big-berlin.land

Münchens Altstadt ist nur noch was für Reiche

Der Stadtrat hat entschieden, dass der Bezirk Altstadt-Lehel keine Erhaltungssatzung braucht. Damit geben die Politiker das Viertel für Normalverdiener auf.

Der Bezirk Altstadt-Lehel braucht keine Erhaltungssatzung zum Schutze von Normalverdienern. So hat es der Stadtrat am Mittwoch beschlossen. Grund: Das Viertel sei ohnehin schon gentrifiziert.

Im Grunde ist es die Kapitulation vor der Kraft des Faktischen: Die Gentrifizierung im Bezirk Altstadt-Lehel ist so weit fortgeschritten, dass die Stadt keinen Sinn darin sieht, dort noch eine Erhaltungssatzung zum Schutze einkommensschwacher Bürger zu erlassen. So hat es der Planungsausschuss am Mittwoch beschlossen – gegen den Willen der örtlichen Lokalpolitiker des Bezirksausschusses, die eine Erhaltungssatzung beantragt hatten.

Erhaltungssatzung soll Luxus-Modernisierungen eindämmen

Das Instrument der Erhaltungssatzung kommt in München seit 1987 zum Einsatz. In diesen Vierteln bedarf es bei einer beabsichtigten Umwandlung von Miet- in Eigentumswohnungen der Zustimmung der Stadt. Zudem kann die Stadt ein Vorkaufsrecht ausüben, sobald sie den Eindruck hat, Immobilienspekulanten planten Luxus-Modernisierungen. Derzeit existieren 20 Erhaltungssatzungsgebiete, in denen etwa 250 000 Einwohner in rund 140 000 Wohnungen leben. So soll etwa das Glockenbach-/Gärtnerplatzviertel geschützt werden – gerade dort ist der Verdrängungsprozess alteingesessener Bewohner enorm hoch. Sprich: alte Gebäude werden luxussaniert, Mieten schießen in die Höhe, Normalverdiener können sich die Wohnungen nicht mehr leisten.

Im Herzen Münchens verhält sich die Lage offenbar anders. Der Unterschied, so das Planungsreferat: Die Modernisierung sei hier schon so weit fortgeschritten, dass der Anteil der schützenswerten Bevölkerung verschwindend gering sei. Statistisch gesehen leben hier 1,4 Prozent der Gesamtbevölkerung Münchens – in absoluten Zahlen 22 200 Menschen.

Wörtlich heißt es im Fazit der Stadt: „Die Bevölkerung des Bezirks gehört nicht zu den einkommensschwachen Haushalten.“ Der Bezirksausschuss (BA) will sich mit dem Votum nicht zufriedengeben. Er kenne noch genügend schützenswerte Mieter im Lehel, sagte Vize-BA-Chef Wolfgang Püschel (SPD).

Weiterlesen  https://www.tz.de/muenchen/stadt/altstadt-lehel-ort43327/muenchens-altstadt-ist-nur-noch-was-fuer-reiche-7426879.html

Schreiben Sie einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.