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Presseschau

Die Angst der Mittelschicht vor dem Abstieg droht die Republik zu zerreißen

Ihre Mitglieder fürchten um ihren Wohlstand – und protestieren an der Wahlurne. Die Volksparteien müssen der Mitte endlich einen guten Weg in die Moderne zeigen.

Vor der Wahl drängen die Volksparteien zur Mittelschicht wie Motten zum Licht, denn die Mitte verheißt die Macht. Auch vor der Bundestagswahl 2017 versprachen Union und SPD einiges. Doch eine Regierung entsteht nur quälend. Gerade Menschen aus bürgerlicher Mitte und traditionellen Milieus wandten sich von Union und SPD ab – und wählten mehr Parteien in den Bundestag als je, allen voran die Populisten von der AfD. Diese Ohrfeige für die Volksparteien lässt sich nicht nur mit dem Flüchtlingsstrom erklären. Sie wirft auch ökonomische Fragen auf. Hat die Mittelschicht Gründe, wirtschaftlich unzufrieden zu sein? Und wird das Notbündnis nervöser Volksparteien für eine neue Regierung noch mehr Unzufriedenheit produzieren, die am Ende die Demokratie gefährdet – oder gibt es eine Strategie, welche die Situation verbessert?

Wer nach Antworten sucht, muss erst mal beantworten, was das überhaupt ist, die Mittelschicht. Ökonomen halten sich, wie meist, an Zahlen fest. Sie zählen jene dazu, die 60 bis 200 Prozent des mittleren Einkommens verdienen. Judith Niehuis vom Institut der Deutschen Wirtschaft zieht den Kreis enger: Für sie gehören Singles mit 1500 bis 2500 Euro netto im Monat dazu, und Familien mit zwei Kindern zwischen 3000 und 5500 Euro. Gemeinsam ist den Definitionen, dass sie die Mitte auf 50 bis 60 Prozent der Bevölkerung beziffern, also: auf die Mehrheit.

 

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Darmstadt: Leben in der „Waldvilla“ oder der Sozialwohnung

Der städtebauliche Wettbewerb zur Umwandlung der Darmstädter Cambrai-Fritsch-Kaserne in ein Wohngebiet ist entschieden. Jetzt muss die Stadt das Grundstück aber auch in ihren Besitz bekommen.

Während in der Lincoln-Siedlung einige der früher von amerikanischem Militärpersonal bewohnten Wohnblöcke schon modernisiert und neu vermietet wurden und an anderen Stellen die Bagger den Boden für die nächsten Neubauten ausheben, steht die frühere Cambrai-Fritsch-Kaserne weiterhin leer. Allerdings mehren sich die Zeichen, dass diese 1938 von der Wehrmacht errichtete und 1945 von der amerikanischen Armee übernommene und um die Jefferson-Siedlung erweitere Anlage bald auch ins Eigentum der Stadt übergehen wird. Und dann die Arbeiten für ein neues Wohnquartier beginnen können, in dem in einigen Jahren mehr als 3000 Menschen leben sollen.

Die Verhandlungen mit der Bundesagentur für Immobilienaufgaben (Bima) als Eigentümerin laufen jedenfalls schon seit dem Abzug der Amerikaner im Jahr 2008. Bei diesen Gesprächen hat es die Stadt natürlich nicht belassen. Die Vorbereitungen auf den Beginn der Konversion sind schon so weit gediehen, dass Baudezernentin Barbara Boczek (Die Grünen) eine ziemlich genaue Vorstellung haben dürfte, wie das „Neue Quartier Ludwigshöhe“ einmal aussehen wird.

Vermutlich so ähnlich, wie es das Büro AS+P Albert Speer + Partner aus Frankfurt geplant haben. Sie sind aus dem städtebaulichen und landschaftsplanerischen Realisierungswettbewerb für die 34 Hektar große Fläche zwischen den Stadtteilen Bessungen und Eberstadt, den die Stadt durchgeführt hat, als Sieger hervorgegangen. Insgesamt vergab die Jury vor wenigen Tagen in dem Wettbewerb, an dem sich 16 Büros beteiligt hatten, vier Preise und tätigte einige Ankäufe. Die Entscheidung für Albert Speer und Partner fiel knapp mit einer Stimme Unterschied zu den folgenden Preisträgern.

