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Gedämmter Elan auf den Baustellen

Über Nacht werden bestimmte Dämmstoffe zu „gefährlichem Abfall“. Nun droht teures Chaos, warnen Kelheimer Entsorger.

 

Bauherren und Baufirmen haben ein massives Entsorgungsproblem: Für Dämmstoffe aus „Styropor“ gibt es derzeit in Bayern keine Möglichkeit der Entsorgung – es sei denn, das Material ist nachweislich frei vom Flammschutzmittel HBCD. Denn quasi über Nacht macht dieser Brom-haltige Inhaltsstoff bisher „normalen“ zu „gefährlichem und nachweispflichtigem Abfall“. Der auf Baustellen separat zu sammeln, von Entsorgern gesondert abzutransportieren und zu dokumentieren ist. Um hinterher genauso in Flammen aufzugehen wie jetzt schon. Und doch nimmt ihn als „gefährlichen Abfall“ derzeit keine bayerische Müllverbrennungsanlage (MVA) mehr an – vorauseilend: Offiziell tritt die im März beschlossene Neuregelung am 30. September in Kraft. Künftig wird die Entsorgung wohl viel teuer.

Getrennte Wege, gleiches Ende

Ob Abbruch, Sanierung oder Neubau: Wo Polystyrol als Dämmstoff verbaut wurde oder wird (bekannt als „Styropor“ und „Styrodur“), fällt Abfall an. In aller Regel verunreinigt, etwa mit Kleber; daher ist stoffliches Recycling keine Option. Aber die Reste konnten bisher problemlos mit dem allgemeinen Baustellenmüll entsorgt, sprich: verbrannt werden. Künftig indes bleiben Müllentsorger auf Mischcontainern, die HBCD-Material enthält, sitzen: Mit „Zurückweisung der Anlieferung“ sei zu rechnen, warnt etwa die MVA Ingolstadt.

Aber selbst sortenrein gesammelt, ist solcher Müll derzeit bei keiner einzigen MVA in Bayern anzubringen. Sie wären zwar „technisch in der Lage, HBCD-haltige Abfälle sicher zu entsorgen“, bestätigt eine Sprecherin des Landesamts für Umwelt (LfU) auf Anfrage unseres Medienhauses. Bei der Verbrennung wird das HBCD-Molekül zerstört, das Brom über die Abgasreinigung herausgefiltert – genau dies passiert ja bislang schon. Bayerns Hausmüll-MVAs fehlt lediglich die rechtliche Genehmigung für den nun „gefährlichen Abfall“. Selbst die Gesellschaft für Sondermüllbeseitigung (GSB) lehnt HBCD-Müll derzeit ab.

Weiterlesen http://www.mittelbayerische.de/region/kelheim/gemeinden/kelheim/gedaemmter-elan-auf-den-baustellen-22796-art1434360.html

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