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Miese Betrugsmasche? Rentner muss nach 37 Jahren unfreiwillig Wohnung räumen

Seit fast vier Jahrzehnten lebte Karl Nagel in seiner 95 Quadratmeter großen 3-Zimmer-Wohnung im Berliner Stadtteil Neukölln. Die Miete in Höhe von 559,48 Euro wurde zuletzt monatlich vom Sozialamt überwiesen, da die Rente des 81-Jährigen dafür nicht ausreichte.

Trotzdem steht der ehemalige LKW-Fahrer jetzt auf der Straße. Wie die “Bild” berichtet, tauschte der Hausmeister kurzerhand das Schloss aus, während Nagel vergangenen Samstag unterwegs war – ohne den Mieter zuvor zu informieren.

Der Grund: Angeblich soll der alte Mann seinen Mietvertrag selbst gekündigt haben. Trotz einer beginnenden Demenz ist sich Nagel sicher, dass das nicht stimmt. „Warum sollte ich das tun?“

Er unterschrieb seine Wohnungskündigung, ohne es zu ahnen

Sofort schrieb der Rentner auf Anraten der Polizei einen Widerruf. Dieser konnte jedoch nichts ausrichten: Bereits am Mittwoch begann ein Entrümpelungs-Unternehmen, Nagels Wohnung zu räumen – im Auftrag der Hausverwaltung.

Wie konnte es so weit kommen? Die Erklärung könnte ein merkwürdiger Vorfall liefern, an den der alte Mann sich erinnert: „Vor ein paar Wochen standen zwei Frauen vor meiner Haustür. Sie hätten gehört, ich wolle meine Wohnung kündigen. Ich verneinte. Sie redeten sehr lange auf mich ein. Dann sagten sie, ich solle zwei Blanko-Zettel unterschreiben, sie würden bescheinigen, dass ich nicht kündigen wolle“, sagte der gehbehinderte Mann der Zeitung.

Schließlich unterschrieb er, um endlich seine Ruhe zu haben – ein großer Fehler! Denn die Hausverwaltung behauptet nun, Herr Nagel habe am 26. Juli persönlich seine handschriftliche und persönlich unterzeichnete Kündigung abgegeben.

Merkwürdig daran ist, dass der Rentner angeblich bis Monatsende nicht nur auf eigenen Wunsch die Wohnung aufgeben, sondern auch auf die eingezahlte Miet-Kaution verzichten wollte.

Die Masche der Betrüger ist der Polizei bereits bekannt

Die Polizei glaubt nicht an die Rechtmäßigkeit der Kündigung: „Es wird wegen des Verdachts des Betruges ermittelt“, bestätigt Polizei-Pressesprecher Carsten Müller.

Da es keinen Räumungsbeschluss gab, stoppten Polizisten die Entrümplungsarbeiten am Mittwoch. Der 81-Jährige durfte seine eigene Wohnung trotzdem nicht mehr betreten. „Das wäre Hausfriedensbruch“, so ein Polizist.

Vorerst kommt der nun Obdachlose bei einer Bekannten unter. Wo er künftig leben wird, ist noch nicht bekannt.

Sozialstadtrat Bernd Szczepanski (59, Bündnis 90/Grünen) zu dem Fall: „In den letzten drei Jahren häufen sich solche Probleme, weil Häuser und Wohnungen von Immobilienfonds gekauft werden. Die Preise stiegen inzwischen auf 2500 Euro pro Quadratmeter“, sagt er.

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