big-berlin.land

Presseschau aktuelle Politik

„Städte haben Wohnungsmarkt aus der Hand gegeben“

Laut dem Oldenburger Sozialwissenschaftler Walter Siebel habe der Bund in der Wohnungspolitik vor Jahren zwei große Fehler begangen. Damit habe er die Einflussmöglichkeiten auf den Wohnungsmarkt verloren.

Die Mieter in deutschen Großstädten zahlen nach Auffassung des Oldenburger Sozialwissenschaftlers Walter Siebel heute die Zeche für gravierende Fehler der Wohnungspolitik, die in den 70er-Jahren begannen. „Damals glaubte der Bund, die Wohnungsfrage sei gelöst, und zog sich aus der Förderung des Wohnungsbaus zurück“, sagte Siebel.

Die Mietpreisbindung für staatlich subventionierte Wohnungen ist auf 25 Jahre begrenzt. In der Folge ist der Bestand sozial gebundener Wohnungen in den vergangenen 30 Jahren von rund fünf Millionen auf 1,2 Millionen Wohnungen geschrumpft.

Zum „Grundfehler des Bundes“ kam laut Siebel hinzu, dass viele Kommunen ihre Wohnungsbaugesellschaften ganz oder teilweise an private Investoren verkauft haben. „Mit den Einnahmen wollten die Städte ihre Haushalte sanieren“, sagte Siebel. „Damit haben sie jedoch auch ihre Einflussmöglichkeiten auf den Wohnungsmarkt verloren.“ Deswegen regle heute weitgehend der Markt die Mieten – mit entsprechend hohen Preisen.

 

weiterlesen – kompletter Artikel / Quelle

 

„Abschreckung von Investoren ist genau das, was wir brauchen“

Sind Enteignungen von Immobilienkonzernen ein Instrument aus der sozialistischen Mottenkiste? Stadtgeograph Sebastian Schipper findet das nicht – und fordert im Interview eine aktive Wohnungspolitik für lebenswertere Städte.

Stadtforscher zu Enteignungen

 

Herr Schipper, wie verfolgen Sie die Debatte über Enteignungen?

Teilweise mit einem Schmunzeln, zum Beispiel bei der Frage: Ist das nicht schon Sozialismus?

Ist diese Frage nicht berechtigt? Enteignungen wären ein bisher nie dagewesener Eingriff in den Markt.

Unabhängig davon, wie man zu diesem Instrument steht, finde ich bei dieser Frage die Geschichtsvergessenheit vieler Politiker interessant. Sie blenden aus, dass es auch in westlichen, kapitalistischen Ländern gemeinnützigen Wohnungsbau in großem Umfang gegeben hat. Ein Beispiel ist die Stadt Wien, wo sich über 50 Prozent der Wohnungen in der Hand von Genossenschaften und öffentlichen Wohnungsunternehmen befinden. Aber so weit muss man gar nicht weggehen.

Sondern?

Vor ein paar Jahrzehnten gab es auch in Westdeutschland noch einen gemeinnützigen Wohnungssektor mit über vier Millionen Wohnungen. Das war das Ergebnis einer sozialen Wohnungspolitik, wie sie bis Anfang der neunziger Jahre quer durch alle Parteien konsensfähig war. Genau die Wohnungen, die jetzt vergesellschaftet werden sollen, haben alle mal der öffentlichen Hand gehört.

 

 

Wo Platz für Millionen Wohnungen wäre

  • Einer Studie zufolge könnte mehr als eine Million Wohnungen entstehen, ohne dass dafür neues Bauland nötig wäre.
  • Demnach könnte man auf etlichen Supermärkten und Parkhäusern weitere Etagen aufsatteln oder leer stehende Bürogebäude nutzen.
  • Baulich sei das jedoch nicht immer ohne Weiteres möglich, heißt es von der Bundesarchitektenkammer.

