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Presseschau

Gentrifizierung der Gräber in Prenzlauer Berg

In Prenzlauer Berg soll ein früherer Friedhof bebaut werden. Anwohner protestieren. Eine Geschichte über Nazis, DDR, Enteignungen und Gerechtigkeit.

Fast totenstill ist es, nur im Hintergrund rumpelt eine Straßenbahn vorbei. Anke Reuther bleibt stehen, „da hinten kommt wieder eine Kita“, sagt sie. Schweigend sieht sie zu, wie die Erzieherinnen den Wagen vor einem Grabstein parken. Die Kinder springen heraus und stürzen auf den von Bäumen umringten Spielplatz zu.

Der Friedhofspark in der Pappelallee wirkt wie ein unberührtes Idyll inmitten der tobenden Großstadt. Doch das grüne Kleinod ist vermutlich das am heftigsten umkämpfte Gebiet der Großkampfzone Prenzlauer Berg. Fast jeder Nachbar will ein Stück davon. In den Wirren der Nachwendezeit ließen sich die Nebenhäuser eigene Zugangstore vom Bezirk bauen, um dort Grillfeste feiern zu können.

Ein Musikstar wollte eine Stadtvilla bis über die Friedhofsmauer bauen lassen. Die Kitas beanspruchen das Gelände als exklusiven Spielplatz, der Bezirk wollte es mehrfach als öffentlichen Park erwerben. Gegen all diese Ansprüche wehrt sich die Freireligiöse Gemeinde Berlin als Eigentümerin seit Jahrzehnten. Doch nun will die Vorsitzende Anke Reuther den Park selbst bebauen. Und die Nachbarn laufen Sturm.

Inzwischen ist die Sache eskaliert

Auf der anderen Seite, am inzwischen versperrten östlichen Parkausgang, sitzen Thomas Reimer und Friedemann Vorbäumen in einem Café. Beide wohnen in der Lychener Straße, direkt vor ihrem Haus soll der Neubau errichtet werden. Reimer hörte vor zwei Jahren von den Plänen und trat daraufhin in die Gemeinde ein. Er ist dagegen, aber nein, er wolle den Verein nicht zerstören, sagt der Fotograf, ihm gehe es um das Interesse der Allgemeinheit.

Hier soll nach Willen der Gemeinde ein Wohnhaus gebaut werden.

Hier soll nach Willen der Gemeinde ein Wohnhaus gebaut werden.VISUALISIERUNG: TSP/US

Inzwischen ist die Sache eskaliert. Mitglieder der von Reimer gegründeten Initiative fühlen sich verfolgt und ausspioniert. Der Vereinsvorstand sieht sich von Reimer bedroht und rief zuletzt sogar die Polizei. Nun hat er Hausverbot, in der kommenden Woche soll er ausgeschlossen werden. „Dabei leiste ich mir nur das Recht einer eigenen Meinung“, sagt Reimer. „Ich bin also eigentlich ein Freidenker.“

Wer unter die Oberfläche des Konflikts blickt, befördert alle erdenklichen Widersprüche und Brüche der jüngeren deutschen Geschichte zutage. Als der erste Dissidentenfriedhof Berlins 1845 als Gegenpol zur Kirche und Keimzelle der Arbeiterbewegung gegründet wurde, da war er noch von Ackerland umgeben. Mehr als eineinhalb Jahrhunderte später liegt er im Herzen eines hochverdichteten und weltweit beliebten Metropolenviertels.

So viel ist seither geschehen, dass die Deutungshoheit über diesen kostbaren Ort und seine bewegte Geschichte kaum noch ohne Anmaßung zu erlangen ist. Die Frage, die sich an so vielen Stellen im Osten der Republik aufwirft, wird hier auf die Spitze getrieben. Kann es nach Monarchien, Diktaturen, Weltkriegen und Republiken, nach Enteignungen, Umwidmungen, Entschädigungen und Verkäufen überhaupt noch so etwas wie Gerechtigkeit geben?

