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Projekt »Mehr als Willkommen« ruft zum Voting auf

Seit Dezember 2016 findet im Stadtteilzentrum am Teutoburger Platz das Projekt »Mehr als Willkommen« statt, das sich sowohl an Initiativen der Willkommenskultur als auch an Migrant/innenorganisationen und Initiativen von geflüchteten Menschen in Prenzlauer Berg richtet.

Der Projektfonds 2017:
Menschen, Initiativen und Projektgruppen aus Prenzlauer Berg konnten bis zu 5.000 Euro aus dem »Mehr als Willkommen-Projektfonds«  beantragen. Die Ideen werden nun in kurzen Videos vorgestellt. Diese Videos können hier angesehen werden.

Wer das Geld bekommt, entscheidet die Nachbarschaft!
Bis zum 23.07.2017 kann jede/r bis zu fünf Stimmen vergeben! In den nächsten Wochen werden die Filme außerdem an bis zu fünf zentralen Orten im Kiez vorgeführt, um auch die Menschen zu erreichen, die online nicht abstimmen würden. Orte zum Offline-Abstimmen erfahren Sie unter dem angegebenen Kontakt. Die Online- als auch Offline Stimmen gehen zu je der Hälfte in die Entscheidung ein. Alle geförderten Projekte werden ab dem 24.07. auf der angegebenen Website bekannt gegeben.

Kontakt:
»Mehr als Willkommen« im Stadtteilzentrum am Teutoburger Platz | Juliane Wolf & Ludger Lemper | mehralswillkommen@pfefferwerk.de

Ausstellung Gezeichnete Welten. Alvin Boyarsky und die Architectural Association im Museum für Architekturzeichnung

Die Ausstellung Gezeichnete Welten. Alvin Boyarsky und die Architectural Association zeigt rund 50 Meisterwerke der zeitgenössischen Architekturzeichnung aus der Hand namhafter Architekten, gesammelt durch den langjährigen Leiter der Architectural Association School of Architecture (AA) in London, Alvin Boyarsky.

Die Schau wurde bereits am Mildred Lane Kemper Art Museum der Washington University in St. Louis, am Museum of Art, Rhode Island School of Design in Providence und an der Cooper Union in New York gezeigt und kommt nun auch nach Berlin.

Die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts ist die Zeit einer zunehmenden globalen Mobilität und internationalen Ideenaustauschs. Diesen Zeitgeist spürt man auch in den ausgestellten Werken: Der überwiegende Teil stammt aus den 1980er Jahren, einer Zeit, in der die internationale Ausrichtung der Architectural Association School of Architecture und die wachsende Beliebtheit der Handzeichnung der Suche nach einer neuen Architektursprache frische Impulse verlieh.

Die AA gilt zu Recht als eine der bedeutendsten Talentschmieden der Architektur und hat zahlreiche Stirling- und Pritzker-Preisträger hervorgebracht. Zu den bekanntesten Absolventen zählen Rem Koolhaas, Zaha Hadid, Nigel Coates, David Chipperfield, Ben van Berkel, Will Alsop und andere namhafte Architekten. Viele der Absolventen kehrten später als Professoren an die Hochschule zurück.

Die künstlerische, methodische und geografische Vielfalt der Zeichnungen und deren Verbindung zur gebauten Architektur verdeutlicht die Bedeutung des Lebenswerks von Alvin Boyarsky. Der Sammler wurde 1928 in Kanada geboren und studierte Architektur an der McGill University in Montreal. Nach den ersten Berufserfahrungen schloss er das Postgraduate-Studium an der Cornell University ab und unterrichtete anschließend an der University of Oregon, the Bartlett School of Architecture und der Architectural Association School of Architecture, London, die er später von 1971 bis 1990 leitete. Alvin Boyarsky vertrat die Auffassung, dass die wichtigste Aufgabe einer Architekturakademie darin besteht, gesellschaftskritisch zu sein. Darüber hinaus hat er es geschafft, die AA international auszurichten und den Studienaufbau mit sogenannten frei wählbaren units zu revolutionieren. Eine besondere Bedeutung wurde der Architekturzeichnung beigemessen.

