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Verschwindet bald eine weitere Kiez Oase?

Kennen Sie das Gelände in der Trettachzeile 15, auf dem noch die alten Gebäude der Berliner Wasserbetriebe stehen? Wenn man hier zwischen den alten denkmalgeschützten Gebäuden über das Kopfsteinpflaster läuft, kommt man sich fast vor wie auf einem alten Dorfanger. Wir haben die Anwohner besucht und uns erzählen lassen.

Hier atmet man spürbar Geschichte und Geschichten ein und merkt, dass man an einem dieser wertvollen Orte ist, die noch eine starke natürlich Ausstrahlung der Ruhe haben. Eine der seltenen Selbsthilfewerkstätten für Motorräder ist hier untergebracht sowie eine Autowerkstatt. Der kleine urwüchsige Wald hinter dem Gelände mit seinem alten Flakbunker und dem Brunnen der Wasserwerke schirmt den Lärm der nahen Autobahn ab.

Da kann man sich gut vorstellen, wie es wohl wäre, wenn man dieses Gelände zukünftig für eine Mischung aus Handwerk, Kunst, Kultur und Wohnen nutzen würde. Kleine Konzerte könnten hier stattfinden, urige Flohmärkte und vieles mehr. Eine Oase der Ruhe. Das würde eine kulturelle Atmosphäre nach Berlin Tegel bringen, wie man sie sonst nur aus dem Prenzlauer Berg oder Mitte kennt. Reinickendorf hat in dieser Richtung bisher nicht so viel zu bieten. Ein echter Gewinn für alle.

So ungefähr sehen es auch Pläne vor, die die TWP Projektentwicklungsgesellschaft mbH als einer der potenziellen Käufer des Geländes gemeinsam mit einem Architekten entwickelt hat. Da ist eine Mischung aus Kultur und sozialem Wohnungsbau vorgesehen, der Wald soll als Erholungsgebiet mit Wegen erschlossen und um einen Teich ergänzt werden.

Ganz anderes scheint ein weiterer potenzieller Investor, die PI-Immobilien vorzusehen, bei dem laut Bericht der Anwohner der Wald gerodet werden soll (natürlich gibt es irgendwo Ersatzpflanzungen), dreigeschossige Eigentumswohnungen mit 100 Wohneinheiten á 80qm entstehen sollen und das Gelände mit einer Tiefgarage unterbaut werden soll. Laut Bericht der Anwohner sollen als “Goody für den Investor” auch die angrenzenden Gärten weichen, eine Umsetzung, wie man sie überall in gleichem uniformen Maße bereits kennt. Zwei der fünf denkmalgeschützten Gebäude sollen komplett abgerissen werden. Kiez und Atmosphäre sieht wahrscheinlich anders aus.

Dass die Gebäude saniert werden müssen, dass das Gelände ein tragfähiges Konzept für die Zukunft benötigt, sehen auch die Mitglieder der “Bürgerinitiative Altes Wasserwerk Tegel” und ihr Vorsitzender Heinz Jürgen Korte und unterstützen die Pläne der TPW zu einer denkmalgerechten Sanierung. “Es geht gar nicht darum, dass sich nichts ändern soll, sondern dass ein grüner Bereich erhalten bleiben soll, der auch kulturell interessant ist”, sagt Heinz Jürgen Korte.

Was die Bürgerinitiative jedoch nicht versteht, ist, dass sie den Eindruck bekommt, dass die Politiker sich gar nicht für ihre Interessen, Sorgen und Anliegen interessiert, sondern schon entschieden hat, dass derjenige Investor zum Zuge kommt, der das meiste Geld locker macht. Die alternativen Vorschläge wurden nicht einmal angesehen. Sowohl Bezirksstadtrat Martin Lambert (CDU) als auch Bezirksbürgermeister Frank Balzer (CDU) haben den Anwohnern deutlich gemacht, dass die angedachte Bebauung durch PI-Immobilien befürwortet wird. Frank Balzer soll sich noch eindeutiger geäußert haben.

Bei der Veranstaltung “Rock meets Politics” der CDU im Kastanienwäldchen in Reinickendorf Ost hatte die Bürgerinitiative angefragt, wie es sich denn mit der Vergabe des Grundstücks Trettachzeile 15 verhalten würde. Nach etwas hin und her und einem bewußt übertriebenem und mit Augenzwinkern vorgebrachten Vorschlag der Bürgerinitiative, man könne ja auch das Brandenburger Tor abreißen, um Platz für Eigentumswohnungen zu schaffen, soll laut Bürgerinitiative Frank Balzer angeblich die Angelegenheit mit einem Vergleich mit einem “Sack Reis in China, der keinen interessiert” verglichen haben, den die fragenden dann doch beleidigend empfanden.

Es bleibt zu hoffen, dass im weiteren Planungsverfahren, beim Verkauf und der Umgestaltung des Grundstücks die an anderer Stelle so oft beschworene Bürgerbeteiligung und transparente Abwägung der Umstände erhalten bleibt und eine für Tegel und Reinickendorf nachvollziehbar nachhaltige Lösung gefunden wird, die nicht den Eindruck erweckt, hinter dem Rücken der Bürger durchgedrückt worden zu sein, nicht nur auf bestmöglichen Gewinn schielt und eventuell die Chance wahrnimmt, eine wertvolle kulturelle Oase zu erschaffen.

Frank Marten von der CDU (CDU Fraktion BVV Reinickendorf) hat uns auf Anfrage erläutert, dass nichts entschieden wäre und zum jetzigen Zeitpunkt auch gar nicht nicht entschieden sein könne und dass in einem entsprechend anzuwendenden Planungsverfahren sowohl die Bürger als auch die maßgeblichen Ämter und Verbände beteiligt würden. Von den anderen angefragten Parteien hat uns keine Stellungnahme erreicht.

 

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https://tegel.kiezekatze.berlin/2016/07/29/verschwindet-kiez-oase/

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