rettung von Grünflächen in Charlottenburg-Wilmersdorf wurden mehr als 18.000 Unterschriften gesammelt. Die Abstimmung fällt trotzdem aus – weil die BVV die Forderungen übernimmt.

Monatelang warben Bürgerinitiativen und Kleingärtnerverbände in Charlottenburg-Wilmersdorf für ihr Bürgerbegehren, das Grünflächen im Bezirk vor einer Bebauung schützen soll. Mehr als 18.000 Unterzeichner unterstützten die Forderung – für den angestrebten Bürgerentscheid am Tag der Berliner Wahlen im September würden 7250 gültige Unterschriften genügen. Jetzt zeigten sich die meisten Fraktionsvertreter im Stadtentwicklungsausschuss der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) davon so beeindruckt, dass sie die Forderungen übernahmen.

Die Abstimmung der Bürger im Herbst entfällt damit aber wohl. Die BVV darf sich Forderungen aus einem erfolgreichen Bürgerbegehren zu eigen machen. Nur wenn dies nicht geschieht, kommt es zum Bürgerentschied.

Die Originalfrage aus dem Bürgerbegehren lautet: „Stimmen Sie zu, dass das Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf aufgefordert wird, die Grünflächen im Bezirk, einschließlich der Kleingärten, dauerhaft zu sichern und bestehende andere Planungen unverzüglich aufzuheben. Grünflächen, wie Parks, Kleingärten, gewidmete Grünanlagen, und durch die Öffentlichkeit nutzbare Grünflächen, sind von jeglicher Bebauung auszunehmen und für kommende Generationen dauerhaft zu bewahren, so dass ihre Qualität für Naherholung, Umwelt- und Klimaschutz erhalten bleibt.“

Die BVV „stimmt dem Anliegen und dem Inhalt des Bürgerbegehrens uneingeschränkt zu“, sagte Arne Herz (CDU) zu dem Antrag seiner Fraktion, der im Ausschuss mehrheitlich angenommen wurde. Die BVV wird dies voraussichtlich in ihrer Sitzung am Donnerstag, 14. Juli, bestätigen.

Nur die SPD stimmte nicht zu. Vize-Fraktionschefin Heike Schmitt-Schmelz stellte eine „konkurrierende Vorlage“ für den Bürgerentscheid vor. Ähnlich wie im Bürgerbegehren sollte die Frage lauten: „Stimmen Sie zu, dass das Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf aufgefordert wird, Kleingärten, Parks und gewidmete Grünflächen im Bezirk zu sichern und diese damit für kommende Generationen zu bewahren?” Aber die SPD findet auch: „Wichtige öffentliche Infrastrukturen wie Kitas, Schulen und Sportanlagen sowie die Schaffung bezahlbaren Wohnraums müssen möglich sein.“

Quelle : http://www.tagesspiegel.de/themen/charlottenburg-wilmersdorf/bvv-charlottenburg-wilmersdorf-jetzt-wollen-alle-das-gruen-in-der-city-west-retten/13874136.html

 

Anime Architektur

Die neue Wechselausstellung im Museum für Architekturzeichnung in Berlin zeigt Originalzeichnungen aus berühmten japanischen Animationsfilmen.

Die Filme des japanischen Anime gehören seit Akira (1988) und Ghost in the Shell 1995) fest zur internationalen Popkultur und finden auch in Deutschland immer mehr Anhänger.

Der Fokus der Ausstellung liegt auf den virtuosen Darstellungen großstädtischer Architektur. Auf den Zeichnungen, die für die Filme Patlabor (1989), Ghost in the Shell (1995) und Ghost in the Shell 2 -Innocence (2004) entstanden, verdrängt die Megapolis-Skyline die traditionelle Holzbebauung und grüne Landschaften. Industrieanlagen mit zahlreichen Rohrverflechtungen und utopische Science-Fiction-Gebilde geben die Hintergrundbilder, vor denen sich die spannungsreiche Handlung der Filme abspielt.

Die Ausstellung präsentiert Werke von Hiromasa Ogura (Artdirector), Mamoru Oshii (Regisseur), Atsushi Takeuchi (Layout) und Takashi Watabe (Layout).

Diese Künstler gehören noch zu einer Generation von Illustratoren, die Zeichentrickfilme noch fast ausschließlich per Hand zeichneten. So gehören Papier, Bleistift und Pinsel immer noch zu ihren wichtigsten Werkzeugen, obwohl die Computergrafik heutzutage in alle Bereiche der Produktion miteinbezogen wird. Der künstlerischen Handfertigkeit ist es zu verdanken, dass die Werke bis ins kleinste Detail und in hoher zeichnerischer Qualität ausgearbeitet sind.

