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Energetische Sanierung: Mehr Miete zahlen oder ausziehen

Energetische Sanierungen werden hoch gelobt, doch für Mieter können sie zur Kostenfalle werden, wie ein Fall aus Kinderhaus zeigt. Für die Häuser Sprickmannstraße 35 – 41 plant die in Berlin ansässige BGP-Hausverwaltung eine energetische Sanierung und begründet sie so: „Die Einsparung von Betriebskosten gleicht die Modernisierungsumlage zu großen Teilen wieder aus.“

Dieser Satz ist aber heiße Luft, wie eine unserer Zeitung vorliegende Berechnung belegt: Darin erläutert die BGP den Mietern, wie die geplanten Dämmplatten draußen an der Fassade, die neuen Fenster und Balkontüren in die neue Miete einfließen. Für eine 62 Quadratmeter große Wohnung wird eine Erhöhung der Grundmiete um monatlich 128 Euro angekündigt. Weiter unten in dem Brief wird der aktuelle Heizkostenabschlag für besagte Wohnung mit 57 Euro angegeben. Das bedeutet: Selbst wenn die Sanierung dazu führen würde, dass man die Heizkosten halbieren könnte (was Experten für ausgeschlossen halten), so würde der Mieter trotzdem 99,50 Euro draufzahlen.

Schlimmer noch: Bezogen auf die bisherige Grundmiete für die Wohnung an der Sprickmannstraße folgt der energetischen Sanierung eine Erhöhung der Miete um rund 36 Prozent. Während BGP in der Stellungnahme auf die Vorgaben der „Energiesparverordnung der Bundesregierung“ verweist, haben von unserer Zeitung befragte Mieterschützer eine ganz andere Erklärung: „Es geht um Verdrängung.“ Energetische Sanierungen seien in diesem Zusammenhang wegen ihrer hohen gesellschaftlichen Akzeptanz besonders beliebt. „Wer hat schon was gegen Energieeinsparungen?“

Zum Hintergrund: In den Gebäuden an der Sprickmannstraße 35 – 41 wohnen eher Mieter mit kleinem Geldbeutel. Vielen von ihnen brechen die 100 Euro Miete mehr finanziell das Genick – oder aber sie leben ohnehin von Transferleistungen. Der Steuerzahler kommt dann für die Mehrkosten auf.

 

Wohnungsamt kann nichts ausrichten

Seit geraumer Zeit umwirbt die BGP-Hausverwaltung vermehrt Studenten und bietet ihnen unter dem Slogan „Campusglück“ WG-Zimmer an der Sprickmannstraße an. Nach Auskunft von Mieterschützern ist die Strategie klar: Eine Wohnung werde in mehrere Zimmer unterteilt, jedes Zimmer separat vermietet. „Das bringt eine höhere Gesamtmiete“, so ein Insider.

Das städtische Wohnungsamt kann dagegen nichts ausrichten. „Es handelt sich um eine rein privatrechtliche Angelegenheit zwischen Vermieter und Mieter“, so die Wohnungsamtsleiterin Gabriele Regenitter.

Am Ende ihres Anschreibens stellt die BGP-Hausverwaltung ihre Mieter an der Sprickmannstraße 35-41 vor eine Alternative. Entweder sie kreuzen auf dem Antwortbogen an, dass sie die höhere Miete akzeptieren. Oder aber sie kreuzen Folgendes an: „Ich kündige hiermit vorzeitig das Mietverhältnis.“

Quelle

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