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Presseschau

Eigenbedarfs-Kündigung Mieterin kämpft gegen Rauswurf – viele Berliner stehen ihr bei

Dieser Rechtsstreit sorgte am Mittwoch vor dem Landgericht an der Littenstraße für Aufsehen: Rund 50 Menschen aus der Stadt waren gekommen, um einer Mieterin, die wegen Eigenbedarfs aus der Wohnung geklagt werden soll, zur Seite zu stehen. Das Interesse war so groß, dass die Richterin in einen größeren Sitzungssaal umziehen musste.

Die Demonstranten stehen mit Transparenten vor dem Landgericht und stehen der Klägerin bei.
Foto: Bernd Friedel (Quelle: https://www.berliner-zeitung.de/berlin/eigenbedarfs-kuendigung-mieterin-kaempft-gegen-rauswurf—-viele-berliner-stehen-ihr-bei-31557100?dmcid=sm_tw)

Im Fokus: Eine junge Frau (30), die anonym bleiben möchte und im Berufungsverfahren gegen ihren Vermieter klagt, weil er ihr wegen Eigenbedarfs kündigte. Zuvor hatte sie eine Mieterhöhung bekommen und daraufhin die Einhaltung des Mietspiegels angemahnt. Bereits im Juni urteilte das Amtsgericht Neukölln im Sinne des Eigentümers.

Die Beklagte erschien nicht vor Gericht

Doch die Pädagogikstudentin ließ nicht locker, sie glaubte ihrer Vermieterin Gabriele W. (60) nicht, dass sie mit ihrem Ehemann Klaus W. (61) in die „Bruchbude“ einziehen wolle, wie sie ihre Zweizimmerwohnung (40 Quadratmeter) im Schillerkiez nennt. Sie beziehe ihr Warmwasser über einen Boiler, der 40 Minuten zum Erhitzen benötige und habe die Dusche in der Küche. Hier wollen die Vermieter, eine Rechtsanwältin und ihr Ehegatte, ein Kaufmann aus der Immobilienbranche, selbst einziehen.

Allerdings nur in den Wintermonaten von Oktober bis März. Das Paar besitzt ein Einfamilienhaus in Karolinenhof und das Wohnhaus in Neukölln mit 26 Eigentumswohnungen, an dem ein weiterer Gesellschafter beteiligt ist sowie eine Immobilie an der Schönhauser Allee und eine in Lichtenberg. Die Beklagte selbst erscheint nicht vor Gericht , obwohl persönliches Erscheinen angeordnet wurde.

Eine Einigung gibt es noch nicht

Klaus W. soll als Zeuge noch einmal deutlich machen, warum das Paar das Objekt als Zweitwohnsitz nutzen will. Als Grund gab er den eineinhalbstündigen Fahrtweg seiner Frau von Karolinenhof in die Kanzlei nach Mitte an. Das belaste die Familie. Seine Angaben sorgten für Kopfschütteln im Publikum. Hintergrund: Anwältin Gabriele W. hat seit 23 Jahren den gleichen Fahrtweg und die Kinder sind längst aus dem Haus und haben schon eigene Kinder.

Ob man sich nicht gütlich einigen könne, fragte die Richterin. Die Klägerin schlug vor, in eine weitere, leerstehende Dreizimmerwohnung im Haus umzuziehen. Das ginge nicht, da solle ihr „syrisches Mündel mit Geschwistern einziehen“, die in einem Flüchtlingsheim leben.

Eine Einigung gab es nicht. Mehr dazu in zwei Wochen.

zitiert aus Quelle: Berliner Zeitung vom 07.11.2018

20 Jahre „Geschütztes Marktsegment“ in Berlin

Vor knapp zwei Jahrzehnten rief der Berliner Senat das „Geschützte Marktsegment“ ins Leben. Dieses wohnungspolitische Instrument soll Menschen in prekären Lebensverhältnissen den Zugang zum Wohnungsmarkt erleichtern. Doch die mit dem „Geschützten Marktsegment“ verbundenen Ziele wurden zu keinem Zeitpunkt erreicht.