Die präsentierten Zeichnungen verdeutlichen die Entstehung eines Hintergrundbildes, dessen Fertigstellung in vier Arbeitsschritten erfolgt: Setting, Imageboard, Layout und Background. Beim Setting werden in mehreren Bleistiftzeichnungen der Schauplatz der Handlung skizziert und die Architektur, die Landschaft sowie die Funktionsweise von mechanischen Elementen definiert. Der zweite Schritt ist ein farbiges Imageboard der Szene, in dem der Artdirector die Farbpalette festlegt. Als dritter Schritt folgt das Layout, eine Vorzeichnung, die präzise Angaben zur Lage der Objekte und zur Stellung der Figuren sowie zur Perspektive und Bewegung der Kamera enthält. Auf der Grundlage des Layouts wird dann die farbige Hintergrundillustration, der Background, angefertigt. Die Settings, Imageboards und Layouts werden in der Ausstellung in einem anderen Raum als die farbigen Backgrounds zu sehen sein und sind so arrangiert, dass der Zusammenhang sehr gut nachvollzogen werden kann.

Die Künstler stehen zumeist in einem Angestelltenverhältnis und geben die Rechte an die Produktionsstudios ab, so dass es oft schwierig ist, eine Erlaubnis für die öffentliche Präsentation der Werke zu erhalten. Zum anderen werden Zeichnungen im Studioalltag, wo im Endeffekt nur das finale Ergebnis – der fertige Film – zählt, zumeist nicht als wertvoll erachtet. Den Archiven der Künstler ist es zu verdanken, dass diese fantastischen Zeichnungen noch erhalten sind. Neben der Darstellung faszinierender gezeichneter Landschaften bieten sie die seltene Möglichkeit, einen Einblick in den Entstehungsprozess der Anime-Filme zu erhalten.

Tchoban Foundation. Museum für Architekturzeichnung
Christinenstraße 18a, 10119 Berlin

Ausstellungseröffnung am 22. Juli 2016 um 19 Uhr
Laufzeit: 23. Juli 2016 – 16. Oktober 2016

Öffnungszeiten: Mo – Fr 14–19 h
Sa – So 13–17 h

Tickets: 5 Euro, ermäßigt: 3 Euro

Nur genehme Kandidaten

Bei den Mieterratswahlen der GESOBAU dürfen mehrere Bewerber nicht antreten

Die Wahlkommission der Wohnungsbaugesellschaft GESOBAU hat mindestens vier Kandidaten von der Wahl ausgeschlossen. Sie organisierten Mieterproteste gegen Sanierungsvorhaben.
»Die unabhängige Wahlkommission hat Ihre Bewerbung geprüft und entschieden, dass sie nicht als Kandidatin, beziehungsweise. als Kandidat zugelassen werden können«, heißt es in einem Brief der landeseigenen Wohnungsbaugesellschaft GESOBAU, den mindestens vier Pankower Bewerber erhalten haben. Eine der betroffenen Kandidaten sei ausgeschlossen worden, da »in der Person schwerwiegende Verstöße gegen das friedliche Zusammenleben oder gegen die Hausordnung oder nachhaltige Verletzungen der mietvertraglichen Pflichten vorliegen«, erläutert das Schreiben.

Die Mieterin, die dieses Schreiben erhielt und aus Sorge um ihr Mietverhältnis ihren Namen nicht in der Zeitung lesen will, fiel aus allen Wolken. »Ja, ich habe mich im ›Bündnis Pankower Mieterstreit‹ organisiert und ich habe auch prozessiert«, sagt sie. Aber letztendlich habe die GESOBAU am Ende stets eingelenkt. »Ich bin nicht genehm, weil ich für meine Rechte gekämpft habe«, vermutet sie.

Die Mieterräte werden von allen Mietern gewählt und sind ein Ergebnis des Wohnraumversorgungsgesetzes, das die rot-schwarze Regierungskoalition 2015 in Folge des Mietenvolksentscheids verabschiedet hatte. Die Mieterräte sollen bei allen sechs landeseigenen Wohnungsbaugesellschaften die Belange der Mieter vertreten, jeweils ein Mitglied wird in die Aufsichtsräte entsandt.