Wie Boczek mitteilte, ist nach der Entscheidung des Preisgerichts vorgesehen, den Sieger mit der Überarbeitung seines Entwurfs „unter Würdigung der Empfehlung des Preisgerichts“ zu beauftragen. Diese Überarbeitung werde anschließend dem Magistrat und den Stadtverordneten zum Beschluss vorgelegt und diene als Grundlage für die Erarbeitung eines Bebauungsplans. Das Areal solle zügig entwickelt werden, sagte die Baudezernentin. Doch dazu müsse das Gelände erst einmal von der Bima erworben werden. „Die Verhandlungen laufen, ein Vertreter der Bima war am Preisgericht beteiligt.“

Cambrai-Fritsch und Jefferson liegen der Lincoln-Siedlungen quasi gegenüber. Für Darmstadt handelt es sich bei der Fläche um ein städtebauliches Filetstück. Und das nicht nur, weil die Stadt keine zusammenhängenden Bauflächen dieser Größenordnung mehr hat. Das Areal etwas abseits der Heidelberger Landstraße befindet sich mitten im Grünen und bildet den Lückenschluss zwischen dem reizvollen Stadtteil Bessungen und der Villenkolonie Eberstadt. Anders als bei Lincoln stehen einige der Bestandsgebäude der Cambrai-Fritsch-Kaserne unter Denkmalschutz, so dass die Chance besteht, diese historischen Bauten in das neu zu bauende Quartier zu integrieren.

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Die Mieten sind explodiert: Rein rechnerisch hätte in Berlin jeder zweite Haushalt Anspruch auf eine Sozialwohnung.

Ausgestattet mit guten Vorsätzen und Wünschen für Mensch und Welt, treten wir ins neue Jahr, wie es in der Motette von Johann Michael Bach besungen wird: „Gib Glück und Heil / gib Fried und Ruh / darnach die Seligkeit dazu.“ Doch Seligkeit samt Prinzip Hoffnung weichen der utopiefreien Realität meist schon wenige Tage nach Neujahr, wenn alles so weitergeht wie bisher.

Wer sich auf dem Wohnungsmarkt bewegt, bekommt das neujahrstypische Ineinanderwirken von politischer und privater Veränderungssehnsucht besonders zu spüren – einer Sehnsucht freilich, die unerfüllt bleibt. Wie aus Berlin kürzlich vermeldet wurde, sind die Mieten innerhalb kurzer Zeit dort so explodiert, dass, gemessen an dem stagnierenden Einkommen, jeder zweite Haushalt eigentlich Anspruch auf eine Sozialwohnung hätte. Die Immobilienanbieter kümmert es nicht.

Dabei ist die oft eingesetzte Staffelmiete oder Mindestmietvertragsdauer von bis zu vier Jahren nicht einmal das Hauptproblem. Noch immer wird häufig bei Neueinzügen verlangt, dass das Nettoeinkommen des Mieters dreimal so hoch ist wie die Warmmiete. Spätestens hier fragt man sich, ob Großstädte künftig eigentlich nur noch von Schwervermögenden bewohnt werden sollen. Kapitalismuskritiker könnten sich die Hände reiben: Lehrbuchartig führt der Wohnungsmarkt vor, was passiert, wenn der Markt sich selbst überlassen wird.

Die Mietpreisbremse spüren in Berlin die wenigsten, Sozialwohnungen sind Mangelware, die Schere zwischen Einkommen und Mieten wird immer größer. Aber bereitet das nicht genauso lehrbuchartig den Nährboden für die perfekte Rebellion? Doch statt Widerstand passiert das genaue Gegenteil: Anpassung. Bereitwillig gehorchen Noch-Mieter, die bald zu Vormietern werden, den Gesetzen des Marktes und nutzen die verzweifelte Wettbewerbssituation der Wohnungslosen, die darauf hoffen, Nachmieter zu werden, in Form von horrenden Abstandspreisen schamlos aus.