Der Kontrast könnte nicht größer sein. Im größten Hotel Europas mit Konferenz- und Entertainmentcenter steigen Prominente ab und finden Parteitage statt. In unmittelbarer Nähe gibt es Häuser mit bis zu 18 Stockwerken, die zu den Großtafelbauten zählen, dem westlichen Pendant der DDR-Plattenbauten. Die Rede ist von der Sonnenallee im Bezirk Neukölln. Viele, die hier leben, stehen nicht auf der Sonnenseite des Lebens. Dazu gehört auch Helmut Schrön*, der seit sieben Jahren, als ihm die Wohnung zugewiesen wurde, mit seinem Sohn eine Parterre-Wohnung in der Dieselstraße bewohnt. Helmut Schrön wohnt hier, weil er zu jenen Personen gehört, die sich aufgrund von Arbeitslosigkeit und Verschuldung nicht selbst auf dem Wohnungsmarkt mit Wohnraum versorgen können, wie es im Amtsdeutsch heißt. Für diese schuf der Berliner Senat vor 20 Jahren das „Geschützte Marktsegment“.

Das wohnungspolitische Instrument „Geschütztes Marktsegment“ soll Menschen in schwierigen Lebenslagen Hilfestellung bieten und hat seinen Vorläufer in den 80er Jahren. Seinerzeit hatte die Stadt Wohnungen, an denen es kommunale Besetzungsrechte für Dringlichkeitsfälle besaß, den landeseigenen Wohnungsunternehmen zur eigenverantwortlichen Belegung überlassen. Nachdem sich die öffentliche Hand infolge der einsetzenden Wohnungsnot Ende der 80er Jahre nicht mehr in der Lage sah, hinreichend Wohnraum zur Verfügung zu stellen, kam es zum Abschluss eines Kooperationsvertrags mit den städtischen Wohnungsgesellschaften. Zwar stellte das Land in dem Vertrag die Besetzungsrechtswohnungen weiterhin frei, verlangte im Gegenzug jedoch die Unterbringung von jährlich 3.500 Dringlichkeitsfällen in den Beständen der Wohnungsunternehmen. In diesen als „Feuerwehrfonds“ bezeichneten Wohnungspool gingen 1991 auch im Ostteil der Stadt gelegene Wohnungen ein. Im Jahr 1993 trat schließlich der Kooperationsvertrag „Geschütztes Marktsegment“ zwischen Wohnungsgesellschaften, den Bezirksämtern und dem Landesamt für Gesundheit und Soziales in Kraft. Letzteres koordiniert die Vermittlung der Wohnungen.

Wohnraumvergabe an Bedingungen geknüpft

Die Zuweisung einer Wohnung ist an Bedingungen geknüpft. Bei der Zielgruppe wird zwischen sogenannten A- und B-Berechtigten differenziert. Demnach sind vorrangig Personen zugangsberechtigt, die sich aufgrund ihrer Verschuldungssituation nicht ohne Hilfe mit Wohnraum versorgen können, für die sämtliche sozialhilferechtliche Möglichkeiten zum Erhalt des bestehenden Mietverhältnisses erfolglos ausgeschöpft wurden, deren Aufenthalt in einer betreuenden Einrichtung der Wohnungslosenhilfe oder in einer Haftanstalt beendet werden kann und denen eine Entlassung in die Wohnungslosigkeit unmittelbar bevorsteht. Nachrangig behandelt werden Menschen, die in Notunterkünfte eingewiesen wurden – beziehungsweise einen Unterbringungsanspruch haben – und die mindestens 1 Jahr lang ihren gewöhnlichen Aufenthalt in Berlin haben. „Die Wohnungsvergabe folgt dem Grundsatz des Vorrangs der Vermeidung von Wohnungslosigkeit vor der Beseitigung bestehender Wohnungslosigkeit“, heißt es in § 2 des Kooperationsvertrags. Zudem erfolge die Wohnungsvergabe „nur an Personen und Haushalte, die zu einer eigenständigen und eigenverantwortlichen Lebens- und Haushaltsführung in einem Wohnhaus fähig sind und die im Einzelfall eine entsprechende begleitende persönliche Hilfe erhalten und für die eine positive sozialpädagogische Prognose erstellt und aktenkundig gemacht wurde“. Die Wohnungsunternehmen haben das Recht, die von der zuständigen Koordinierungsstelle beim Landesamt für Gesundheit und Soziales vermittelten Marktsegment-Berechtigten abzulehnen.