Die Ausstellung zeigt frühe Werke von Architekten, deren Namen sich heute wie ein Who’s who der zeitgenössischen Architektur lesen, darunter Frank Gehry, Zaha Hadid, Daniel Libeskind, Rem Koolhaas und Bernard Tschumi, und ermöglicht einen Einblick in ihre Ideenwelten, die durch Zeichnungen umgesetzt wurden. Für Alvin Boyarsky war die Architekturzeichnung nicht nur ein Repräsentationsmittel oder ein Darstellungsmedium, sondern auch eine Form der Architektur.

Die Originalausstellung Drawing Ambience: Alvin Boyarsky and the Architectural Association entstand als Kooperation zwischen dem Kemper Art Museum der Washington University in St. Louis und dem Museum of Art, Rhode Island School of Design, Providence. Sie ist kuratiert von Jan Howard, der leitenden Kunstkuratorin der Rhode Island School of Design, und Igor Marjanović, Professor der Architektur an der Washington University in St. Louis, und wird durch einen Ausstellungskatalog begleitet, der durch die University of Chicago Press vertrieben wird. Die Originalausstellung wurde u. a. durch die Unterstützung der Graham Foundation for Advanced Studies in the Fine Arts ermöglicht.

Ausstellung Gezeichnete Welten
8. Juli 2017 bis 24. September 2017

Museum für Architekturzeichnung

1. Juli 2017: 3. Veteranenstrassenfest

veteranenstrassenfest-2017-smallDas dritte Strassenfest geht weiter auf dem Weg sich zu einem musikzentrierten Nachbarschaftsfest der besonderen Art zu etablieren. Unterstützt von der Stadtteilkasse wird auf 4 Bühnen anspruchsvolle Musik umsonst draussen + drinnen geboten. Ein Tag das Gefühl der alten Mitte wieder zu beleben. Mit Freunden und Familien zusammen Musik und Stadtkultur zu erleben. In Kooperation mit der Zionskirche, Acud macht Neu und allen Gewerbetreibenden und Anwohnern (Anwohnerflohmarkt) wollen wir unseren Kiez weiter lieben und feiern. Spenden erwünscht ;)!

Unter Anderem mit: Die Wilde Jagd, Jakob Dobers, Pastor Leumund, James Tuft, Michael Drummer, Howard Katz, Pony, Kettenkasten, Gegenphase, Gomi, Minami, Prada Meinhoff, Swing Patrol Berlin, Kepler, Newcleus, Antialias, Elmo Lewis, Peter Grummich, DJ Detweiler… Kinderprogramm! Streetfood!

3. Veteranenstrassenfest bei Facebook

Zeit: Sonnabend, 1. Juli 2017 ab 14:00 Uhr
Ort: Veteranenstraße, 10119 Berlin, Deutschland

Kiezfest 2017 am Samstag, den 08. Juli von 15 bis 22 Uhr

Liebe Nachbar*innen,

feiert mit uns am Samstag, den 08. Juli von 15 bis 22 Uhr auf der Straße vor dem Stadtteilzentrum!

Mit dabei:

* Masken bauen * Wimpel bemalen * im Sandhaufen toben * Kunst & Nachbarschaft * Familienflohmarkt * Büffet * Kuchenallerlei * gekühlte Getränke

Programm:

15.30 Uhr: Kiezchor „Fisch im Wasser“

16.30 Uhr: Trommelgruppe „Djembella“

20 Uhr: Live „Die sogenannte anarchistische Musikwirtschaft“

Wir freuen uns auf Euch!

Um sich für den Flohmarkt anzumeldet, ruft uns gerne vorher an unter: 443 7178

Den Flyer zum Weiterleiten findet Ihr hier!

Auf der Straße

 

Ist London das Ende des Dämmwahns?

Der sogenannte Klimaschutz nimmt immer unverantwortlichere Formen an. Gestern hat ein Brand in einem Londoner Hochhaus 58 Tote gekostet, viele weitere Bewohner gelten zur Stunde noch als vermisst. Die Achse des Guten berichtete gestern als erstes Medium überhaupt darüber, dass die jüngst an dem Hochhaus angebrachten Wärmedämm-Platten möglicherweise als Brandbeschleuniger wirkten und für die rasend schnelle Ausbreitung des Feuers verantwortlich sein könnten. Inzwischen ist das keine Vermutung mehr. Der Verdacht hat sich leider bestätigt.

