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Verschwindet hier! Oder: Wie eine Entmietung vorbereitet wird

Das Bezirksamt Pankow hat der „energetischen Sanierung“ der offenbar weitgehend intakten Fassade des Eckhauses Stargarder Straße 28/Dunckerstraße ohne fachliche Prüfung des Zustandes der Fassadenfläche genehmigt. Das bestätigte Bezirksstadtrat Vollrad Kuhn in einem Gespräch mit der Prenzlberger Stimme.
Damit räumte die Bezirksamtsabteilung des bündnisgrünen Stadtrates die größte Hürde für die künftige Entmietung der Immobile aus dem Weg.

Wie berichtet, erhielten die Mieter des Hauses im Februar dieses Jahres Modernisierungsankündigungen, deren Realisierung ihnen im Endeffekt das Doppelte bis Dreifache der bisherigen Miete beescheren wird. Eine Miethöhe, die die meisten der Bewohner nicht tragen können.

So soll neben dem Ersatz bereits vorhandener – zum Teil auch zeitgemäßer – Heizungen, dem Anbau von Balkons zum engen Hof, auf dem vor allem des Sommers die Abfallcontainer einer im Erdgeschoss befindlichen Gaststätte vor sich hin duften, und der Installation eines Aufzuges, das ganz große Geld mit der „energetischen Sanierung“ der Fassaden gemacht werden. Allein dadurch kann die Miete problemlos auf Dauer fast verdoppelt werden.
Zustimmen muss das Bezirksamt einer solchen Dämmung allerdings nur, wenn über zehn Prozent der Hauswände schadhaft sind.

Bezirksamt verzichtete auf seriöses Gutchten

Um die Genehmigung zur Fassadendämmumg zu erreichen, ließ die Wohnungsverwaltung „cityofberlin„, die sich bei der Brutalentmietung der Gleimstraße 52 einen Namen gemacht hatte, ein offensichtliches Gefälligkeits“gutachten“ erstellen, das der augenscheinlich intakten Fassade einen Schadensgrad von 58 Prozent attestiert.

Auf ein eigenes, seriöses Gegengutachten verzichtete das Bezirksamt. Ledigleich ein Energieberater wurde entsandt, der naturgemäß keine fachlich Aussage über die Festigkeit und Haltbarkeit des Fassadenputzes machen konnte.

Bezirksstadtrat Kuhn begründete die Unterlassung zum einen mit den Kosten eines Gutachtens, die das Bezirksamt nicht aufbringen könne sowie einer Vorschrift im Baugesetzbuch, die besagt, dass ein Modernisierungsantrag innerhalb eines Monats beschieden werden muss. Dass allerdings einem dem Augenschein nach unbegründeten Modernisierungsbegehren zugestimmt werden muss, ist dem Gesetzeswerk nicht zu entnehmen.

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