“Wir fühlen uns wie bei der dritten Enteignung”

Ja, zumindest wenn es nach Anke Reuther geht. „Wir sind von zwei Diktaturen zweimal enteignet worden“, sagt die 76- Jährige. „Und wir fühlen uns wie bei der dritten Enteignung.“ Sie meint die Anwohnerinitiative, die nicht nur gegen die Baupläne kämpft, sondern das Grün endgültig zum Stadtpark umwidmen lassen will. „Wenn sie die Verstaatlichung fordern, stellen sie das in den historischen Kontext der vorherigen Enteignungen“, sagt Reuther. „Das ist eine Zumutung für uns.“

Reuther wuchs in Ost-Berlin auf, sie ist die Nichte des SPD-Idols Franz Neumann. Seit 1995 steht die SPD-Politikerin der Gemeinde vor. Sie hat in dieser Zeit kistenweise Akten studiert und die Geschichte der Freireligiösen bis ins kleinste Detail bis zum Ursprung rekonstruiert.

Das Grundstück sei ein aktiver Friedhof gewesen, als es durch die Nazis enteignet wurde. Die DDR habe das Unrecht fortgeführt, 1970 sei der Friedhof ganz stillgelegt worden, um ihn zum Park umzugestalten. 1955 hätten nachweisbar einstige Mitglieder den Verein in West-Berlin wiedergegründet, seit 1998 sei der Friedhof wieder in seinem Eigentum. Und nun wolle er eben wieder selbst darüber bestimmen.

PRENZLAUER BERG IM WANDEL DER ZEIT

Die Umwandlung in ein Gartendenkmal Anfang der 90er Jahre erscheint in diesem Narrativ als Fortführung der Enteignung. Während die Anwohner fürchten, der Verein wolle den „ursprünglichen Charakter“ des Parks zerstören, entgegnet der Verein, das sei schon vor langer Zeit geschehen.

“Ist Mülltonnengeklapper besser als Kinderlachen?”

Das Bezirksamt habe den durch Vandalismus und Verwilderung beschädigten Friedhof nach der Wende noch vor der Restitution abräumen lassen, sagt Reuther. Bedeutende Grabsteine seien im Müll gelandet, mit Billigung des Denkmalschutzes. Der habe nach der Umgestaltung zum Park mit Spielplatz erklärt, das Grün sei nun als Unikat unantastbar.

Der Kampf um die paar Quadratmeter Sand mit Schaukel und Wippe portiert den Konflikt ins Hier und Jetzt des Helmholtzkiezes. Seit Jahren liefert sich die Gemeinde einen Kleinkrieg mit Kitas aus der Umgebung. Anfangs habe man Schlüssel für das Tor an der Lychener Straße ausgehändigt, sagt Reuther. Doch bald sei die Lage außer Kontrolle geraten. Kinder seien auf Grabsteinen herumgeturnt, Erzieher nicht eingeschritten, Schlüssel kopiert und weitergegeben worden.

Die Kitas wiederum beklagen Schikanen durch die Gemeinde wie den Austausch des Schlosses und verweisen auf den Nutzungsvertrag mit dem Bezirksamt. Eine Kita versuchte in der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) erfolglos, ihr Recht auf den Schlüssel zu erwirken.

Der Kinderladen Domino sieht sich nun selbst bedroht, da sein Bestand von einer geeigneten Freifläche abhängt. Es gehe für 30 Kinder „um eine Existenzberechtigung ihrer Kita“, sagt der ehemalige Kita-Vorstand Alexander Wassiltschenko. „Ist Mülltonnengeklapper besser als Kinderlachen?“, fragt Vorbäumen.

Die Biografie wird zur Waffe

2020 läuft der Vertrag für den Spielplatz mit dem Bezirk aus, dort ist der Neubau geplant. „Hier stand mal das Gartenhaus“, sagt Reuther. Dass der Südflügel des Hauses daneben auf einstigen Gräbern errichtet werden soll, hält sie für unproblematisch: „Auch die Kirche lässt auf entwidmeten Friedhöfen Häuser bauen.“

Der Verein betont die Bedeutung des Baus als „ideelle und materielle Grundlage für unsere Zukunft“, wie Anne-Kathrin Pauk sagt, die Reuther bald als Vorsitzende folgen soll. Derzeit hat die Gemeinde 30 Mitglieder, Pauk will sie sichtbarer und größer machen, vor dem Haus soll auch ein Konzertplatz entstehen. „Wir brauchen eine Heimat für unser weltlich-humanistisches Kulturleben, um in die Gesellschaft hineinwirken zu können. Deshalb müssen wir notgedrungen auf das verbliebene Grundstück zurückgreifen.“

Auf der Hauptversammlung habe er davon nichts gehört, sagt Reimer. „Es ging um finanzielle Motive, sie streben Einnahmen von monatlich 5000 Euro oder mehr an.“ Der Bau ist in der Tat als Wohnhaus geplant, das auf 99 Jahre verpachtet werden solle, der Verein will sich darin mietfreie Räume zusichern lassen. Der gedankliche Sprung zum renditeorientierten Investor ist kürzer als ein Spaziergang im Park.