Umfang und Qualität weit hinter Erwartungen zurück

  1. allem im Umfang sind Senat und Wohnungsunternehmen weit hinter den angekündigten Zielen zurückgeblieben. Der Kooperationsvertrag verpflichtete die Unternehmen, zunächst pro Jahr 2.000 Wohnungen, später 1.350 zur Verfügung zu stellen, davon 1.100 Wohnungen an 1-Personen-Haushalte. Mittlerweile liegt die Zahl bei 1.376. Bei Bedarf können die Wohnungsunternehmen allerdings verlangen, ihren Anteil zu verringern und neu zu vereinbaren. Zu keinem Zeitpunkt seit 1993 ist die vereinbarte Zahl von den Wohnungsgesellschaften erfüllt worden. Wurde das Kontingent in den ersten drei Jahren noch zu rund 80% bedient, sank die Quote anschließend immer weiter. Der Tiefpunkt war das Jahr 2006 mit nur 677 vermittelten Wohnungen. Selbst als der Mangel an preisgünstigem Wohnraum immer größer wurde und die Nachfrage von Berechtigten aus dem Geschützten Marktsegments stieg, reagierte die Politik nicht. Als aktuellen Stand nennt das Landesamt für Gesundheit und Soziales eine Erfüllungsquote von gerade einmal 74% im Jahr 2011. Insbesondere bei den 1-Personen-Haushalten werden die vereinbarten Quoten deutlich unterschritten.

Kritisiert wurde diese Praxis bereits im Rahmen einer Studie des Darmstädter Instituts Wohnen und Umwelt. „Die Nichterfüllung des Kontingents wiegt umso schwerer, als die vereinbarten Kontingente gemessen am Bedarf von vornherein als zu niedrig angesehen werden müssen. Das zu niedrig angesetzte und zudem nicht erfüllte Kontingent führt dazu, dass die Zielgruppen des ‚Geschützten Marktsegments’ letztlich stärker außerhalb des Programms mit Wohnraum versorgt werden müssen. Was die Bedeutung dieses wohnungspolitischen Instruments entscheidend schwächt.“ So lautet das Fazit der Studie mit dem Titel „Geschütztes Marktsegment in Berlin – Konzeption, Umsetzung, Ergebnisse und Erfahrungen“ aus dem Jahr 2005.

Auch die regionale Verteilung blieb weit hinter den Erwartungen zurück. „Die Wohnungsunternehmen erklären ihre Bereitschaft, im Rahmen ihrer Möglichkeiten eine Konzentration des Wohnungsangebots auf bestimmte Bezirke zu vermeiden und dazu die in allen Bezirken vorhandenen Wohnungsbestände angemessen einzubeziehen“, heißt es im Kooperationsvertrag. Die Mitarbeiter/innen freier Träger berichten jedoch, dass die Unternehmen in der Regel Objekte in unattraktiven Lagen, sozial belasteten Quartieren sowie in Plattenbauten in den Ostbezirken zur Verfügung stellen. Zudem böten die Wohnungsunternehmen nach wie vor Wohnraum an, der auf dem allgemeinen Wohnungsmarkt nur schwer vermittelbar ist. Dazu gehörten Parterre-Wohnungen sowie dunkle Hinterhaus-Wohnungen und nichtsanierte Objekte.

Aufstockung des Angebots an den Bedarf steht aus

Auch die Landesarmutskonferenz Berlin charakterisiert in einer Bilanz die Umsetzung des Marktsegment-Programms als weitgehend wirkungslos. Mit der negativen Einkommensentwicklung in der Hauptstadt und dem Inkrafttreten der Arbeitsmarktreformen, insbesondere von Hartz IV, habe sich die Zahl der konkurrierenden Gruppen um das wichtigste Kontingent des „Geschützten Marktsegments“, nämlich die Kleinstwohnungen, spürbar verschärft, heißt es in einer Stellungnahme. Aufgrund der allgemeinen Mietsteigerungen und des Wegfalls der Anschlussförderung im Sozialen Wohnungsbau und der Energiekostenentwicklung liege das Mietniveau „der infrage kommenden Wohnungen inzwischen an oder bereits oberhalb der maximal zulässigen Miethöhen für ALG-II-Beziehende.“ Weil der Bedarf nach preisgünstigem Wohnraum gleichzeitig weiter steigt, fordert die Landesarmutskonferenz eine Aufstockung des bisherigen Wohnungspools. „Die Zahl der Wohnungsnotfälle wächst mit der zunehmenden Verknappung auf dem Wohnungsmarkt dramatisch. Aus nahezu allen Berliner Bezirken wird ein wesentlich erhöhter Bedarf an Marktsegment-Wohnungen gemeldet. Um das Kontingent ausbauen zu können, sollte der Senat sich aktiv bemühen, weitere Wohnungsunternehmen zur Zusammenarbeit zu gewinnen.“