Dies war eine Katastrophe mit Ansage. Die Achse des Guten berichtete bereits vor einem Jahr über spektakuläre Brände von mit Polystyrol (landläufig Styropor genannt) gedämmten Fassaden. Das Problem war lange bekannt, die Feuerwehren warnten – nur wollte keiner zuhören. Politiker, die bislang Augen und Ohren fest verschlossen, kündigen jetzt plötzlich „gewissenhafte Untersuchungen“ an (Theresa May). Der bayrische Innenminister Joachim Herrmann, als Spitzenkandidat der CSU bereits im Wahlkampfmodus, ließ verlauten: „Wir nehmen das zum Anlass um zu überprüfen, ob die aus energetischen Gründen geforderte Außendämmung eine zusätzliche Brandgefahr auslöst“.

Das ist eine erstaunliche Aussage. Ganz einfach, weil das richtige Leben die Antwort längst gegeben hat, was auch Herrn Hermann und seinem Fachreferat bekannt sein sollte. Denn schon am Dienstag den 17.5.2016 starben im Duisburger Stadtteil Meiderich bei einem Wohnungsbrand eine 33-jährige Mutter und ihre beiden Söhne (8 und 14 Jahre). 27 Menschen haben bei dem Brand Verletzungen erlitten. Der Brand hatte sich vom Erdgeschoss ausgehend über die Außenfassade bis ins Dach des viergeschossigen Hauses ausgebreitet, “wie an einer Zündschnur“, sagt Feuerwehr-Chef Oliver Tittmann: „Es war ein dramatischer Einsatz.“ Mit den genau gleichen Worten schilderten Augenzeugen die Brand-Explosion in London. Die Flammen breiten sich nicht nur rasend schnell aus, es entstehen dabei auch besonders giftige Dämpfe.

Eine Statistik zu den Vorfällen gibt es nicht

Live und beklemmend konnte man so ein Feuerwerk schon zu Silvester 2015 an einer Hochhausfassade in Dubai beobachten, einen weiteren als Video dokumentierten Großbrand gab es in Frankreich, ebenfalls dokumentiert wurde ein spektakulärer Vorfall in Frankfurt (unbedingt die Aussagen der Feuerwehr anschauen). Die Zahl solcher gefährlicher Fassaden-Brände dürften mittlerweile alleine in Deutschland in die Hunderte gehen, eine Statistik zu den Vorfällen gibt es aber nicht, auch keine Zahl über die dabei schwer Verletzten oder umgekommenen Menschen.

Wenn es nicht um das ideologische Steckenpferd und Klimaschutz ginge, den unsere Kanzlerin zum heiligen Gral erklärt hat, hätten die Behörden diesem Spuk mit Sicherheit längst ein Ende gesetzt. Die Feuerwehren wissen bescheid, hängten es bisher aber nicht an die große Glocke – die üblich politisch korrekte Beißhemmung. Auch viele Medien weisen in der Berichterstattung über solche Vorfälle deutliche Lücken auf. In einem Land, in dem Bauvorschriften selbst die Neigung der Dachziegel festlegen, ist diese offensichtliche Ignoranz gegenüber einem lebensbedrohenden Risiko kaum zu glauben.

Joachim Herrmann wählte daher seine Worte sorgfältig als er sagte: „Ein vergleichbarer Fassadenbrand an einem Hochhaus ist in diesem Ausmaß bei uns so gut wie ausgeschlossen.“ Man beachte die Wortwahl: Die Betonung liegt auf „Hochhaus“. Das fängt laut der Dämmvorschriften in Deutschland aber erst bei 22 Metern Höhe an, darunter dürfen Materialien wie Polystrol angebracht werden. Das Gros der Bevölkerung wohnt in Deutschland aber nunmal in Gebäuden unter 22 Metern – und diesen Menschen wird so eine falsche Sicherheit vorgegaukelt.

Nur zur Information: Im Jahre 2015 wurden in Deutschland 36,3 Millionen Quadratmeter Dämmsysteme an die Fassaden geklebt. Bei einem vorsichtig geschätzten Preis von 120 Euro pro Quadratmeter ergibt dies einen Umsatz von über 4 Milliarden Euro. Klima-Ideologen und Industrie-Lobbyisten reichen sich bei den immer strengeren Wärmedämmvorschriften die Hand. Man sagt nicht umsonst, dass beispielsweise die Dämmvorschriften der deutschen Energiesparverordnung (EnEV), die Polystrol-Produzenten wie der BASF zu Milliardengeschäften verholfen haben, in Helmut Kohls Wahlkreis Ludwigshafen ersonnen worden seien.