Ein Großteil der Auseinandersetzung dreht sich auf beiden Seiten längst um die Diffamierung des Gegners. Es geht um „Verleumdung“ und „Verrat“, die Biografie wird zur Waffe. Vor ein paar Tagen stießen die Anwohner auf alte Vorwürfe des Journalisten Peter Kratz gegen die Gemeinde, eine „Nazi-Sekte“ gewesen zu sein.

kompletten Artikel weiterlesen … Quelle … der Tagesspiegel vom 17.02.2018

Ein Ministerium verschwindet

Einst hatte Bauen in der Bundesrepublik ein eigenes Ministerium. Kommt die GroKo, verschwindet es in Horst Seehofes neuem Super-Innenministerium. Und das in Zeiten neuer Wohnungsnot.

Horst Seehofer wird – immer vorausgesetzt, die Groko kommt tatsächlich zustande – der Minister eines Ressorts, das die Bundesrepublik Deutschland noch nicht gesehen hat. Innen, Bauen und „Heimat“ unter einem Dach – wenn, dann ist hier das Epitheton „Superministerium“ am Platz.

Über den Tätigkeitsbereich „Heimat“ wird aufs Heftigste lamentiert. Worüber nicht geredet wird, ist die Ansiedlung des Bereichs Bauen und Stadtentwicklung beim Innenressort. Dabei ist das der eigentliche Paukenschlag. Denn die Wohnungsproblematik – plakativer noch „Wohnungsnot“ – wird eines der zentralen Themen deutscher Politik der kommenden Jahre sein, in Bund, Ländern und Gemeinden gleichermaßen. 1949, zur Gründung der Bundesrepublik, herrschte bitterste Wohnungsnot. Folglich war das Bundesbauministerium eines der ersten mit Kabinettsrang, 1961 um Städtebau erweitert; 1972 auch noch um „Raumordnung“ – es war das sozialdemokratische Jahrzehnt der Planungsgläubigkeit.

Alles wird in ein aufgeblasenes Super-Innenministerium verlegt

Wie auch immer, an der Berechtigung und Notwendigkeit eines eigenen Ministeriums wurde nicht gezweifelt, und erst der allseits triumphierende Neoliberalismus rückte die staatliche Wohnungsvorsorge in den Hintergrund. Mit der zu Ende gehenden Regierung Merkel III musste sich das Bauwesen mit dem Umweltschutz die – in diesem Falle – Ministerin teilen. Jetzt aber, Anfang 2018, da die Versäumnisse der vergangenen zehn, fünfzehn Jahre in allen deutschen Städten schmerzlich spürbar sind, werden Bauwesen und Städtebau in ein aufgeblasenes Super-Innenministerium verlegt. Was immer man vom Wartestands-Minister Seehofer halten mag – und das muss überhaupt nichts Schlechtes sein –, als Verfechter staatlicher Bau- und Wohnungspolitik ist der eingefleischte Sozialpolitiker bislang nicht aufgefallen. Und als Innenminister eigener Machtfülle werden ihm Migrations- und Integrationsfragen allemal näher liegen und liegen müssen.

Kann das neue 3-Stufen-Modell in Berlin den Bau an Wohnungen beschleunigen?

In 3 Schritten will der Senat Konflikte um große Bauprojekte innerhalb von 5 Monaten lösen.

Zur Konfliktlösung wurde die erste Instanz, die schon vorhandene Wohnungsbauleitstelle, personell aufgestockt. Bei einem Scheitern nach 2 Monaten übernimmt der Steuerungsausschuss diese Aufgabe und hat ebenfalls 2 Monate Zeit. Falls Konflikte nach dieser Zeit nicht aufgelöst sind übernimmt der Senat die Entscheidung.

Zweckentfremdung Senat will Eigentümer enteignen – mindestens auf Zeit

 

Wer in Berlin Wohnraum besitzt, ihn aber aus Spekulationsgründen oder wegen Handlungsunfähigkeit leerstehen und herunterkommen lässt, kann demnächst auf Zeit gleichsam enteignet werden. Das sieht eine Änderung des Zweckentfremdungs-Verbotsgesetzes vor, die Wohnungs-Senatorin Katrin Lompscher (Linke) vorgelegt hat. Danach werden die bislang in solchen Fällen machtlosen Bezirke ermächtigt, Häuser von Treuhändern instand setzen zu lassen und die Wohnungen zu vermieten.
 