Quelle: MieterEcho 359 / April 2013

Leerstand in Friedenau: Warum das Geisterhaus weiter verfällt

„Es passiert nichts außer dem Organisieren von Ausreden“, klagte Axel Seltz (SPD) in der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) vor zwei Wochen. Es ging um das Haus an der Ecke Odenwald-/Stubenrauchstraße in Friedenau, das seit 20 Jahren leer steht, und um den Treuhänderpassus im novellierten Zweckentfremdungsverbotsgesetz (ZwVbG). Dieser sollte es dem Bezirk theoretisch ermöglichen, mit dem Einsetzen einer Treuhänderschaft das Haus vor dem weiteren Verfall zu bewahren. Die Nachbarschaftsinitiative Friedenau setzt sich dafür mit allen Kräften ein und traf in dem Zusammenhang sogar schon Bausenatorin Katrin Lompscher (Linke).

Noch stehen viele Hürden vor der Initiative und dem Bezirk, bevor in dem Haus irgendwann wieder Menschen wohnen können oder gar ein Café und ein Nachbarschaftstreff entstehen, wie sich das die Initiative vorstellt. Zumal es für den Treuhänderpassus noch keine Ausführungsvorschrift für die Bezirke gibt, d.h. diese vom Senat noch keine Anweisung dafür haben, wie das Gesetz umgesetzt werden soll. Die Vorschrift soll am 22. November bei der Sitzung des Rats der Bürgermeister*innen vorgelegt werden. Die übrigen rechtlichen Mittel würden konsequent angewendet, sagt Bezirksstadtrat Jörn Oltmann (Grüne). Die Zweckentfremdungsstelle habe schon „mehrere hohe Geldbußen“ gegen die Eigentümerin verhängt, was bewirkte, dass diese sich gesprächsbereiter zeigte und so einige sicherheitsbedingten Arbeiten am Haus durchgeführt werden konnten.

Aktuell wird vor dem Bundesverfassungsgericht (BVerfG) verhandelt, ob das Haus in der Odenwaldstraße überhaupt unter das ZwVbG fällt. Denn es steht schon länger leer, als dass dieses Gesetz gilt (1. Mai 2014). Das Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg entschied 2017, dass die rückwirkende Anwendung verfassungswidrig ist und hat die Frage dem BVerfG vorgelegt.

Schließlich hätte der Bezirk die Möglichkeit, nach dem Instandsetzungsgebot die Behebung von Mängeln am Haus anzuordnen, wenn diese die Nutzung des Hauses beeinträchtigen. Das ist der Fall, wie diese Liste zeigt. Der „dringende Wohnbedarf“ in der Stadt sollte als Grund ausreichen, dass der Bezirk das Haus wieder herrichten müsste. Die Kosten würde dann der Bezirk übernehmen, wenn die Instandsetzung der Eigentümerin „nicht zumutbar“ wäre, z.B. wegen Alter oder Krankheit. …

kompletten Artikel lesen … Quelle … Der Tagesspiegel – Leute

Radikaler Widerstand verändert die Politik Über Besetzungen und Enteignungskampagnen

Die stadtpolitischen Aktionen in Berlin sind oft bunt und kreativ. An diesem Freitag beispielsweise wollten Mieteraktivisten mit einer »Eisparade« durch Kreuzberg ziehen. »Mieterprotest wird am besten kalt serviert«, heißt es in einem Protestaufruf. Der Hintergrund ist allerdings ernst: Dem Eismann Mauro Luongo wurde vor Kurzem von einem internationalen Investor aus Dänemark gekündigt. Luongo hat ein Lager in der Lausitzer Straße 10/11. In diesem Gebäudekomplex leben Mieter, Künstler und auch einige wichtige linke Initiativen haben hier ihren Standort. Die Kündigung des Eismanns steht exemplarisch für die Verdrängung aus dem Kiez. Große Konzerne, Pensionsfonds, Aktiengesellschaften kündigen und vermieten neu, was das Zeug hält, um ihre Profitinteressen zu verfolgen. Der als Gentrifizierung bekannte Verdrängungsprozess geht unvermindert weiter.

Dass sich diese Entwicklung mit bunten Paraden und Lärmdemonstrationen aufhalten lässt, glaubt indes kaum noch jemand. Vielmehr ist in den vergangenen Monaten eine Radikalisierung der stadtpolitischen Bewegung zu beobachten. Mit der Kampagne besetzen etwa haben Aktivisten erfolgreich auf den Leerstand in der Hauptstadt aufmerksam gemacht. Gleichzeitig ist es ihnen gelungen, eine Debatte über die sogenannte Berliner Linie loszutreten, nach der Neubesetzungen nicht mehr automatisch innerhalb von 24 Stunden von der Polizei geräumt werden. Die Besetzung von leerstehendem Wohnraum genießt eine Akzeptanz weit über die linksradikale Szene hinaus.