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Betreiber und Senat kämpfen um Kreuzberger “Privatclub”

Doppelte Miete, Streit mit neuen Nachbarn. Der Besitzer des Privatclubs sieht sich einem mächtigen Akteur gegenüber: dem Start-up-Investor und Vermieter Marc Samwer.

Aus den Worten spricht Wut: „Diese Leute kommen in die Stadt, ohne nach links oder nach rechts zu gucken und verdrängen Orte wie diesen“, sagt Katja Lucker, Popbeauftragte des Landes Berlin und Chefin des Musicboards. Sie spricht von Investoren der Start-up-Szene, die jüngst in verschiedenen Fällen Club-Betreiber aus ihren Räumlichkeiten verdrängten.

Der aktuelle Fall um den Privatclub an der Skalitzer Straße 85-86 in Kreuzberg erregt vor allem durch die prominenten Akteure Aufmerksamkeit: Die drei Samwer-Brüder, Gründer von zahlreichen Start-ups wie Zalando, dem Kochboxen-Anbieter Hello Fresh und dem Online-Möbelhändler Westwing.

Im Mai 2016 hat eine Verwaltungs-GmbH, dessen Geschäftsführer der älteste Bruder, Marc Samwer, ist, die ehemalige Paketstation an der Skalitzer Straße gekauft. Seitdem kommt Norbert Jackschenties, der dort seit fünf Jahren den Privatclub betreibt, nicht mehr zur Ruhe.

„Sie fordern die doppelte Miete und eine Begrenzung der Konzerte auf zwei Tage pro Woche“, fasst er zusammen. Dem könne er nicht nachkommen. Höhere Mieten bedeuteten höhere Preise. „Dann kommt keiner mehr.“ Alle Forderungen seien rechtlich völlig haltlos, sagt Jackschenties. „Es lastet dennoch ein unglaublicher Druck auf mir.“ Der Mietvertrag laufe in viereinhalb Jahren aus – erst danach sei die Zukunft ungewiss.

 

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Sozialwohnungsquote – eine Regel voller Ausnahmen

Es war ein Versprechen des Regierenden: 100 000 neue städtische Mietwohnungen. Mit mindestens 25 Prozent Sozialwohnungen. Doch die Praxis zeigt: Das „Berliner Modell“ bleibt eine Regel voller Ausnahmen.

Es beginnt, wie so oft in Berlin, mit einer guten Idee. Die Stadt braucht mehr Wohnungen, günstige vor allem. Und der damals noch rot-schwarze Senat meint im Jahr 2014 einen Teil der Lösung gefunden zu haben: das sogenannte „Berliner Modell“. Bedeutet: Große Bauprojekte bekommen nur noch dann eine Genehmigung, wenn in einem Teil der Bauten Sozialwohnungen entstehen, ausreichend Kita- und Schulplätze. Und der Investor Straßen, Wege und Versorgungsleitungen bezahlt – kurz: die Infrastruktur.

Der Investor kann dann selbst entscheiden, ob er die Sozialwohnungen behalten und günstig vermieten oder sie zum Beispiel an eine städtische Wohnungsbaugesellschaft verkaufen will. Das Land Berlin gibt im Gegenzug günstige Kredite für den Neubau und subventioniert die Mieten. Als das Modell 2014 im Abgeordnetenhaus verabschiedet wird, ist die Quote für Sozialwohnungen noch vage mit 10 bis 33 Prozent formuliert. Seit April 2015 liegt der vorgeschriebene Anteil bei 25 Prozent, seit Beginn des vergangenen Jahres sogar bei 30 Prozent. Als Stichtag gilt die öffentliche Auslegung des Bebauungsplans des jeweiligen Projektes. Eigentlich. Denn schon da wird aus einer guten Idee eine rechtlich hochkomplexe Angelegenheit. Und aus dem vollmundigen Versprechen vom schnellen, günstigen Sozialwohnungsbau eine Regelung voller Ausnahmen. Denn „in begründeten Einzelfällen“ können die Quoten reduziert werden – oder ganz wegfallen. Und von diesen Einzelfällen gibt es offenbar einige.