»Es ist ein Skandal, kritische Mieterinnen und Mieter auszuschließen, sagt Rouzbeh Taheri von der Initiative Mietenvolksentscheid. «Wir sind einen ruppigen Umgang der GESOBAU gewohnt, die gerade in Pankow wie ein Privatvermieter agiert.» Der Protest im Bezirk entzündete sich an energetischen Sanierungsvorhaben, die die Mieten beinahe verdoppelt hätten.

«Es war von Anfang an zu erwarten, dass die GESOBAU kritische Mieter heraushalten wollte», sagt Michail Nelken, Stadtentwicklungsexperte der Linksfraktion in Pankow. «Ich dachte allerdings, dass sie die ihnen genehmen Leute pushen würde und nicht einfach Kandidaten ausschließt.» Zumal es sich bei den ihm bekannten Fällen um gewöhnliche Rechtsstreitigkeiten handele, die nun mal bei der Art, wie die GESOBAU an die Sanierungsvorhaben heranging, zu erwarten gewesen seien. «Bloß weil ein Mieter seine Rechte wahrnimmt, kann er doch nicht das passive oder aktive Wahlrecht verlieren», sagt Nelken.

Die Entscheidung zum Ausschluss von der Wahl fällte die Wahlkommission. Sie setzt sich aus 14 Mietern – je zwei für jeden der sieben Wahlkreise – sowie zwei Mitarbeitern der Wohnungsbaugesellschaft zusammen. Vorsitzende ist die ehemalige GESOBAU-Pressesprecherin Kirsten Huthmann.

Die Bewerbungen habe es aus Datenschutzgründen anonymisiert und in Form einer tabellarischen Übersicht der Wahlkommission vorgestellt, sagt das städtische Wohnungsunternehmen. Die Tabelle enthielt «Wahlbezirk, Vertragsbeginn, Alter, Beruf, persönliches Engagement (soweit angegeben) sowie Anmerkungen und Einschätzungen der GESOBAU», heißt es weiter.

Die Wahlkommission habe sich ihre Entscheidung nicht leicht gemacht. «Der Ausschlussgrund liegt gemäß der Wahlordnung in der Person des Kandidaten und seinem Verhalten als Mieter begründet, nicht in seinem persönlichen Engagement», sagt GESOBAU-Sprecherin Birte Jessen.

Die Wahlkommission habe sich bei ihren Entscheidungen von dem Gedanken leiten lassen, ob ein Kandidat im Sinne der Gemeinschaft aller GESOBAU-Mieter die Interessen aller fair vertreten würde und ob eine konstruktive Zusammenarbeit mit der GESOBAU in einem solchen Gremium möglich sei. Man rechne es dem unabhängigen Gremium hoch an, dass es «in einem sicher nicht einfachen Entscheidungsprozess und nach reiflicher Überlegung und Diskussion zu einem demokratisch erzielten Ergebnis gekommen» ist. Man wolle dieses nicht in Zweifel ziehen.

«Das sollen doch die Mieter als Wähler entscheiden, ob sie glauben, dass sie sich von einer Person gut vertreten fühlen», sagt Nelken. Völlig offen lässt die Wahlordnung die Frage, ob gegen Entscheidungen der Kommission Widerspruch möglich ist. Generell sind die Vorgänge rund um die Wahl, die während der Sommerferien stattfinden soll, intransparent: Die Dokumentation der Arbeit der Wahlkommission sowie die Stimmauszählung wird nicht veröffentlicht.

Quelle : https://www.neues-deutschland.de/artikel/1018256.nur-genehme-kandidaten.html

Ist Denkmalschutz nicht mehr der Rede wert?

Der WOGA-Komplex

Vor gut einhundert Jahren hat der Architekt Erich Mendelsohn am Kurfürstendamm ein ziemlich einzigartiges Wohnensemble geschaffen. Durch Bebauung soll es jetzt verdichtet werden – und damit vielleicht vernichtet.

Die Bewohner der Cicerostraße 55 sind wütend. Seit Jahren, genauer seit 2007, verwahrlost ein Teil der denkmalgeschützten Anlage und seit Monaten geistern Pläne durch die Öffentlichkeit, die eine Bebauung dieser Anlage vorsehen. Verdichtung nennt man das bei den Stadtplanern. Vernichtung eines Denkmals könnte die Folge sein.

Nur Tennisplätze?

In den Zwanzigerjahren hat der Architekt Erich Mendelsohn den WOGA-Komplex (Wohnungs-Grundstücks-Verwertungs-Aktiengesellschaft“) als Stadt in der Stadt gebaut. Mit Einkaufspassage, Kulturnutzung, gut geschnittenen Wohnungen und Tennisplätzen für jedermann.