Ist das Haus saniert und vermietet, geht es an den Eigentümer zurück. Er muss die Mietverträge akzeptieren und dem Bezirk die Kosten erstatten. Zahlt der Eigentümer nicht, hat der Bezirk einen hohen Anspruch in einem Zwangsversteigerungsverfahren: Er hat Vorrang beispielsweise vor Hypotheken und Grundschulden.
 

Mietpreissteigerungen in Deutschlands Metropolen sind nicht aufzuhalten

Die Wohnraumkosten in Deutschlands Metropolen laufen aus dem Ruder. Doch die Pläne der Bundesregierung dagegen werden wohl ins Leere laufen.

Schon seit einer ganzen Weile erwarten Immobilienexperten, dass Mieten und Preise für Wohnraum weniger stark steigen. Im vergangenen Jahr war davon in den sieben größten Städten Deutschlands nichts zu spüren. Im Gegenteil. Der Gesamtindex Wohnen von vdp Research für jede einzelne Stadt zeigt für Berlin, Hamburg, München, Köln und Düsseldorf 2017 höhere Steigerungsraten als ein Jahr zuvor.

In Deutschlands sieben größten Städten leben mehr als zehn Millionen Menschen, also gut ein Achtel der deutschen Bevölkerung – Tendenz: steigend! Und würde vdp Research eine vergleichbare Auswertung für Städte in der zweiten Reihe durchführen, würde das Ergebnis in vielen Ballungsgebieten und Regionalzentren mit Universität nicht anders aussehen. Das zeigen Statistiken von F+B, dem Analysehaus, welches viele Mietspiegel in Deutschland erstellt.

 

Quelle – Kompletter Artikel

 

Mietpreissteigerungen in Deutschlands Metropolen sind nicht aufzuhalten

Die Wohnraumkosten in Deutschlands Metropolen laufen aus dem Ruder. Doch die Pläne der Bundesregierung dagegen werden wohl ins Leere laufen.

Schon seit einer ganzen Weile erwarten Immobilienexperten, dass Mieten und Preise für Wohnraum weniger stark steigen. Im vergangenen Jahr war davon in den sieben größten Städten Deutschlands nichts zu spüren. Im Gegenteil. Der Gesamtindex Wohnen von vdp Research für jede einzelne Stadt zeigt für Berlin, Hamburg, München, Köln und Düsseldorf 2017 höhere Steigerungsraten als ein Jahr zuvor.

In Deutschlands sieben größten Städten leben mehr als zehn Millionen Menschen, also gut ein Achtel der deutschen Bevölkerung – Tendenz: steigend! Und würde vdp Research eine vergleichbare Auswertung für Städte in der zweiten Reihe durchführen, würde das Ergebnis in vielen Ballungsgebieten und Regionalzentren mit Universität nicht anders aussehen. Das zeigen Statistiken von F+B, dem Analysehaus, welches viele Mietspiegel in Deutschland erstellt.

 

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Mieterhöhung durch Wärmedämmung

Ca. 100 Wohnung im Löwensteinring in Gropiusstadt sind von Verdrängung bedroht.

Die Mieter der ehemaligen Sozialwohnungen bekamen ein unerfreuliches Weihnachtsgeschenk!  Eine Modernisierungsangkündigung durch die, die Häuser energetische modernisiert werden,  was die Miete um ca. 30%  erhöht, denn die Investitionskosten werden zu 11 % pro Jahr auf die Mieter abgewälzt und dies dauerhaft.  Der versprochene Effekt  der Senkung der Heizkosten  ist geringer als die Mietsteigerung.

Rainer Wild vom Berliner Mieterverein dazu im Interview.

 

 

Aus unserem Grundsatzprogramm:

Ein großer Teil energetischer Modernisierungsmaßnahmen ist unwirtschaftlich und spart nach den tatsächlichen Verbrauchswerten vor
und nach Modernisierung verhältnismäßig wenig oder gar keine Energie ein. Die erzielbaren Heizkosteneinsparungen gleichen die hohen Kosten
der Maßnahmen bei Weitem nicht aus, was de facto sehr hohe und viele Haushalte überfordernde Mieterhöhungen bedeutet. Mieter werden so
zu Sozialfällen gemacht, Wohnraum wird auf einen Schlag um 30/50/80 Prozent oder mehr verteuert, ganze Quartiere machen Preissprünge
nach oben – weit über den Mietspiegel. Unwirtschaftliche energetische Modernisierungsmaßnahmen vernichten bezahlbaren Wohnraum auf
Dauer, unwiederbringlich.

