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Das verrückteste Flüchtlingsheim der Welt

In der Propeller Island City Lodge können Gäste bisher in ungewöhnlichem Ambiente nächtigen. Jetzt sollen Flüchtlinge einziehen.

 

Ein Kunstobjekt in Wilmersdorf, das vor Jahren auch in internationalen Medien gern als „verrücktestes Hotel Deutschlands“ bezeichnete wurde, steht vor dem Umbruch. Voraussichtlich bis Ende Oktober können Logiergäste noch in einem Sarg schlummern oder ihr Haupt in einem „fliegenden Bett“ aufs Kopfkissen legen. Dann will der Eigentümer und Betreiber der künstlerisch ausgestalteten Herberge auf den Etagen eines Altbaus in der Albrecht-Achilles-Straße Flüchtlinge einziehen lassen. „Welcome refugees, space available soon“, inseriert sein signalrotes Plakat im Fenster eines leerstehenden Ladengeschäfts neben dem Hoteleingang. Und damit auch die Nachbarn der „Propeller Island City Lodge“ verstehen, worum es geht, wird ergänzt: „Jetzt ist es so weit! Hier entsteht ein Heim für Flüchtlinge.“

Das Hotel mit 27 Zimmern auf drei Etagen soll also künftig nicht mehr kunstsinnige Touristen mit Hang zu schrägen Nachtlagern beherbergen, sondern Platz bieten für „multikulturelle-kinderfreundliche Wohngemeinschaften“ – so wird annonciert – „für etwa 30 Familien auf ca. 1500 Quadratmetern“.

Das Zimmer “Gruft” bietet einen Sarg

Wer in diesen Tagen zum Beispiel noch die „Gruft“, das Zimmer mit Sarg, buchen will, kann weiterhin eine Anfrage starten. Nur online oder per Fax. Die Homepage propeller-island.de ist voll funktionstüchtig. Wer jedoch vor der verschlossenen Hoteltür steht – Zugangscode nur für Gäste –, keine Reaktion auf Klingelzeichen erfährt und dann durch die Scheiben des eher düsteren Erdgeschosses in die zum Hotel gehörende „Gallery“ blickt, sieht nicht viel.

Fragen wir mal ein paar Schritte weiter, Paulsborner 10, ein Kiosk. „Ist das Propeller Island um die Ecke eigentlich noch in Betrieb?“ Die Frau hinterm Tresen schaut etwas misstrauisch. „Wie meinen Sie? Wollen Sie dort übernachten?“ – „Nein, äh, jemanden treffen.“

Nun kommt die Frau hinterm Tresen vor, tritt auf den Bürgersteig und verschränkt die Arme. „In Betrieb? Ja und nein. Ich weiß nicht genau. Herr Stroschen erzählt ja nicht alles. Aber er will wohl Asylanten in seinen Wohnungen unterbringen, damit er auf sein Geld kommt. Und um uns zu ärgern.“ Einiges deutet darauf hin, dass die Zeitungshändlerin selbst nicht in Deutschland geboren ist. „Er wohnt ja hier“, sie zeigt auf ein Klingeltableau am Haus, „drücken Sie, dann erfahren Sie vielleicht, ob das Hotel noch geöffnet ist.“

Das Eingangsschild verspricht ein Gesamtkunstwerk

 

Weiterlesen  http://www.tagesspiegel.de/berlin/berliner-hotelier-sattelt-um-das-verrueckteste-fluechtlingsheim-der-welt/13973758.html

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