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Kreuzberger demonstrieren gegen Zwangsräumungen

Deutlich mehr Menschen als erwartet haben am Samstagnachmittag in Berlin-Kreuzberg gegen Zwangsräumungen in dem Stadtteil demonstriert. Bei dem Protestmarsch vom Heinrichplatz in den Wrangelkiez sei es bis zur Abschlusskundgebung am Nachmittag friedlich geblieben, teilte die Polizei mit. Angemeldet waren 350 Teilnehmer, die Organisatoren sprachen zwischenzeitlich von bis zu 2500 Demonstranten.

„Die hohe Resonanz zeigt, wie sehr den Menschen das Thema auf der Seele brennt“, sagte David Schuster vom „Bündnis Zwangsräumungen verhindern“. Konkret richtete sich die Demonstration gegen die drohende Räumungen dreier Läden. Die Abschlusskundgebung sollte noch bis in den Abend dauern. Viele Einwohner befürchten insbesondere durch steigende Mieten eine Verdrängung Alteingesessener

Quelle http://www.berliner-zeitung.de/berlin/protestmarsch-kreuzberger-demonstrieren-gegen-zwangsraeumungen-25809542

 

Rund 2000 Kreuzberger demonstrierten am Samstag gegen Kündigungen und Mieterhöhungen. Die bedrohen traditionsreiche Geschäfte im Kiez.

 
 

“Keine Ladenverdrängung im Kiez” – unter diesem Motto zogen am Samstag bis zu zweitausend Menschen ab 14 Uhr durch Kreuzberg. Los ging’s am Heinrichplatz, danach führte die Demonstration zu mehreren bedrohten Geschäften, vor denen sich die Protestler jeweils zu einer Kundgebung versammelten.

Im Juli soll das beliebte “Filou” schließen

Ziel war beispielsweise die Bäckerei “Filou” an der Reichenberger Straße/Ecke Glogauer Straße. Seit zwanzig Jahren wird hier gebacken, der Kiez trifft sich bei Kaffee und Croissants. Im Juli dieses Jahres aber soll das “Filou” schließen. Den Inhabern liegt die Kündigung der britischen Hauseigentümer vor. Bewohner des Reichenberger Kiezes haben unterdessen eine Initiative gegründet, um die Bäckerei zu retten. Wie berichtet, hat sogar die Bezirksverordnetenversammlung von Friedrichshain-Kreuzberg die Eigentümer in einer einstimmig gefassten Resolution aufgefordert, ihr Kündigungsschreiben zurückzuziehen.

Auch der Haushaltsladen “Bantelmann” soll raus

Eine weitere Station war am Sonnabend der kultige Haushaltswarenladen “Bantelmann Betriebe Berlin” an der Wrangelstraße 86. Dort finden Kiezbewohner so gut wie alles, um ihren Haushalt zusammenzuhalten. Doch auch hier interessieren sich die Besitzer, in diesem Falle Österreicher, offenbar wenig für die Interessen der Betreiber und der Menschen, die drum herum wohnen. Auch dieser Laden soll nach 36 Jahren raus – gekündigt bereits zu Ende März. Schon am 18. Februar hatten deshalb Anwohner vor dem Geschäft protestiert.

Doch nicht nur Kündigungen bedrohen die Kiezläden. Auch Mieterhöhungen beschleunigen den Exodus. Dies trifft beispielsweise auf die traditionsreiche Buchhandlung “Kisch&Co.” an der Oranienstraße zu. Auch vor deren Schaufenstern versammelten sich die Demonstranten und hielten ihr Schilder hoch. “Stop”, “Zorn” oder “Wir leben hier im Kiez” stand darauf geschrieben.

Quelle http://www.tagesspiegel.de/berlin/gentrifizierung-in-berlin-kreuzberger-demonstrieren-gegen-ladenverdraengung-im-kiez/19443236.html

 

Kreuzberg gegen Verdrängung

2500 Menschen nahmen an Kiezdemo für den Erhalt traditioneller Läden teil

 

Bis zu 2500 Menschen zogen am Sonnabend durch Kreuzberg, um gegen die zunehmende Verdrängung kleiner Gewerbetreibender zu protestieren. Zu der Demonstration aufgerufen hatte das Bündnis »Zwangsräumungen verhindern«, viele lokale Initiativen hatten sich angeschlossen.