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Extrembebauung statt grünes Kleinod? Bebauung der Trettachzeile in Berlin

Die Bürgerinitiative „Altes Wasserwerk Tegel“ wehrt sich weiter gegen die Bebauungspläne der Project Immobilien Berlin auf dem Gelände des ehemaligen Wasserwerkes in der Trettachzeile 15.

In der jüngsten BVV-Sitzung wurde das Thema in Form von Einwohnerfragen behandelt.

Früher befand sich hier das Alte Wasserwerk Tegel (siehe auch Historisches Seite 30). Nach seiner Schließung entwickelte sich das Gelände zu einem besonders idyllischen Wohnort für 15 Anwohner. Sie haben sich auf dem 13.600 Quadratmeter großen Gelände, auf dem sich neben den denkmalgeschützten Gebäuden noch das Pförtnerhäuschen und ein alter Wald befinden, ein Paradies geschaffen. Doch nun bangen die Bewohner darum, denn das Grundstück wurde verkauft und soll dicht bebaut werden. War erst von 50 Wohnungen die Rede, sollen nun insgesamt 91 Wohnungen in acht Wohnhäusern entstehen. „Von den vier Baudenkmälern sollen drei erhalten werden. Lediglich die östlich der Zufahrtsstraße befindliche Werkstatt soll zugunsten eines Wohngebäudes abgerissen werden“, heißt es im Bebauungsplan. „Dass es sich dabei um meine Motorradwerkstatt und meine Existenz dreht, scheint nicht von Belang zu sein“, sagt Anwohner Heinz-Jürgen Korte.

Sollte das Werkstattgebäude abgerissen werden, würde Heinz-Jürgen Korte seine Existenz verlieren.Foto: fle

Eine Einwohneranfrage während der BVV kam von Regina Schönfeld: Beschlüsse, die in der BVV am 14. September 2016 getroffen wurden – unter anderem der Erhalt kleiner wohnverträglicher Gewerbebetriebe sowie die Sicherung der sozialen Struktur der Bewohner, das Festschreiben eines Anteils an preiswertem Wohnraum, den Erhalt der denkmalgeschützten Struktur und des hohen Grünanteils – würden sich in den jetzigen Planungen nicht wiederfinden. Das sehen auch die Verordneten Felix Lederle von den Linken, Angela Budweg von der SPD und Andreas Rietz von Bündnis 90/Die Grünen so. Budweg erklärt: „Es sind auch Arbeitsplätze betroffen, die Bebauungspläne stellen eine dramatische Bedrohung von Existenzen dar.“ Der Charakter des Geländes würde grundlegend verändert. Rietz kritisierte: „Der Entwurf des Bebauungsplan geht jetzt in die Beratung und Beteiligung, aber es wäre schön gewesen, wenn hier schon einiges, was in der BVV einvernehmlich als Leitlinien beschlossen wurde, umgesetzt worden wäre. Warum müssen wir jetzt mit einem Entwurf in die Beratung gehen, der lediglich einen Teil dessen berücksichtigt? Ein Bebauungsplan sollte die Interessen des Bezirks und nicht die Interessen des Investors darlegen.“

Dabei haben die Anwohner eigene Pläne mit dem Grundstück und wollen es selbst kaufen …

weiterlesen … Quelle … Reinickendorfer Allgemeine Zeitung

Berliner Schulbau – Vor Schattenhaushalten wird gewarnt

Zur eigenen Entlastung plant der Senat, einer kommunalen Wohnungsbaugesellschaft Schulbauaufgaben zu übertragen. Alte Rechnungshofberichte zeigen die Risiken.

Soll er oder soll er nicht? Finanzsenator Matthias Kollatz-Ahnen (SPD) steht aktuell vor der Frage, ob sich die kommunale Wohnungsbaugesellschaft Howoge für das Berliner Schulbauprogramm verschulden soll oder ob das Land selbst direkt die Milliardenkredite aufnimmt.