Im ehemaligen Universum-Kino ist heute die Schaubühne zuhause. Wo noch in den Achtzigerjahren der “Athener Grill” und das “Tolstefanz” zu Speis und Tanz luden, ist heute eher Glücksspiel angesagt. Der Tennisplatz, auf dem einst Didi Hallervorden, Willy Brandt, Erich Kästner oder Vladimir Nabokov spielten, ist verwahrlost. Einzig die Wohnungen sind nach wie vor in passablem Zustand und wurden denkmalgerecht saniert.

Was also liegt näher als den Platz in der Mitte des Areals zu bebauen, wo doch Berlin Wohnraum braucht? So dachten sich das wohl die Investoren und verhandelten seit langem schon mit dem Berliner Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf und dem Landesdenkmalamt. Denn der Denkmalschutz müsste für einen Teil des WOGA-Komplexes aufgehoben werden – und zwar für die Tennisplätze.

Unterschiedliche Argumente

Etwa 70 Wohneinheiten als Kreuzhäuser sollen dort entstehen. WOGA-Baumeister Erich Mendelsohn hatte die Kreuzhäuser so geplant – wenn auch bedeutend kleiner. Und wohl weniger aus Überzeugung sondern schlicht aus finanzieller Not, denn sein Auftraggeber – der Verleger Rudolf Mosse – war nach der Wirtschaftskrise 1929 in arger Bedrängnis. Und: Gebaut wurden die Kreuzhäuser damals auch nicht.

Eine Stellungnahme internationaler ExpertInnen (sie liegen dem rbb vor) weist dann auch darauf hin, dass die Bebauung des Areals den eigentlichen Überzeugungen von Erich Mendelsohn nicht entsprach. Gleichwohl ging der Bezirk davon aus, dass man diese Planung ganz im Sinne Mendelsohns fortsetze. Aber das ist ein Irrtum, versichern die Expertinnen. Die Fachleute fürchten, das Gelände könnte durch die geplante Baumaßnahme als einzigartiges Kulturdenkmal vernichtet werden.

Kein Wettbewerb

Besonders kurios ist, dass sich der Bezirk zu einem nicht öffentlichen  und “konkurrierenden Gutachter-Verfahren” entschlossen hat. Kein öffentlicher Architekten-Wettbewerb also, sondern ein zwar zulässiges, aber dennoch gerade in einem solchen Fall eher merkwürdiges Verfahren.

Mit am Tisch saßen über den Plänen für die Neugestaltung neben Eigentümer und Bezirksamt das Landesdenkmalamt – angeblich, um ein “gegebenes Baurecht möglichst denkmalgerecht umzusetzen” (Antwort auf Anfrage der fraktionslosen Bezirksverordneten Nadia Rouhani) Kommunalpolitiker und Öffentlichkeit wurden erst später eingeweiht.

Der Investor verlange “vertrauliche Gespräche”, erklärte der zuständige Baustadtrat Marc Schulte. Das heißt also in diesem Fall: Ein mit Ordnungsaufgaben betrautes Gremium wie das Landesdenkmalamt berät und beschließt gemeinsam mit dem Investor und dem Bezirksamt geheim über die Bebauung eines von ihm selbst unter Denkmalschutz gestellten Bereiches.

Der zuständige Senator muss abwägen: Wohnungsbau oder Denkmalschutz? Wenn er zugunsten des Wohnungsbaus entscheidet, kann gebaut werden – und die Freifläche wird dann einfach später aus der Denkmalliste und der Denkmalkarte gelöscht.

So einfach geht das mit dem Denkmalschutz. Nur: Verkommt da nicht der Grundgedanke? Oder anders gefragt: Geht Denkmalschutz nur, wenn keiner, vor allem kein Investor dagegen spricht? Eigentlich war die Idee mal eine andere.

Und noch etwas: Die ExpertInnen haben herausgefunden, dass sich an dem “konkurrierenden Gutachter-Verfahren” auch ein Büro beteiligt hat (das Büro des Architekten Volker Staab), dessen Chef im Landesdenkmalrat sitzt. Das heißt im Klartext: Ein Berater des Kontrollgremiums ist Teil des Verfahrens. Ein ziemlich absehbarer Interessenkonflikt.

Weiterlesen  http://www.kulturradio.de/themen/architektur/der-woga-komplex.html