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Fieser Gerüst-Trick: So lassen Eigentümer ganz legal die Mieten explodieren

Die Mietpreisbremse soll Mieterhöhungen auf maximal zehn Prozent der ortsüblichen Miete begrenzen. Doch findige Vermieter beginnen einfach eine Fassadensanierung. Das bringt den Mietern in vielen Fällen nichts – außer einer saftigen Mietererhöhung.

Familie S. wohnt seit 13 Jahren in einem Berliner Mietshaus. Nun wollen sie ausziehen oder anders gesagt: sie müssen. Grund ist eine angekündigte Mieterhöhung um 79 Prozent. Statt 537 Euro soll die Familie 962 Euro monatlich bezahlen. Eine Erhöhung, die sie sich nicht leisten kann. Dabei sollte die Mietpreisbremse genau sowas verhindern – eigentlich.

Doch das Gesetz hat Lücken: Wenn der Eigentümer die Wohnung energetisch saniert, etwa indem er neue Heizungen und Fenster einbaut, darf er elf Prozent der veranschlagten Kosten auf alle Mieter umlegen. Mit anderen Worten: Ihnen droht eine Mieterhöhung. Diese Umlage nutzen viele Eigentümer schamlos aus.

 An der Fassade des Mehrfamilienhauses von Familie S. steht seit Wochen ein Gerüst. Die Außenwand soll eine neue Wärmedämmung bekommen. Der Eigentümer verspricht einen höheren Wohnkomfort und niedrigere Heizkosten. Einen Teil der Ausgaben für die teure Baustelle kann er auf seine Mieter umlegen. Damit steigt automatisch auch der Mietpreis. Diese Maßnahme macht laut Berechnungen des ARD-Magazins “Plusminus” bis zu 236 Euro der Mieterhöhung aus.

Das Vorgehen des Vermieters ist legal – und geschieht sogar auf staatlichen Wunsch: Denn viele Altbauten in Deutschland weisen nicht den energetischen Standard auf, den sich die Bundesregierung wünscht. Zehn Prozent der Gebäude sollen deshalb bis spätestens 2050 energieeffizient saniert werden.

Baumaßnahmen ergeben für Mieter keinen Sinn

Die Mieter sehen in der energetischen Modernisierung des Hauses dagegen keinen Sinn. Es gebe wichtigeres: “Es ist völlig absurd. Wir haben seit Jahren ein undichtes Dach durch das es durchregnet”, berichtete eine betroffene Mieterin in der ARD-Sendung. Tatsächlich belegt ein Gutachten, dass die Wärmedämmung an der Außenfassade in diesem Fall kein Energieersparnis bringt.

Konrad Fischer, Sachverständiger und Dämmkritiker, setzt sich seit Jahren mit der Frage auseinander, ob die Wärmedämmung tatsächlich die Heizkosten senkt. “Es gibt keine Energieersparnis durch Außendämmung”, sagt der Experte in “Plusminus”. Das Ersparnis sei zwar theoretisch feststellbar, aber in der Regel nicht wirtschaftlich genug. Im Beispiel von Familie S. werde es umgerechnet 50 Jahre dauern, ehe die Wärmedämmung eine Ersparnis bringt.

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