Eine kurze Geschichte des Wahnsinns

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Grenfell-Tower, Asbest, Fukushima – einige unbequeme Vergleiche

Die Zahl der Toten und für tot gehaltenen Vermissten ist nach dem Brand im Grenfell-Tower-Hochhaus in London – Stand 19. Juni – auf 79 gestiegen. Es ist inzwischen klar, dass die aus Klimaschutzgründen angebrachte Fassadendämmung dabei wie ein Brandbeschleuniger wirkte. Es ist auch eine Tatsache, dass in Deutschland ebenfalls aufgrund sich rasend ausbreitender Dämmstoff-Brände Menschen gestorben sind. Es ist ferner belegt, dass es nur glücklichen Umständen zu verdanken ist, dass bisher nicht mehr passiert ist. Die Feuerwehren warnen seit langem. Das wurde auf der „Achse“ unlängst ausführlich hier beschrieben.

Angesichts dieser Sachlage ist die politische und mediale Reaktion auf ein Hochrisiko, das viele tausend Menschen bedroht, überaus erstaunlich. Schulterzuckend wird beispielsweise in der „tagesschau“ gemeldet, „dass sich die Flammen über die Fassadendämmung rasch ausbreiten konnten“. Der Ruf nach irgendwelchen Konsequenzen auch hierzulande aber bleibt weitgehend aus. Statt dessen wird das Problem auf illegale oder schlampige Bauausführung verlegt: „Die Gebäudeverkleidung war möglicherweise verboten.“ Der Subtext solcher Analysen lautet: „Bei uns kann das nicht passieren.“ Ganz so, als ob bei uns nicht geschlampt und beschissen wird, ich empfehle einen Abstecher zum BER.

Vor allem aber: Es ist bei uns schon passiert. Zwar sind Dämm-Materialien wie die in London verwendeten ab einer Höhe von 22 Metern hierzulande verboten, darunter sind sie aber erlaubt, weil angeblich „schwer entflammbar“. Wenn diese Stoffe allerdings erst einmal „schwer“ entflammt sind, brennen sie bedauerlicherweise wie Benzin und es entstehen giftige Gase mit Inhaltsstoffen wie Dioxin. Und das ist eben auch unter 22 Metern lebensbedrohlich.

„Dazu sollte der Brand Anlass geben, über die monumentale Öko-Schizophrenie nachzudenken, in die Politiker und Planer sich von einer mächtigen Dämmstoffindustrie drängen ließen“, mahnt Niklas Maak in der FAZ  vom 19. Juni („Die mordende Stadt“, leider nicht online), „mag sein, dass eine korrekt aufgebrachte Wärmedämmverbundfassade…schwer brennt, wenn die Bauaufsicht die minutiöse Einhaltung der Regeln überwacht. Das Problem ist nur: Sie wird selten hundertprozentig korrekt aufgebracht…“. Stimmen, wie die von Maak sind aber die Ausnahme.

Kanzlerin macht unverdrossen Dämmstoff-PR

Ansonsten bleibt in der Medienlandschaft der Ruf nach Konsequenzen und einer Korrektur der völlig überzogenen deutschen Dämmvorschriften aus. Die Krönung ist freilich ein aktuelles, gerade drei Tage altes PR-Video der Bundeskanzlerin mit einer „Immobilienwissenschaftlerin“ auf der Internet-Seite der Bundesregierung. Wer das Video anschaut, traut seinen Ohren nicht. „Der größte Teil des Wohnungsbestandes ist vor 1979 gebaut und da muss man sagen sind mindestens die Hälfte nicht wärmegedämmt, das heißt der Altbau ist der schlafende Riese, bei der Frage, wie kann ich CO2 sparen“, sagt die Kanzlerin und fügt hinzu: „Wir wissen, dass von den Umweltverbänden bis zu den Handwerkern, alle dahinter stehen…“.

Richtig: Alle die, die an diesem gefährlichen Irrsinn verdienen, stehen dahinter. Mit einer Ausnahme: Die Mieter, die für eine ökonomisch unsinnige, ökologisch oft kontraproduktive und gesundheitlich obendrein bedenkliche Sanierungsmaßnahme höhere Mieten bezahlen müssen. Das trifft natürlich besonders Menschen mit kleineren Einkommen, die in sogenannten „Mietskasernen“ wohnen. Zur Belohnung dürfen sie jetzt auch noch jeden Abend beten, dass niemand eine brennende Mülltonne an die Fassade schiebt.

