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Gesobau verlangt von Geringverdienern horrende Mieten

Die landeseigenen Wohnungsbaugesellschaften sollen preisdämpfend auf den Immobilienmarkt wirken, doch das gelingt nicht in jedem Fall.

Teure Wohnung ist nur für Sozialwohnungsberechtigte

Die Gesobau bietet in der Pankower Elsa-Brändström-Straße 9 eine 38,97 Quadratmeter große Einzimmerwohnung für eine Warmmiete von 491,66 Euro an – also für 12,62 Euro je Quadratmeter. Zum Vergleich: Im Schnitt wurden Wohnungen im vergangenen Jahr in Berlin nach Angaben des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung für 9,29 Euro je Quadratmeter angeboten.

Das Kuriose: Die teure Wohnung ist nur für Sozialwohnungsberechtigte, also für Menschen, die einen Wohnberechtigungsschein (WBS) vorweisen können. Um einen WBS in Berlin zu erhalten, darf ein Einpersonenhaushalt maximal ein anrechenbares Jahreseinkommen von 16 800 Euro brutto haben.

„Wohnung ohne Preisbindung“

Auf die Frage, wie sich die hohe Miete erklärt, antwortete die Gesobau, dass es sich um eine „Wohnung ohne Preisbindung“ handele. Die Angebotsmiete berechne sich nach dem Mietspiegel. Dieser sehe für Wohnungen dieser Art, Baujahr 1910, einen unteren Quadratmeter-Wert von 5,18 Euro, einen mittleren Wert von 7,18 Euro und einen Oberwert von 9,27 Euro vor.

„Nach Modernisierung“ entspreche das Objekt dem Oberwert des Mietspiegels. Darauf schlägt die Gesobau allerdings noch mal zehn Prozent drauf. Und kommt so auf eine Kaltmiete von 10,19 Euro je Quadratmeter. Zuzüglich der Betriebskostenvorauszahlung in Höhe von 2,43 Euro je Quadratmeter errechnet sich für die Wohnung in Pankow die Gesamtmiete von 12,62 je Quadratmeter. „Im Rahmen der Neuvermietung wird bei Mietvertragsabschluss darauf geachtet, dass neben einem vorliegenden WBS die Mietbelastung nicht mehr als 30 Prozent des Nettohaushaltseinkommens beträgt“, erklärt die Gesobau.

Weitere belegungsgebundene Wohnungen ohne Preisbindung

Das dürfte im vorliegenden Fall allerdings schwer fallen. Denn die Jahresmiete beläuft sich auf 5899 Euro. Bisher hält sich die Nachfrage in Grenzen. „Die Wohnung ist nach der Modernisierung Ende Januar 2017 zur Vermietung freigegeben worden“, so die Gesobau. Im Februar sei sie für einen Interessenten reserviert worden, „des Weiteren gab es telefonische Anfragen“. Bisher offenbar ohne Erfolg.

Die Gesobau hat noch drei weitere belegungsgebundene Wohnungen ohne Preisbindung, deren Kaltmieten sich auf mehr als 10 Euro je Quadratmeter belaufen. Zwei dieser Wohnungen seien vermietet, eine werde aktuell als Umsetzwohnung genutzt, teilte das Unternehmen mit. Die Wohnungen liegen in Pankow und Weißensee.

Ansonsten bewegt sich die Gesobau bei den Mieten auf weniger hohem Niveau. Die durchschnittliche Kaltmiete in laufenden Verträgen belaufe sich auf 5,77 Euro je Quadratmeter, die Warmmiete im Schnitt auf 8,48 Euro je Quadratmeter. Seit 1. Januar 2016 vermietet die Gesobau gemäß gesetzlicher Vorgaben 55 Prozent der freiwerdenden Wohnungen an WBS-Berechtigte.

Quelle: http://www.berliner-zeitung.de/berlin/39-quadratmeter-fuer-500-euro-gesobau-verlangt-von-geringverdienern-horrende-mieten–26271524

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