Ähnlich radikal hat sich der Widerstand gegen die Ansiedlung des Campus von Google positioniert. Und nicht zuletzt die Besetzung und die Dauerkritik der Anwohnerinitiativen dürften das Einlenken des Internetkonzerns, statt des Campus’ lieber soziale Organisationen in das Umspannwerk einziehen zu lassen, forciert haben. Doch nicht nur mit Besetzungen wurde in den vergangenen Monaten der politische Druck erhöht. Als neuestes Instrument gegen den Mietenwahnsinn legen Aktivisten jetzt eine Enteignungskampagne auf. Die ursprünglich auf die Deutsche Wohnen zielende Kampagne wird auf weitere Wohnungsunternehmen ausgeweitet. Um die Sozialisierungsforderung zu untermauern, wird dafür ein Volksbegehren eingeleitet. Damit wird auch der einst abgeblasene Mietenvolksentscheid auf neue Art und Weise reaktiviert. Da es diesmal keinen Gesetzentwurf beinhaltet wird die rechtliche Prüfung kein Problem sein. So oder so ist die Forderung nach Enteignungen sicher gut geeignet, dem stadtpolitischen Widerstand noch mehr Schwung zu verleihen. …

kompletten Artikel lesen … Quelle … Neues Deutschland

Radikaler Widerstand verändert die Politik Über Besetzungen und Enteignungskampagnen

Die stadtpolitischen Aktionen in Berlin sind oft bunt und kreativ. An diesem Freitag beispielsweise wollten Mieteraktivisten mit einer »Eisparade« durch Kreuzberg ziehen. »Mieterprotest wird am besten kalt serviert«, heißt es in einem Protestaufruf. Der Hintergrund ist allerdings ernst: Dem Eismann Mauro Luongo wurde vor Kurzem von einem internationalen Investor aus Dänemark gekündigt. Luongo hat ein Lager in der Lausitzer Straße 10/11. In diesem Gebäudekomplex leben Mieter, Künstler und auch einige wichtige linke Initiativen haben hier ihren Standort. Die Kündigung des Eismanns steht exemplarisch für die Verdrängung aus dem Kiez. Große Konzerne, Pensionsfonds, Aktiengesellschaften kündigen und vermieten neu, was das Zeug hält, um ihre Profitinteressen zu verfolgen. Der als Gentrifizierung bekannte Verdrängungsprozess geht unvermindert weiter.

Dass sich diese Entwicklung mit bunten Paraden und Lärmdemonstrationen aufhalten lässt, glaubt indes kaum noch jemand. Vielmehr ist in den vergangenen Monaten eine Radikalisierung der stadtpolitischen Bewegung zu beobachten. Mit der Kampagne besetzen etwa haben Aktivisten erfolgreich auf den Leerstand in der Hauptstadt aufmerksam gemacht. Gleichzeitig ist es ihnen gelungen, eine Debatte über die sogenannte Berliner Linie loszutreten, nach der Neubesetzungen nicht mehr automatisch innerhalb von 24 Stunden von der Polizei geräumt werden. Die Besetzung von leerstehendem Wohnraum genießt eine Akzeptanz weit über die linksradikale Szene hinaus.

Ähnlich radikal hat sich der Widerstand gegen die Ansiedlung des Campus von Google positioniert. Und nicht zuletzt die Besetzung und die Dauerkritik der Anwohnerinitiativen dürften das Einlenken des Internetkonzerns, statt des Campus’ lieber soziale Organisationen in das Umspannwerk einziehen zu lassen, forciert haben. Doch nicht nur mit Besetzungen wurde in den vergangenen Monaten der politische Druck erhöht. Als neuestes Instrument gegen den Mietenwahnsinn legen Aktivisten jetzt eine Enteignungskampagne auf. Die ursprünglich auf die Deutsche Wohnen zielende Kampagne wird auf weitere Wohnungsunternehmen ausgeweitet. Um die Sozialisierungsforderung zu untermauern, wird dafür ein Volksbegehren eingeleitet. Damit wird auch der einst abgeblasene Mietenvolksentscheid auf neue Art und Weise reaktiviert. Da es diesmal keinen Gesetzentwurf beinhaltet wird die rechtliche Prüfung kein Problem sein. So oder so ist die Forderung nach Enteignungen sicher gut geeignet, dem stadtpolitischen Widerstand noch mehr Schwung zu verleihen. …

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Gentrifizierung in Berlin: Die Lause geht in die zweite Runde

Erneut droht dem linken Häuserkomplex „Lause“ in Kreuzberg die Verdrängung: Am Freitag wird dagegen mobil gemacht.