Der „schlafende Riese – oder besser gesagt „Der Elefant im Raum“  – ist erstens das Brandrisiko, zweitens sind es Schimmel- und Gebäudeschäden, weil sich alter Baubestand und luftdichte Kunststoffe schlecht vertragen, und drittens die spätestens nach 20 Jahren – wenn nicht viel früher – anfallenden Entsorgungskosten, weil viele dieser Stoffe als Sondermüll deklariert sind. Die Dämm-Manie erinnert auf fatale Weise an die Karriere des Baustoffes Asbest, der aber zumindest einen Vorteil hatte: Er brannte nicht. „Asbest wurde auch ‚Wunderfaser‘ genannt, weil er eine große Festigkeit besitzt, hitze- und säurebeständig ist, hervorragend dämmt und die Asbestfasern zu Garnen versponnen und diese verwebt werden können“, heißt es auf Wikipedia. Als sich dann aber herausstellte, dass die lungengängigen Fasern gesundheitsgefährdend sind, wenn sie in die Raumluft gelangen, wurde das lange ignoriert. Als ignorieren nicht mehr ging, wurden alleine in Deutschland viele Milliarden ausgegeben, um das Zeug wieder loszuwerden. Statt dessen kleben wir jetzt Brandbeschleuniger an die Fassaden.

 

Fest entschlossen, aus Schaden nicht klug zu werden

 

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Das Primat trialogischer Verschwörungen im Berliner Wohnungsbau

Die landeseigene GESOBAU AG wirbt mit dem Slogan „Partizipation im Wohnungsbau“ auf ihrer Internetseite. Offensichtlich ist man bei der GESOBAU um noch weitere Innovationen in Beteiligungsverfahren bemüht, obwohl man als erste landeseigene Wohnungsgesellschaft schon 1984 Mieterbeiräte eingeführt hat.

Dies soll nun in einer landesweiten Kooperation erfolgen:

„In Kooperation mit der gemeinnützigen HUMBOLDT-VIADRINA Governance Plattform starten die Berliner landeseigenen Wohnungsbaugesellschaften degewo, GESOBAU, Gewobag, HOWOGE, STADT UND LAND sowie WBM eine Trialog-Reihe zum Thema „Partizipation im Wohnungsbau“, heißt es in einer gemeinsamen Presseerklärung.

Stefanie Frensch, Geschäftsführerin der HOWOGE erklärte dazu: „Die landeseigenen Wohnungsbaugesellschaften wollen eine stadtgesellschaftliche, gemeinwohlorientierte und ergebnisoffene Diskussion anstoßen, in die auch die umfangreichen Erfahrungen der Unternehmen im Bürger- und Quartiersdialog einfließen.“

Governance – die neue Demokratie?

Governance – das Wort kommt aus dem Französichen von gouverner, „verwalten, leiten, erziehen. In der Politiksprache bedeutet es nach Wikipedia: „Regierungs-, Amts- bzw. Unternehmensführung –, auch Lenkungsform, bezeichnet allgemein das Steuerungs- und Regelungssystem im Sinn von Strukturen (Aufbau- und Ablauforganisation) einer politisch-gesellschaftlichen Einheit wie Staat, Verwaltung, Gemeinde, privater oder öffentlicher Organisation.“
Das Ansinnen, partizipative Strukturen in die Unternehmensführung einzubauen, ist im Grundsatz löblich, wären da nicht Grundsatzkonflikte der Wohnungsbaupolitik, die Mieter in ihrer „Mietzahlungsfähigkeit“ völlig überfordern. Auch die bei der Gesobau AG im Herbst 2016 bekannt gewordene Nichtzulassung von 108 Kandidaten ( taz | 3.8.2016 )für die Wahlen der Mieterbeiräte weckt Mißtrauen darüber, was sich hinter dem Wort „Governance“ wirklich versteckt.