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Wir fordern die ersatzlose Streichung des “Mietpreistreiber”-Paragraphen 559 BGB!

 

 

Berlin beschließt Wohnberechtigungsscheine für nicht existierende Wohnungen

Eine bezahlbare Wohnung in Berlin zu mieten, ist auch für mittlere Einkommensgruppen immer schwieriger geworden. Der rot-rot-grüne Senat reagiert und führt einen Wohnberechtigungsscheine für diese Gruppe ein. Doch die Initiative hat einen gewaltigen Haken.

 

Die Not ist groß, aber ob die neueste Entscheidung sie lindert, ist fraglich: Der Berliner Senat verabschiedete am Dienstag die Verordnung, dass Haushalte mit mittlerem Einkommen künftig einen Wohnberechtigungsschein (WBS) beantragen können. Mit dieser neuen speziellen amtlichen Bescheinigung dürfen sie dann subventionierte Neubau-Wohnungen für anfänglich acht Euro je Quadratmeter mieten. Den neuen WBS können Haushalte beantragen, dessen monatliches Nettoeinkommen 1.800 Euro bei einer Person beziehungsweise 2.700 Euro bei zwei Personen nicht überschreiten darf. Bei einem Drei-Personen-Haushalt mit einem Kind darf die Obergrenze bei etwa 3.340 Euro monatlich liegen. Bei weiteren Kindern steigt sie jeweils weiter.

Der bisherige WBS für untere Einkommensgruppen bleibt weiterhin bestehen. Damit können sich Haushalte Sozialwohnungen für 6,50 Euro je Quadratmeter anmieten. Die Einkommensgrenzen ändern sich hier nicht: für einen Ein-Personen-Haushalt etwa 1.400 Euro im Monat, für einen Zwei-Personen-Haushalt 2.100 Euro und für einen Drei-Personen-Haushalt mit einem Kind etwa 2.640 Euro monatlich.

 

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Immer weniger Platz für Berliner Spatzen

Gärtnerarbeiten am Gendarmenmarkt zerstören Spatzen-Heimat.

Für viele gehören die kleinen, braun gemusterten Vögel genauso zum Stadtbild wie die vielen Dönerläden oder gelben BVG-Wagen. Was die wenigsten wissen: Spatzen sind schon seit Jahren vom Aussterben bedroht und dass sie sich in einer Großstadt wie Berlin niederlassen, ist längst nicht verständlich. Bebauung von Grünflächen und Rodung von Hecken rauben den Vögeln ihren Lebensraum. In London oder München lassen sich die auch als Haussperlinge bekannten Vögel kaum noch sichten.

Platz zum Nisten

Umso wichtiger ist es, ihnen ausreichend Platz zum Nisten und Leben zu bieten. Für beides wählen sie vorzugsweise Gebäudenischen, Büsche oder Sträucher. Sie bieten den kleinen Vögeln, die sich am liebsten in Gruppen niederlassen, ausreichend Schutz vor Feinden und Platz zum Nisten und Ruhen. Genau so einen Ort gab es bisher am Gendarmenmarkt. Und genau hier fanden vor kurzem die für die Spatzenpopulation so gefährlichen Sträucher-Rückschnitte statt. Dass die Pflege der Spatzenheimat ein Thema ist, dass viele bewegt, zeigte die Resonanz auf die Gärtnerarbeiten.

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Behörde knöpft sich Vermieter Vonovia vor

Auffällig hohe Abrechnungen hat die Vonovia SE aus Bochum an ihre Mieter in Blumenthal verschickt. Das könnte jetzt ein juristisches Nachspiel haben. Die Umweltbehörde prüft den Sachverhalt.

Die Vonovia SE aus Bochum ist Deutschlands größter Vermieter. In Lüssum hat der Immobiliengigant seine Mieter in der Vergangenheit mehrfach mit extrem hohen Heizkosten in Bedrängnis gebracht. Nach zwei Berichten im WESER-KURIER und dessen Regionalausgabe DIE NORDDEUTSCHE haben sich nun die Bremer Behörden eingeschaltet. Das Umweltressort lässt prüfen, ob die Vonovia gegen Kartellrecht verstößt. Das Wohnungsunternehmen indes kündigt vier Wochen nach den Berichten an, dass es seine Heizkosten senken will.

