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Privatinvestor kauft Kotti-Zentrum

Mieter des Neuen Kreuzberger Zentrums besorgt über überraschenden Besitzerwechsel

 

An dieser Stelle schlägt das Herz des Kiezes: Menschen aus 30 Nationen arbeiten, wohnen und leben im Neuen Kreuzberger Zentrum (NKZ) nördlich des U-Bahnhofs Kottbusser Tor. Insgesamt 295 Wohneinheiten sowie 90 Geschäftsräume gibt es, darunter Geschäfte und Bars, die das »Kotti« für Menschen aus aller Welt so anziehend machen.

Nun ist der markante Gebäuderiegel – ein Relikt der Autowahnstadt der 70er Jahre – in einem Bieterverfahren an einen privaten Investor gegangen, wie am Freitag bekannt wurde. Der Mieterrat des Neuen Kreuzberger Zentrums, aber auch die Senatsverwaltung von Stadtentwicklungssenatorin Katrin Lompscher (LINKE), wurden von dem Besitzerwechsel kalt erwischt. »Wir haben am Donnerstagabend die Information bekommen, dass das NKZ verkauft wurde«, sagt Ryan Harty vom Mieterrat. Die Mieter und Gewerbetreibenden befürchten nun, dass das Objekt zu Spekulationszwecken erworben worden sei und dass es in diesem Zuge zu Mieterhöhungen und Vertreibungen kommen könnte, wodurch die in den vergangenen Jahren gewachsenen Strukturen zerstört werden könnten. Immerhin galt das offenbar für Investoren attraktive Objekt bis in die 90er Jahre als sogenannter sozialer Brennpunkt.

Verkäufer des Gebäuderiegels ist die »Neues Kreuzberger Zentrum KG Kottbusser Tor Beteiligungen GmbH & Co«. Eine Mitarbeiterin bestätigt den Verkauf zwar, will sich aber nicht näher dazu äußern. Die Kommanditgesellschaft (KG) war in den 70er Jahren von mehreren hundert westdeutschen Investoren gegründet worden, die es vor allem auf mögliche Steuerabschreibungen im sozialen Wohnungsbau abgesehen hatten, der zudem mit sehr viel öffentlichem Geld subventioniert wurde. Bekannt geworden war zuletzt, dass die KG auch gegenüber Rekommunalisierungsplänen aufgeschlossen gewesen sein sollte.

Einen Rückkauf des Objekts strebte zuletzt auch der rot-rot-grüne Senat an. »Die Gewobag war interessiert einzusteigen«, sagt Wohnstaatssekretär Sebastian Scheel (LINKE). Um in dem Bieterverfahren zum Zuge zu kommen, sei das kommunale Wohnungsunternehmen bei seinem Gebot laut Scheel an die Grenzen des wirtschaftlich Vertretbaren gegangen. Dass dennoch ein anderer privater Bieter das Verkaufsverfahren für sich entschied, könnte ein dafür Indiz sein, dass es sich um ein Spekulationsgeschäft handeln könnte.

Sobald der schriftliche Kaufvertrag vorliegt, will der Senat rechtliche Prüfungen einleiten. Dabei könnte es auch um ein mögliches Vorkaufsrecht des Bezirks in dem ausgewiesenen Milieuschutzgebiet gehen. Das fordern auch Bezirkspolitiker wie Pascal Meiser von der Linkspartei.

Mieterrat und Mieterinitiativen begrüßen unterdessen die politische Unterstützung. Allein darauf verlassen wollen sie sich jedoch nicht. »Wir werden beraten, schnell Informationen austauschen und eine größere Versammlung am Kottbusser Tor organisieren«, kündigt Sandy Kaltenborn von der Mieterinitiave »Kotti & Co« an. Im Herzen Kreuzbergs dürften die Mieterkämpfe bald noch stärker aufflammen.

 

Quelle: https://www.neues-deutschland.de/artikel/1046016.privatinvestor-kauft-kotti-zentrum.html?pk_campaign=SocialMedia

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