Wie das Primat trialogischer Verschwörungen über die Politik entsteht

Partner und organisatorischer Dienstleister ist die „HUMBOLDT-VIADRINA Governance Plattform gGmbH“, die am Pariser Platz 6 im Allianz Forum ihren Sitz hat. Die Allianz SE ist einer größten Versicherungskonzerne der Welt, mit Hauptsitz in München und einem jährlichen milliardenschweren Jahresüberschuss mit Versicherungen, Immobilienfinanzierungen und privaten Vermögensverwaltungen und Pensionsfonds. Ohne die Details kennen zu können, darf unterstellt werden, dass die Allianz SE auch mittelbare wirtschaftliche Interessen gegenüber landeseigenen Wohnungsbauunternehmen verfolgt, die insgesamt über 16 Mrd. € Verbindlichkeiten in ihren Bilanzen tragen (Stand 2015).

Legitim ist dabei vor allem auch das Interesse, eine Rückzahlung von Verbindlichkeiten der landeseigenen Wohnungsunternehmen durch beratende Hinweise und ThinkTank-Lobbyarbeit zu unterstützen. Fragwürdig ist jedoch das „Marketing“ für Public-Private-Geschäftsmodelle, die letztlich im Hintergrund von Diskussionsforen der Hauptstadt kultiviert wird.

Problematisch ist es obendrein, wenn in den Bilanzen einzelner landeseigener Wohnungsgesellschaften große Anteile der Mieten für den „Schuldendienst“ verwendet werden müssen. Hohe Verbindlichkeiten zwingen die landeseigenen Wohnungsbauunternehmen zur konsequenten Ertragsverbesserung, wodurch Konflikte mit dem Mieterschutz und sozialpolitischen Zielsetzungen unausweichlich werden.

Das Leitbild der HUMBOLDT-VIADRINA Governance Plattform will „Transparenz und Partizipation“ stärken. Doch der Ansatz ist höchst fragwürdig, weil hier ein falsches, neoliberales Verständnis von „Gemeinwohl“ hinterlegt wird: „Unsere Trialoge organisieren eine gemeinwohlorientierte Verständigung von Stakeholdern aus Politik, Wirtschaft, organisierter Zivilgesellschaft und Wissenschaft zu aktuellen gesellschaftlichen Fragen.“

Der erste Fehler liegt darin, die Trialoge auf „Stakeholder“ zu beschränken, jene Personen, die „Teilhaber“ ein berechtigtes Interesse am Verlauf oder Ergebnis eines Prozesses oder Projektes haben. Das „Gemeinwohl“ fällt so leicht unter den Tisch, weil sich hierfür keine direkten „Stakeholder“ finden lassen. „Gemeinwohl“ lässt sich aber nur aus sytemaren, volkswirtschaftlichen und strukturellen Betrachtungen ableiten, die auch Interessen von Stakeholdern zuwider laufen können. Das Gemeinwohl wird daher mangels neutraler Vertreter faktisch ausgeklammert, zumal wenn auch noch die Einladungsliste durch die Stakeholder eingeengt wird.

Transparenz und Partizipation hinter der Chatham House Regel versteckt

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Nach 40 Jahren fühlen sich Anwohner von Theater gestört

Seit fast 40 Jahren gibt es das Theater o.N. in Prenzlauer Berg. Jetzt fühlen sich Anwohner von ihm gestört.

 

Natürlich liegt es nicht am Namen, aber Glück hat der wohl nicht gebracht: Theater o.N. Oft werden die zwei Buchstaben als “ohne Namen” interpretiert. Aber die Theaterleitung wehrt ab, eher sei damit on gemeint, eine Verkehrung von Off-Theater. Tatsächlich könnte das Theater o.N. aber bald off sein oder o.O., ohne Ort. Im März bekam das Theater die Mitteilung, dass der Mietvertrag nicht verlängert wird, Ende Juli könnte der letzte Vorhang in der Kollwitzstraße 53 fallen.

Seit 20 Jahren ist das kleine Theater, das gerade mal 50 Zuschauer empfangen kann und das auch nur, wenn alle zusammenrücken, hier zu Hause. Gegründet wurde es schon 1979, um die Ecke in einem Ladenlokal in der Knaackstraße. Es hieß damals “Zinnober” und war das erste freie Theater der DDR. Mal wurde eine Aufführung erlaubt, mal fand sie im Verborgenen statt.