Lange war es ruhig um die sogenannte Lause. Nun eskaliert die Lage um den Kreuzberger Häuserkomplex in der Lausitzer Straße 10 und 11 erneut – wo neben linken Gruppen wie das Internetfernsehen Leftvision, die Initiative Schwarze Menschen in Deutschland oder das Peng-Kollektiv, langjährige MieterInnen, Gewerbetreibende und künstlerische Projekte beherbergt sind. Es flattern wieder Kündigungen.

Dabei gab die Lause Anlass zur Hoffnung, Erfolgsgeschichte für die Berliner Mietenbewegung zu schreiben: Ein Verkauf konnte bereits Anfang 2017 gestoppt werden, nachdem die MieterInnen mithilfe der Öffentlichkeit, Nachbarschaft und Politik Protest organisiert und ein Gespräch mit dem Eigentümer, dem dänischen Immobilienkonzern Taekker erzwungen hatten. Überraschend kündigte dieser daraufhin an, vom geplanten Verkauf abzusehen und gemeinsam mit den MieterInnen eine „langfristige Lösung“ suchen zu wollen.

Doch der Eigentümer schaltet nun auf Durchzug: Er beendet die Gespräche – seit Anfang September stecken erneut Kündigungen in die Briefkästen der Lause. „Alle Projekte sind akut bedroht“, sagt Veronika Wolter von der Initiative „Lause Bleibt“, der Verdacht dränge sich auf, dass nie ernsthaft verhandelt werden sollte.

Dabei wurde, um einen Gesamtmietvertrag verhandeln zu können, extra der Verein „Lause lebt e. V.“ gegründet – auch auf Wunsch Taekkers hin. Der Verein machte Angebote an Taekker, wie den Häuserkomplex mit Mitteln der Stadt zu kaufen oder via eines Genossenschaftsmodells zu pachten; ein entsprechendes Nutzungskonzept steht online.

Einige MieterInnen haben jetzt „neue Verträge mit bis zu 80 Prozent höheren Mieten angeboten bekommen, andere sollen gleich verschwinden“, verkündet die Lause per Facebook. So, wie der Eisverkäufer Mauro Luongo, der seit 18 Jahren einen der Kellerräume für seine Eismaschine nutzt: Schon zu Ende Oktober soll er gehen.

Wie erwartet, nimmt die Lause das nicht einfach hin. …

kompletten Artikel lesen … Quelle … TAZ

Ostkreuz: Berlin baut keine Schule – um Geld für den Schulbau zu bekommen

Am Ostkreuz wurde Bauland an Investor*innen verkauft. Zwischen Mai 2016 und Juni 2017 insgesamt sechs Flächen mit einer Größe von 32.000 Quadratmeter an sechs Investor*innen. Der Kaufpreis dürfte bei 20 Millionen Euro liegen. Viele Bezirkspolitiker*innen hatten hier eigentlich Schul- und Wohnungsbau gefordert. Doch anstelle einer Schule soll bald „Coral World“ gebaut werden – ein Tourist*innenmagnet. Es entsteht ein vollkommen neues Viertel.

Geplant sind derzeit 500 Wohnungen am Ostkreuz. 170 davon von der Howoge, 140 mietpreisgebunden. Baustadträtin Birgit Monteiro (SPD) sagt auch: „Die genaue Zahl von Mietwohnungen bzw. Eigentumswohnungen ist nicht Bestandteil des Bebauungsplan-Verfahrens und kann deswegen nicht abschließend beantwortet werden.“ Eine genaue Anzahl könne erst mit Vorliegen der konkreten Bauanträge ermittelt werden. Geschätzt wird, dass rund 1000 Menschen ans Ostkreuz ziehen könnten.

Dass Anwohnende verdrängt werden, steht hingegen fest. Die Gebäude der Hauptstraße 1G-I sollen abgerissen werden und die Mietenden „umgesetzt“, so Monteiro. Man werde helfen, neue Wohnungen zu finden. „Deshalb sollen diese vom Land Berlin Umsetzungsbescheinigungen für belegungsgebundene Wohnungen gemäß den Vorschriften des sozialen Wohnungsbaus erhalten.“ Die Mieter*innen aber wollen nicht gehen, schreiben sie auf einem Blog.