Gleich zu Beginn, am Heinrichplatz, machten die Organisatoren deutlich, dass sie sich als »Protestbewegung von unten« verstehen und keineswegs vereinnahmen lassen wollen. »Also rollt gefälligst eure Parteifahnen ein«, hieß es vom Lautsprecherwagen in Richtung einiger Anhänger der Grünen und LINKEN.

Im Mittelpunkt der Demonstration standen drei Geschäfte, die man getrost als »Kiez-Institutionen« bezeichnen kann. Das Café Filou in der Reichenberger Straße gibt es seit 20 Jahren und mit seinem preiswerten Imbissangebot ein beliebter Treffpunkt für die Nachbarschaft. Der neue britische Hausbesitzer hat den Betreibern des Cafés zum 31. Juli gekündigt, da es nicht zu seinen Vorstellungen zur Entwicklung des Stadtteils passe, wie er Medien gegenüber erklärt hatte.

Schon 36 Jahre gibt es den Haushaltswarenladen Bantelmann in der Wrangelstraße, der bereits Ende März schließen soll. Auch hier haben die neuen Hausbesitzer, zwei Österreicher, bislang keinerlei Bereitschaft zu Gesprächen über einen neuen Mietvertrag zu vertretbaren Bedingungen gezeigt.

Mit einem ausgesprochen prominenten Hausbesitzer hat es der Buchladen »Kisch & Co.« in der Oranienstraße zu tun. Die von der Immobilienfirma des Multimilliardärs und »Kunstmäzens« Nicolas Berggruen verlangte Mieterhöhung ist für die Betreiber untragbar, der Laden soll nun einer weiteren Filiale eines Brillenanbieters weichen.

In ihrem Umfeld erfahren die betroffenen Läden viel Solidarität. Dabei sei die Vernetzung der verschiedenen Kiezgruppen ein wichtiger Schritt gewesen, sagte eine Sprecherin der Nachbarschaftsinitiative »Bizim Kiez« (»Unser Kiez«). »Wir wollen ein vielfältiges, solidarisches Kreuzberg und keinen Tummelplatz für Spekulanten und reiche Zuzügler«, hieß es in ihrer Ansprache. Nur durch massiven öffentlichen Druck könnten die rasanten Vertreibungsprozesse wenigstens punktuell aufgehalten werden. Dass Kreuzberg nach wie vor ein Hotspot der Gentrifizierung ist, zeigen auch geplante Großprojekte wie ein Luxushotel am Oranienplatz und der neue »Google-Campus« für Start-up-Unternehmen im alten Umspannwerk an der Ohlauer Straße.

Mut macht den Gruppen, dass nach Protesten die Räumung des Projekthauses in der Lausitzer Straße 10 vorerst verhindert werden konnte. Der Vermieter hat sich mittlerweile auf Verhandlungen eingelassen.

Beim Bündnis »Zwangsräumungen verhindern« zeigte man sich mit der Demonstration sehr zufrieden. »Wir hatten nur 300 Teilnehmern angemeldet«, sagte Sprecherin Sarah Walter nach dem Ende des Umzugs. Dass es schließlich 2500 waren, führt sie darauf zurück, dass in Kreuzberg mittlerweile viele Menschen von steigenden Mieten und Verdrängung betroffen seien. »Die Wut ist groß. Das macht uns Mut.«

Auch künftig soll an jedem Samstag um 16 Uhr eine Kundgebung vor dem Laden Bantelmann in der Wrangelstraße stattfinden, für den 21. März ist außerdem eine große Kiezversammlung geplant. Die betreffenden Hauseigentümer sollen mit Protestpostkarten und Mails »geflutet« und falls möglich auch »besucht« werden, kündigt Walter an.

Sowohl der Bezirk als auch Landespolitiker wie Sozialsenatorin Elke Breitenbach (LINKE) unterstützen die Bemühungen um den Erhalt der Kiezläden. Doch es gibt keine rechtliche Handhabe, um drastische Mietsteigerungen und die Kündigung von Gewerbemietern zu verhindern. Man freue sich über jede Solidarität, sagte David Schuster vom Bündnis dem »nd«. Aber man sei davon überzeugt, »dass nur der unmittelbare, breite Widerstand im Kiez derartige Vertreibungen bis hin zu Zwangsräumungen verhindern kann«.

Quelle https://www.neues-deutschland.de/artikel/1043019.kreuzberg-gegen-verdraengung.html

 

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