Diese Zeiten sind lange vorbei, aber einfacher ist es nicht geworden. Jetzt geht es nicht mehr um Inhalte, sondern darum, ob das 13-köpfige Ensemble überhaupt noch Theater spielen kann. Denn vielen Anwohnern ist das zu laut. “Beschwerden gibt es schon länger”, sagt Marianne Blankenfeld, Sprecherin der Eigentümergemeinschaft. Manche Eigentümer hätten sich beschwert, weil bei offenem Fenster gespielt wurde, andere weil auch nach 22 Uhr manchmal keine Ruhe war. “Vor zwei Jahren kam das auf den Tisch, als es um die Verlängerung des Mietvertrags ging.” Sie selbst habe keine Probleme mit dem Theater, “ich hätte es gern weiter im Haus”, aber die Mehrheit der 27 Eigentümer wolle kein Theater mehr im Gebäude.

Es ist nicht das erste Mal, dass es viel Lärm um Lärm im Kiez gibt und dass eine Institution aus Prenzlauer Berg verschwindet. Der Knaack-Club in der Greifswalder Straße musste nach 59 Jahren Ende 2010 schließen, weil es Beschwerden über die Lautstärke gab. Auch Magnet, Icon und Klub der Republik existieren nicht mehr oder mussten zumindest den Bezirk verlassen. Der Kampf um die Nacht ist längst entschieden.

Die Solidarität für das Theater ist in der Kulturszene groß

Aber jetzt geht es nicht um die Nacht. Das Theater o.N. spielt vor allem für Kinder im Kita- und Grundschulalter, die meisten Vorstellungen gibt es daher am Vormittag, nur am Wochenende auch mal nachmittags. Abends findet nur etwa fünfmal im Monat eine Veranstaltung statt. Dennoch fühlen sich viele Anwohner gestört. Schon vor zwei Jahren gab es Beschwerden, “ganz überraschend kam das Schreiben der Eigentümer daher nicht im März”, gibt Dagmar Domrös zu, die zusammen mit Vera Strobel das Theater leitet. Seitdem kämpfen sie für ihr Theater und seinen Standort. Weithin sichtbar ist das auf dem Banner über dem Theatereingang: “Wir wollen bleiben!” Seit Ende März gibt es jede Woche den “Soli-Freitag”, einen offenen Brief an die Senatsverwaltung haben mehr als 1500 Menschen unterschrieben, und das Deutsche Theater hat gerade eine Diskussionsrunde für das Theater o.N. veranstaltet zum Thema: “Wo bleibt der Raum für die Kultur?”

Das Theater hat wohl nur noch Raum in der Kollwitzstraße, wenn der Schallschutz verbessert wird. Der ist schon seit zwei Jahren Thema. Domrös und Strobel haben einen Gutachter beauftragt, aber seine Vorschläge reichten der Eigentümergemeinschaft offenbar nicht aus. Sie bestellten selbst einen Gutachter, dessen Vorschläge allerdings für die Theatermacher nur schwer umzusetzen sind. “Der Theaterraum würde dadurch deutlich verkleinert, das heißt wir könnten viele Stücke nicht mehr spielen, weil die Bühnenbilder zu groß sind, und es gäbe auch nur noch Platz für 35 Zuschauer”, schätzt Dagmar Domrös. Mal abgesehen von den Kosten, die laut Gutachter bei einer sechsstelligen Summe liegen sollen. Also mindestens 100.000 Euro. Das ist auch die Summe, die das Theater im Jahr vom Senat als Basisförderung bekommt. Mehr als die Basis lasse sich davon aber nicht bezahlen, so Domrös. Die Situation scheint verfahren.

Die Theaterleiterinnen hoffen nun auf Hilfe von der Senatsverwaltung. Kulturstaatssekretär Torsten Wöhlert versucht zu vermitteln, will aber zum jetzigen Zeitpunkt keine Details nennen, nur so viel sagt er der Berliner Morgenpost: “Wir sind dabei, eine Lösung zu finden.” Auch Marianne Blankenfeld spricht davon, dass es “neue Konditionen” gebe, präziser wird sie nicht.

Eine Lösung könnte auch ein Umzug sein, sofort oder zum späteren Zeitpunkt, doch ein Standort ist noch nicht spruchreif. Zu weit will das Theater aber nicht wegziehen, es sei ja im Kiez zu Hause, betont Domrös. Temporär könnte das Theater o.N. ohne festen Wohnsitz sein, gleich ob ein Umzug oder ein Schallschutzumbau ansteht. Ausweichspielstätten für begrenzte Zeit haben schon die benachbarte Schaubude und die Brotfabrik in Weißensee angeboten.

Auf den Spielplätzen ist es schon wieder etwas ruhiger

 

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