Die neuen Grundstücksbesitzer sind nicht verpflichtet, Sozialwohnungen zu bauen. „Aufgrund der Lage im städtebaulichen Entwicklungsgebiet kommt das Berliner Modell zur kooperativen Baulandentwicklung hier nicht zur Anwendung“, so Monteiro. Entlang der Hauptstraße sind Bereiche für Hotel- und Büronutzungen geplant. Entlang der Promenade sollen „Einzelhandelsbetriebe zur Versorgung der Rummelsburger Bucht entstehen“.

So sollen Tourist*innen angelockt werden, die direkt am ausgebauten Ostkreuz aussteigen und am (immer noch kontaminierten) See bummeln, Eis auf der neu entstehenden Aussichtsplattform lecken, Fisch auf der Gode-Wind essen und Eintrittsgeld für Coral World bezahlen. Am 18. Oktober sollte die Bezirksverordnetenversammlung (BVV) eigentlich über den Bebauungsplan Ostkreuz abstimmen. So hieß es von allen Seiten. Auch eine Großdemonstration wurde ja angemeldet. Doch ob es wirklich am 18. besprochen wird, ist noch unklar.

Monteiro sagte, der Antrag zur Abstimmung sei zurückgezogen worden, da er noch nachgebessert werden müsse. Am Dienstag treffen sich die Organisator*innen der Demo und wollen besprechen, ob die Demo trotzdem stattfinden wird. Eventuell wird es einen Einwohner*innenantrag in der BVV zum Thema geben.

Was wäre, wenn die BVV gegen die Bebauung stimmen würde? Bausenatorin Katrin Lompscher (Linke) und Bezirksbaustadträtin Monteiro machen da schon mal Stimmung und „warnen“: Im dem Fall würde die Stadt den Investor*innen Schmerzensgeld äh Entschädigung zahlen müssen. Zudem würden dem Bezirk Einnahmen in Höhe von 20 Millionen Euro durch die Lappen gehen – für „Schule, Kitas, Straßen“. Monteiro wörtlich: „Aus den Erlösen aus den Grundstücksverkäufen werden sämtliche Infrastrukturmaßnahmen im noch bestehenden Entwicklungsbereich finanziert (Schule, Kitaerweiterung, Straßenbau, Grünanlagen, etc.).“

Moment. Das ist schon absurd: Man hätte doch auch eine Schule dort bauen können, als das Areal noch der Stadt gehörte.  Stattdessen der Verkauf an einen Investor, die dringend benötigte Schule muss einige Kilometer weiter errichtet werden.

Viele Anwohner*innen sind gegen die Bebauung und fürchten, verdrängt zu werden. Monteiro hingegen sagt, Anwohnende seien mit der derzeitigen Situation unzufrieden und würden sich eine „städtebauliche Ordnung“ wünschen.

Es grenzt hier an moralischer Erpressung, meiner Meinung nach. Also wenn mir einer sagt: Stimm mal ab bitte, aber wenn du dagegen entscheidest, müssen wir auf wichtiges Geld für den Schulbau verzichten und zudem müssen wir dann anderen Leuten Entschädigung zahlen … also ich würde mich erpresst fühlen. Kevin Hönicke, Fraktionsvorsitzerder der SPD, fühlt sich hingegen nicht unter Druck gesetzt. Dem Senat sei das Risiko bekannt. In den Verträgen sind zwar keine Schadensersatzforderungen vereinbart worden, jedoch könnten die Investor*innen Schadensersatzansprüche gegen das Land Berlin gerichtlich durchzusetzen, falls der Bebauungsplan doch noch einmal geändert werden sollte, droht Monteiro.

In diesem Fall müssten die Verträge rückabgewickelt werden. „Es ist davon auszugehen, dass alle Investoren zumindest die schon erfolgten Planungs- und Vorbereitungskosten ersetzt bekommen möchten.“ Sollte die BVV am 18. Oktober gegen den Bebauunsplan stimmen, müsste das gesamte Verfahren noch einmal durchlaufen werden – „mit einem unsicheren Zeithorizont“, betont Monteiro. … 

kompletten Artikel lesen … Quelle … Der Tagesspiegel

Langzeitrecherche: Immobilienbesitz und Mietpreise – die Diskussion beginnt

Bei einer Auftaktveranstaltung im Tagesspiegel-Haus wurde das Rechercheprojekt „Wem gehört Berlin?“ zum Berliner Wohnungsmarkt vorgestellt.