 

In Hamburg haben sie einen Spielplatz auf dem Dach eines Parkhauses gebaut, in Stuttgart eine Kita über dem Aldi platziert und in Freiburg eine Kirche in 42 Wohnungen umgewandelt. Städte, in denen die Wohnungsnot besonders groß ist, haben gelernt, bebaute Flächen unkonventionell zu nutzen. Einer am Mittwoch veröffentlichten Studie der Technischen Universität Darmstadt und des Pestel-Instituts Hannover zufolge könnten 1,2 Millionen Wohnungen entstehen, wenn auf Supermärkten und Parkhäusern weitere Etagen aufgesattelt oder leer stehende Bürogebäude umgenutzt würden. Das wären sogar 170 000 Wohnungen mehr als Ende 2018 fehlten. Die Wohnungsnot wäre so schnell gelindert, ohne dass grüne Fläche angetastet werden müsste, heißt es in der in Berlin vorgestellten Studie, die im Auftrag von 16 Verbänden und Organisationen erstellt wurde.

Über Büros wären demnach 560 000 Wohnungen möglich, in leer stehenden Büros 350 000, Dächer von eingeschossigen Lebensmittelmärkten böten Platz für 400 000 Einheiten, Parkhäuser für zusätzliche 20 000 Wohnungen. Das größte Potenzial bergen allerdings Wohngebäude aus den 1950er bis 1990er Jahren. Mit zusätzlichen Stockwerken könnten dort bis zu 1,5 Millionen Wohneinheiten entstehen, behaupten die Verfasser der Studie.

 

weiterlesen – kompletter Artikel / Quelle

Zwangsräumung bei Rentnerin

Die Wohnung einer Rentnerin im Westend wird geräumt – erst im Januar hat sie eine neue Bleibe. Sie steht wie ein weiteres Paar auf der Straße. Der Eigentümer will dort Luxuswohnungen bauen. Allerdings hat er keine Abrissgenehmigung.

Frankfurt a.M    Am Dienstag, um 8 Uhr, klingelt der Gerichtsvollzieher in der Wöhlerstraße 22 im Westend. Wie es aussieht, bringt der Vollzugsbeamte auch Mitarbeiter des Sozialamts mit.

Die Rentnerin Erika Herlemann-Meyer (74) hat den jahrelangen Kampf um ihre Wohnung verloren. Ebenso das Ehepaar Sternal, gegen das sich der zweite Räumungstitel richtet. Beide waren am Montag außer sich vor Aufregung. Michael Sternal hat wegen einer Unterkunft sogar „bei der Jugendherberge angefragt“. „Furchtbar!“, rief er mittags aus, „wir stehen auf der Straße!“

Frau Herlemann-Meyer war vom Kölner Hauseigentümer dazu geraten worden, „zu einer Freundin zu ziehen“. Diese Möglichkeit geht der Rentnerin jedoch ab: „Ich habe niemanden“, sagte sie unter Tränen gestern Nachmittag in der noch fast vollständig eingerichteten Wohnung.

 

weiterlesen – kompletter Artikel / Quelle

 

Reiche werden immer reicher

In Deutschland gibt es eine deutliche Ungleichverteilung der Vermögen, obwohl die Wirtschaft in den letzten Jahren stark gewachsen ist. Zu diesem Ergebnis kommt die Bundesbank in ihrer aktuellen Untersuchung zur Vermögensbilanz der Privathaushalte: “Die Nettovermögen der privaten Haushalte in Deutschland sind ungleich verteilt”, heißt es im Monatsbericht der Bundesbank, der am Montag veröffentlicht wurde. Außerdem hänge hohes Vermögen “eng mit Eigentum an Immobilien zusammen”, so die Experten.