Unter dem Titel „Auffällig hohe Abrechnungen“ hatte der WESER-KURIER unter anderem über die Heizkostenabrechnung von Viktoria Azhgirevich-Popek aus der Lüssumer Heide berichtet. Die allein erziehende Mutter von vier Kindern sollte der Vonovia für fünf Monate einmalig 4744,52 Euro nachzahlen. Hohe Nachzahlungsforderungen sind in dem ökonomisch schwachen Gebiet im Norden der Hansestadt, wo die Vonovia 224 Wohnungen unterhält, keine Seltenheit. Das belegen interne Verwaltungsunterlagen, die der Redaktion vorliegen. In einigen Fällen laufen die Heizungen demnach seit Monaten oder sogar Jahren auf Hochtouren. Sie sollen sich nicht abstellen lassen. Bremen hat die Rechnungen offenbar in vielen Fällen trotzdem für Sozialhilfeempfänger und Arbeitslose gezahlt – nach Auskunft des Bremer Mieterschutzbunds ohne vorherige Prüfung.

Das soll sich ändern. „Das Bremer Umweltressort ist aufgrund der Berichterstattung in der NORDDEUTSCHEN und dem WESER-KURIER auf den Fall aufmerksam geworden und wird nun als Energiekartellaufsicht seiner Aufsichtspflicht nachkommen“, sagt Ressortsprecher Jens Tittmann. Es gehe nicht um einzelne Abrechnungen: „Es geht darum zu schauen, ob der Fernwärmepreis kartellrechtlich statthaft ist.“

Kartellrechtliche Ermittlungen

Die Behörde will vor allem feststellen, warum die Nebenkostenabrechnungen so hoch sind. Tittmann: „Wenn die Preise überhöht sind, muss man gucken: Ist der Schlusspreis überhöht, weil jemand aus seiner Wohnung eine Saunalandschaft gemacht hat? Wenn man aber feststellt, dass der Fernwärmepreis überhöht ist, wenn das also Strukturen sind, die durch zentrale Zulieferverträge zu überhöhten Marktpreisen bei der Vonovia führen, aus denen die Mieter nicht rauskommen, dann hat jemand ein Kartell gegründet – gemeinsam mit der Vonovia – um überhöhte Marktpreise zwangsmäßig durchzuleiten.“

Die Umweltbehörde hat die Verbraucherzentrale Bremen beauftragt, sie bei der Überprüfung zu unterstützen. „Geprüft wird, ob Kosten für die Fernwärme, die in Rechnung gestellt wurden, zu hoch sind“, sagt Inse Ewen, Beraterin der Organisation. Die Verbraucherzentrale hatte bekanntlich festgestellt, dass der Fernwärmepreis, den die Vonovia ihren Mietern für das Jahr 2014 berechnet hat, bei 15,8 Cent pro Kilowattstunde lag. Die Beraterin hat sich inzwischen auch aktuelle Abrechnungen angeschaut, die die Vonovia kurz vor Weihnachten in die Lüssumer Heide geschickt hatte. „Der Fernwärmepreis war jetzt zwar mit elf Cent deutlich günstiger, aber immer noch deutlich höher als bei der SWB.“ Die SWB verlangt nach eigenen Angaben einen Fernwärmepreis von rund 8,5 Cent pro Kilowattstunde. Die Vonovia bezieht ihre Fernwärme von der Firma Fernwärme Nord.

Verunsicherte Anwohner

Viele Anwohner in der Lüssumer Heide sind wegen der Nachforderungen verunsichert. Einige haben sich bereits hilfesuchend an die Quartiersmanagerin Heike Binne gewandt. Die höchste Nachzahlungsforderung beläuft sich zurzeit auf rund 1500 Euro. „Bei der Überprüfung der Heiz- und Betriebskosten konnten keine Unstimmigkeiten festgestellt werden“, betont jedoch Vonovia-Sprecherin Bettina Benner auf Anfrage. Die Unternehmenssprecherin versichert, dass die „gemeldeten Mängel beziehungsweise Defekte an Heizköpern schnellstmöglich behoben“ würden. „Danach erfolgt eine Korrekturabrechnung auf Basis eines Mittelwertes.”

Artikel weiterlesen … Quelle…weser kurier