Diskussion zu “Wem gehört Berlin?” im Tagesspiegel-Haus.FOTO: DOMINIK GRAU Quelle: https://www.tagesspiegel.de/berlin/langzeitrecherche-immobilienbesitz-und-mietpreise-die-diskussion-beginnt/23190724.html?xing_share=news

Steigende Mieten und horrende Kaufpreise. Die Daten des Berliner Wohnungsmarkts sind in diesen Tagen das bestimmende Thema in der wachsenden Hauptstadt.

Doch es geht bei Wohnungen, Häusern und Grundstücken nicht nur um Zahlen. Es geht auch um das Zuhause von 3,71 Millionen Berlinerinnen und Berlinern – und solchen, die es noch werden wollen. Gemeinsam mit dem gemeinnützigen Recherchezentrum Correctiv startete der Tagesspiegel deshalb am vergangenen Sonntag eine großangelegte Langzeitrecherche zu Immobilienbesitz und Mietpreisen in Berlin.
Bei einer Auftakt- und Informationsveranstaltung am Montag wurde deutlich, wie sehr das Thema die Menschen bewegt: Über 100 Interessierte drängten sich bereits im Konferenzsaal des Tagesspiegel-Verlagshauses, als Chefredakteur Lorenz Maroldt das Wort ergriff, um die Intention des Projektes zu erklären.
„Es geht uns darum, wieder Transparenz zu schaffen, um eine Diskussion zu ermöglichen“, sagte Maroldt, „denn die Frage, wie wir in Zukunft bezahlbar leben können, werden wir nur gemeinsam beantworten.“ Immer mehr Menschen spürten derzeit, dass durch die exorbitante Spekulation der Berliner Wohnungsmarkt ins Wanken gerate.
David Schraven und Justus von Daniels von Correctiv präsentierten erste Eindrücke des Vorläuferprojekts „Wem gehört Hamburg?“ Dabei stießen die Redakteure beispielsweise auf Pensionsfonds, die exorbitante Rendite aus Mietverhältnissen versprachen. „Oft wird dann vergessen, dass der Wohnungsmarkt aber nicht irgendein Markt ist, sondern Existenzen daran hängen“, sagte von Daniels.
Eigentümer sollen durch die Recherchen von „Wem gehört Berlin?“ nicht pauschal an den Pranger gestellt werden, betonte Tagesspiegel-Datenjournalist Hendrik Lehmann im Anschluss. Die Frage des Datenschutzes finde darum besondere Beachtung: „Wir gehen äußerst sorgfältig mit den uns mitgeteilten Informationen um und veröffentlichen selbstverständlich keine Listen mit allen Eigentümern.“ Es gehe im Projekt vielmehr um Anhaltspunkte für Recherchen im öffentlichen Interesse. ….

kompletten Artikel lesen … Quelle … Tagesspiegel

Stille Straße, Besetzen können auch Senior*innen!

„Herz statt Profit“ Dieser Spruch gilt auch hier! Die Silberrücken in der Stillen Straße 10 Berlin Pankow, kämpfen schon seit Jahren für den Erhalt ihrer Begegnungsstätte. Dem Bezirk Pankow wurde das Haus einfach zu teuer und die Begegnungsstätte war in akuter Gefahr geschlossen zu werden. Im Jahr 2012 besetzten die Senior*innen das Haus um es zu retten! Der Kampf hat sich gelohnt, kostet aber Nerven! Es wurde ein neues Haus versprochen! Das hat bis jetzt noch nicht geklappt, also wurde das alte Haus erst einmal renoviert! Hier der aktuelle Stand!

Quelle: Ausschnitt zitiert aus Berliner Abendschau vom 07.10.2018

Selbst-verwalteter Wohnraum für Obdachlose gefordert!

Leerstand bekämpfen! Wieder wurde es notwendig Häuser zu besetzten! Das ist scheinbar immer noch ein notwendiges Mittel, um leistbaren Wohnraum zu erhalten, zu schaffen, vor Spekulation zu schützen, darauf aufmerksam zu machen und dem Allgemeinwohl zuzuführen.
Am 06.10.2018 wurde in der Berlichingenstraße, Berlin Moabit ein Haus besetzt. Zusätzlich wird in der Skalitzer Straße 106, Berlin Kreuzberg gegen die Umwandlung der Kellerwohnungen in Ferienwohnungen demonstriert.

Quelle: Ausschnitt zitiert aus Berliner Abendschau und rbb24 vom 06.10.2018