Seit dem Sommer 2016 lief es auf diese Frage hinaus: Damals wollte die SPD vor der Wahl zum Abgeordnetenhaus punkten und stellte ein großes Investitionsvorhaben für die Schulen vor. Und auch damals schon wurde die Möglichkeit angesprochen, dass eine noch zu gründende Howoge-Tochter nicht nur bauen, sondern den Bau auch finanzieren sollte – falls es die bundesweite Schuldenbremse unumgänglich machen würde.

Schulraumnot: Auch vor 45 Jahren

Was 2016 als Überraschungscoup wahrgenommen wurde, nämlich die Einbeziehung einer kommunalen Wohnungsbau-GmbH, ist in Wirklichkeit ein alter Hut, denn die SPD griff, wie berichtet, schon einmal auf dieses Instrument zurück, um die Schulraumnot zu lindern. Das war vor 45 Jahren

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Oxfam-Studie zu Vermögen: Alle zwei Tage ein neuer Milliardär

Vor dem Weltwirtschaftsforum in Davos hat die Organisation Oxfam einen Bericht zur sozialen Ungleichheit vorgestellt. Das Ergebnis: Der Reichtum der Reichen wächst rasant.

Die neuen Zahlen, mit denen Oxfam-Aktivist Nick Bryer hantiert, mögen bei den einen Achselzucken und bei den anderen Wut auslösen: Seinen Worten zufolge kommt alle zwei Tage irgendwo auf der Welt ein neuer Dollar-Milliardär hinzu. Inzwischen seien es mehr als 2000. Eine Näherin in Bangladesch müsse ihr ganzes Leben arbeiten, um so viel zu verdienen wie der Chef eines führenden Modekonzerns in vier Tagen. Und allein 42 Menschen besäßen zusammen so viel wie die gesamte ärmere Hälfte der Weltbevölkerung.

Die Schere zwischen Arm und Reich öffne sich, beklagt Bryer. “Wenn wir uns nur die jüngsten Vermögenszuwächse anschauen, dann gehen 82 Prozent davon – also vier von fünf Dollar – an das reichste ein Prozent”, sagt er. “Während der Wohlstand der unteren Hälfte der Menschheit, dreieinhalb Milliarden Menschen, gar nicht gewachsen ist.”

Kritik an der Datengrundlage und Interpretation

Die britische Hilfsorganisation Oxfam musste in der Vergangenheit Kritik einstecken: an der Grundlage der Daten und an deren Interpretation. Bryers Vergleiche beruhen zum einen auf der Milliardärsliste des US-Magazins “Forbes”, die teils Schätzwerte angibt. Zum anderen basieren sie auf dem “Globalen Wohlstandsreport” der Schweizer Bank Credit Suisse, der für viele Länder nur eine schwache Datenbasis hat.

Nach der Oxfam-Methodik gilt etwa ein angehender Harvard-Jurist, der sich fürs Studium verschuldet, als arm – obwohl er später die Chance hat, viel Geld zu machen. Bryer verteidigt jedoch die Botschaft des neuen Berichts. “Es ist die zuverlässigste Schätzung, die sich ermitteln lässt”, sagt er. “Aber natürlich: Ohne einen globalen Zensus haben wir keine wirklich wissenschaftlichen Daten. Das Muster ist aber klar: Wohlstand häuft sich bei denen an der Spitze an, während die meisten Menschen auf der Welt zurückgelassen werden.”

Erfolge der Globalisierung anerkannt

Oxfam verteufelt indes nicht die Globalisierung, sondern erkennt an, dass sich auch dank ihr der Anteil jener Menschen, die in extremer Armut leben, in den vergangenen 20 Jahren halbiert hat. Und es gibt Bryer Hoffnung, dass Regierungschefs und Konzernlenker aufgewacht sind, aufgeschreckt durch die Erfolge der Populisten. Sie registrieren die Ungleichheiten innerhalb eines Landes und auf der Welt nun immerhin als Problem.