Das Ergebnis ist politisch brisant. In den vergangenen Jahren sind vor allem in den deutschen Ballungszentren die Immobilienpreise stark angestiegen. Inzwischen gibt es Initiativen, die eine Enteignung großer Immobilienkonzerne fordern, um günstigeren Wohnraum für Klein- und Mittelverdiener zu schaffen. Die Nullzinspolitik der Europäischen Zentralbank sorgte für einen starken Bauboom, von dem aber nur Haushalte profitierten, die sich einen Hypothekenkredit leisten konnten. Auch der Boom an den Aktienmärkten nutzte Geringverdienern wenig, weil sie kaum Geld übrig haben, um es an den Börsen zu investieren. Steigende Löhne sorgten aber dafür, dass alle Vermögen im Schnitt gestiegen sind.

weiterlesen – kompletter Artikel / Quelle

Immobilienbesitzer werden immer reicher

Das Vermögen der Deutschen steigt – doch es ist sehr ungleich verteilt: Laut einer Bundesbank-Studie stehen vor allem Eigentümer von Häusern und Wohnungen gut da.

In den vergangenen zehn Jahren wuchs und wuchs die deutsche Wirtschaft. Eine so lange Phase des ununterbrochenen Wirtschaftswachstums gab es zuletzt in den Achtzigerjahren. Auch in diesem Jahr wird das Bruttoinlandsprodukt voraussichtlich zulegen – wenn auch deutlich weniger als die Jahre zuvor.

Aber wo kommt dieser historische Aufschwung eigentlich an?

Antworten darauf gibt nun der aktuelle Vermögensbericht der Bundesbank. Auf mehr als 20 Seiten präsentieren die Autoren zahlreiche Daten zur Vermögensverteilung der deutschen Haushalte.

Dabei fällt auf: Die steigenden Wohnungspreise lassen vor allem die Vermögen der deutschen Immobilienbesitzer kräftig wachsen. Demnach lag der Median des Nettovermögens der Immobilienbesitzer 2017 bei 277.000 Euro – 37.200 Euro mehr als noch vor drei Jahren. Mieterhaushalte kommen dagegen lediglich nur auf ein Medianvermögen von 10.400 Euro. Um den Medianwert zu ermitteln, werden die Haushalte in eine reichere und eine ärmere Hälfte geteilt. Das Vermögen des Haushalts in der Mitte ist das Medianvermögen, verglichen mit dem Durchschnittseinkommen ist es gegenüber statistischen Ausreißern robuster.

weiterlesen – kompletter Artikel / Quelle

Staatsanwalt ermittelt gegen Deutsche-Wohnen-Tochter

Der Wohnungskonzern soll an der Berliner Karl-Marx-Allee beim Vorkaufsrecht getrickst haben. Ein Rechtsgutachten untermauert den Vorwurf.

Der Verkauf Hunderter Wohnungen in Berlin an den Konzern Deutsche Wohnen beschäftigt jetzt die Staatsanwaltschaft. Gegen Verantwortliche der Firma Predac als Verkäufer sowie einer Deutsche-Wohnen-Tochter als Käufer wird wegen Verdachts des Betrugs ermittelt. Das teilte ein Sprecher der Behörde am Freitag nach einer Vorabmeldung des Nachrichtenmagazins „Spiegel“ auf Anfrage mit.

Der Vorwurf: Die Beteiligten sollen Wohnungen, deren Bewohner ein Vorkaufsrecht hatten, verteuert haben, während leere Wohnungen und Gewerbeeinheiten billiger verkauft worden seien. Mieter, die schließlich ihr Vorkaufsrecht ausübten, hätten der Deutschen Wohnen so den Erwerb der anderen Wohn- und Gewerbeeinheiten mitfinanziert. Die Anwältin einer Bewohnerin erstattete Anzeige und untersetzte diese mit einem Rechtsgutachten, wie der Tagesspiegel berichtete.

 

weiterlesen – kompletter Artikel / Quelle

Widerspenstiger Mieter zu verkaufen

Nach langem Streit verkauft ein Eigentümer die letzte Wohnung im Altbau. Weil der Mieter nicht gehen will, preist er ihn mit ein.