Aber auch zuletzt seien etwa Löhne und Gehälter geringer gestiegen als die Produktivität. Den wohlfeilen Worten, die auch beim Weltwirtschaftsforum in Davos wieder zu hören sein werden, müssten jetzt Taten folgen, fordert Bryer. “Regierungen sollten gesetzliche Mindestlöhne einführen und kontrollieren. Sie sollten die Arbeitnehmerrechte stärken, vor allem für Frauen”, erklärt er. “Sie sollten exzessive Managergehälter und Ausschüttungen an Aktionäre begrenzen. Und sie sollten die Steuervermeidung in großem Stil von Konzernen und Superreichen bekämpfen.”

Kritik an US-Steuersenkungen

Die auch von der ARD veröffentlichten “Paradise Papers” haben gezeigt, mit welchen Tricks Firmen und vermögende Prominente ihre Einnahmen in Steuerparadiese verschieben. Die Steuersenkungen von US-Präsident Donald Trump für Unternehmen kritisiert Bryer – auch wenn er es einen “Schritt in die richtige Richtung” nennt, dass Apple nun seine Milliardenreserven aus dem Ausland in die USA transferiert und dort versteuert.

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Was Berlin mal war und was es bald sein könnte! Für Jonny Knüppel geht es um alles!

Seit Sommer wird auf dem Gelände des Underground-Clubs Jonny Knüppel zwischen Kreuzberg und Treptow nicht mehr gefeiert, Kunst geschaffen oder diskutiert. Für eine Betriebsgenehmigung muss Geld her. Die vermutlich letzte Chance: eine Crowdfunding-Kampagne.

Es ist eine dieser Geschichten, bei denen es darum geht, was Berlin mal war und was es bald sein könnte. Der Inhalt: ein Club, der gleichzeitig Freiraum für vieles bot, behördliche Auflagen und die Gentrifizierung Kreuzbergs. 2015 war Jonny Knüppel auf die nördliche Lohmühleninsel gezogen, den kleinen Streifen Land zwischen Treptow und Kreuzberg, zwischen Flutgraben und Landwehrkanal, wo dieser in die Spree mündet. In Sachen Clubkultur eine illustre Nachbarschaft: Gleich nebenan liegen Birgit & Bier , Chalet , Ipse und der Club der Visionäre .

Jonny Knüppel war nie nur Club, sondern immer auch Kunst, Freiraum, Spielplatz. ©Jonny Knüppel

Jonny Knüppel wollte von Anfang an nie nur ein Techno-Club sein. Hier spielten schon Bands aus der Wüste Malis mit renommierten Berliner Jazz-Ensembles zusammen. Für Kunst ist auf dem Gelände ebenfalls Raum. Man könnte auch von einem Gesamtkunstwerk sprechen, das dort aus alten Überseecontainern und wiederverwendetem Material entstanden ist. Die Macher überließen Jonny Knüppel darüber hinaus auch vielen zivilgesellschaftlichen Initiativen als Treffpunkt und Ort für Diskussionen. Der Freiraum sollte durch die Einnahmen aus dem Clubbetrieb querfinanziert werden. Einen Haken hatte die Sache: Konzerte und Clubnächte fanden am Rande der Legalität statt. So wie es im Berlin der Nachwendezeit eher die Regel als die Ausnahme gewesen war.

Ein Wohnhaus und ein Kabelbrand

Die Hauptpersonen des offenen Kollektivs hinter Jonny Knüppel hatten das Gelände von einem Investor gemietet, der nach und nach weitere Grundstücke auf der Lohmühleninsel kaufte – so erzählt es uns Johannes, einer der Macher. Seinen Worten nach ist der nördliche Teil der Insel als Gewerbegebiet ausgewiesen. So sei es den Club -Gründern zumindest am Anfang versichert worden. Das Problem: Auf dem Gebiet befindet sich ein einzelnes Wohnhaus, das auch nach wie vor bewohnt ist. Genaugenommen dürfe es dort nicht stehen, es genieße aber Bestandsschutz, so Johannes. Entsprechend höhere Schallschutzauflagen muss der Nachbar Jonny Knüppel eigentlich erfüllen.

Im Sommer soll es im Jonny Knüppel weitergehen – doch das klappt nur, wenn die nötigen Umbauten zu stemmen sind. Foto: externe Quelle – ©Jonny Knüppel

Zum aus eigener Kraft unüberwindlichen Hindernis wurde das aber erst durch ein Ereignis im Sommer 2017. In einem der Container brach ein Kabelbrand aus, verursacht durch Personen, die nicht zum Kreis der Club-Macher gehörten. Laut Johannes blieben Brand und Schaden klein, es gab keine Verletzten, aber beträchtliche Qualmentwicklung. Polizei und Feuerwehr mussten anrücken. Vom Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg gab es nach dem Brand eine klare Ansage: Bis Jonny Knüppel eine vollständige Betriebsgenehmigung habe und alle Auflagen erfüllt seien, dürften keine unbefugten Personen mehr das Gelände betreten – das vorläufige Aus für öffentliche Veranstaltungen aller Art.

Ohne Party kein Geld

Seither ruht also der Betrieb, aber die Betreiber blieben nicht untätig. Ein Bauantrag ist gestellt, um die nötigen Umbauten in Angriff nehmen zu können. Die betreffen neben dem Schall- auch den Brandschutz, sowie etwa eine neue Heizungsanlage . Doch die entstehenden Kosten kann das Jonny Knüppel-Kollektiv ohne die Einnahmen aus dem Club-Betrieb nicht stemmen. Und ohne Betriebsgenehmigung wird es auch mit Krediten schwierig. Als vermutlich letzte Chance auf eine Wiedereröffnung haben die Macher eine Crowdfunding-Kampagne auf der Plattform Startnext initiiert. Mindestens 60.000 Euro sollen damit erzielt werden – wie üblich gibt es dafür diverse Dankeschön-Geschenke. Zwei Wochen vor Ende der Kampagne am 5. Februar sind schon knapp 35.000 Euro zusammengekommen. Unerreichbar scheint das Ziel also nicht.

weiterlesen …. Quelle …quiez.de

Die Seite der Crowdfunding-Kampagne für Jonny Knüppel findest du hier. Weitere Infos gibt es auch auf der Webseite des Clubs.

Wohnungen statt Kleingärten an der Wiesbadener

Das Bezirksamt sah keine Möglichkeit, die Kleingärten an der Wiesbadener zu schützen. Bauantrag für rund 100 Wohnungen ist bereits gestellt.

Die Baggerfahrer haben nur noch Restarbeiten in der früheren Kleingartenkolonie an der Wiesbadener Straße zu erledigen, der Hauptteil der Fläche ist bereits frei. 20 der 33 Parzellen sind abgeräumt, die Reste liegen, sortiert nach Materialart auf großen Haufen. Wenn Wolfgang Besser auf die Brache blickt, wo bis vor wenigen Tagen seine Laube stand, schießen ihm die Tränen in die Augen: „Wir hatten unsere Laube 37 Jahre lang, sie gehörte zu unserem Leben“, sagte der 77-Jährige im Gespräch mit der Berliner Morgenpost am Freitag.

„Alles ging ruckzuck, wir wurden nicht vorgewarnt“

Im Februar des vergangenen Jahres seien die Kleingärten an der Wiesbadener Straße Ecke Franz-Cornelsen-Weg in Wilmersdorf gekündigt worden, im Oktober mussten sie geräumt sein. „Wir wurden nicht vorgewarnt, als die Bagger vor Kurzem die Lauben abgerissen haben, ging alles ruckzuck“, berichtet Jutta Scheel. Es sei einfach nur traurig, dass so viel Grün „sang- und klanglos niedergemacht wird, und jetzt nur Beton dorthin kommt“, sagt die 79-Jährige. Sie besitzt ihren Garten noch, hat aber schon gehört, dass auch der und zwei weitere noch bebaut werden sollen. Außerdem fürchtet sie, auch ihre Wohnung zu verlieren, denn auch das Telekom-Haus könnte aufgegeben werden.

Quelle – Kompletter Artikel