Ein Schnäppchen. So kommt die Verkaufsanzeige der Ein-Zimmer-Wohnung im Prenzlauer Berg daher. 38,12 Quadratmeter für 155.000 Euro. Lage: Kopenhagener Straße 46. Direkt am Mauerpark. Sanierter Altbau, makellose Fassade. Ähnliche Wohnungen im Viertel werden für gut 2000 Euro pro Quadratmeter mehr angeboten.

Der Haken ist bei diesem Schnäppchen eingepreist. Der Kauf sei eine Investition für „unerschrockene Anleger“, steht weiter unten. Man brauche unter Umständen rund ein Jahrzehnt lang ein dickes Fell, bevor mal die Immobilie nutzen kann. Geschätzte Monatsrate für den Kaufpreis: 399 Euro. Mieteinnahmen: 171,53 Euro. Der aktuelle Bewohner werde als „renitentester Mieter Berlins“ betitelt.

Anruf bei Makler Dominic Schache, er klingt nach Verve und Freisprechanlage. Ein verspäteter Aprilscherz sei das nicht, die Annonce schon drei Wochen alt, die Resonanz gut, 80 Anfragen bislang. Er wolle nur ehrlich sein mit den Interessenten. Kaufangebote gebe es. Zu niedrig allerdings. Aber die nächste Besichtigung stehe schon an.

weiterlesen – kompletter Artikel / Quelle

Wien setzt fünf Euro als Höchstmiete fest

Auch die österreichische Hauptstadt hat mit steigenden Einwohnerzahlen zu kämpfen. Damit Wohnen bezahlbar bleibt, hat die Stadtregierung eine neue Bauordnung erlassen – mit drastischen Vorschriften.

Im Kampf um bezahlbare Mieten fördert die österreichische Hauptstadt Wien den sozialen Wohnungsbau mit einem drastischen Schritt.

Zwei Drittel müssen Sozialwohnungen sein

Bei künftigen Bauprojekten darf nur noch ein Drittel der Wohnnutzfläche frei finanziert werden, zwei Drittel der Fläche bleiben geförderten Wohnungen vorbehalten. Die am Donnerstag vom Wiener Landtag beschlossene Regelung sieht auch eine Nettohöchstmiete von fünf Euro pro Quadratmeter bei den geförderten Wohnungen vor.

Wohnbaustadträtin Kathrin Gaal erklärte, man bekämpfe damit die Hauptursache der Kostenexplosion beim Wohnen, nämlich die Spekulation mit Grund und Boden, und schaffen dadurch mehr leistbaren Wohnraum.

weiterlesen – kompletter Artikel / Quelle

„Hohe Mieten sind eine sehr effektive Grenze“

Menschen in Berlin-Kreuzberg oder dem Hamburger Schanzenviertel wohnen unter sich – merken das aber nicht. Soziologin Cornelia Koppetsch im Gespräch über Innenstädte, die bald so homogen sind wie Reihenhaussiedlungen.

Auch wenn dies kaum gewollt und den Beteiligten zumeist nicht bewusst ist: Die hohen Preise funktionieren wie eine hochgradig effektive Grenze.

Was meinen Sie damit?

In den begehrten und teuren Stadtteilen lassen sich Personen aus unteren Schichten zunehmend gar nicht mehr antreffen. Die Viertel werden kulturell und sozial immer homogener. Auf diese Weise wird von klein auf der Kontakt mit Menschen aus anderen sozialen Schichten unterbunden. So etwa haben Arbeiterkinder in den 1970er Jahren oftmals noch selbstverständlich mit den Lehrerkindern auf der Straße gespielt. Das wäre heute so kaum noch möglich: Zum einen, weil die Nachbarschaften zunehmend entmischt sind und zum anderen, weil die Lehrer ihre Kinder nicht mehr so gerne auf der Straße spielen lassen, sondern mit dem Auto zum Musikunterricht oder Ballett fahren.

 

weiterlesen – kompletter Artikel / Quelle