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Wie sieht die Zukunft “Altes Wasserwerk Tegel” aus?

Die Zukunft des Geländes “Altes Wasserwerk Tegel” scheint unklar. Was wird mit den denkmalgeschützten Gebäuden passieren? Verfällt die Anlage allmählich? Werden neue Eigentumswohnungen die Zukunft sein?

 

Wie es bisher war

Die Trettachzeile 15 liegt ein gutes Stück von der Straße zurückgesetzt und ist nur über einen Weg zwischen den beiden Nachbargrundstücken zu erreichen. Hier erstreckt sich das Gelände des alten Wasserwerks Tegel mit seinen alten Backsteingebäuden und einem naturbelassenen Waldstück, in dem sich, laut Aussage der Mieter, nicht nur Fuchs und Igel „gute Nacht“ sagen. Auch vielfältige Vogelarten und unzählige andere Tiere seien dort beheimatet und tragen zu einem sehr idyllisch Gesamteindruck bei. Auch für die Bewohner der näheren Umgebung ist dieses Fleckchen eine grüne „Lunge“ und ein natürlicher Schallschutz gegen die S-Bahn und die Autobahn, die sich nicht weit entfernt davon befindet.

Laut den Bewohnern der zumeist über hundert Jahre alten Backsteinbauten, in denen auch mehrere Werkstätten betrieben werden, sollen die Gebäude und die gesamte Anlage unter Denkmalschutz stehen, Recherchen dazu haben dies bestätigt.

Die Besitzlage

Nachdem das Wasserwerk seinen Betrieb eingestellt hatte, hat die Landgemeinde Reinickendorf das Gelände übernommen und vor einigen Jahren an die GSW veräußert, die später durch die Deutsche Wohnen AG übernommen wurde. Seit dieser Übernahme, so beschweren sich die Mieter, würde an den Häusern gar nichts mehr gemacht, so dass die Denkmäler allmählich zu verfallen drohten, wodurch auch die Wohnqualität zunehmend darunter leiden würde.

Weitere Entwicklungen

Jetzt haben sich die Bewohner, die inzwischen eine Bürgerinitiative gegründet haben, an uns gewendet und uns über die Situation und die neuesten Entwicklungen zu informiert. Anscheinend soll das Gelände von der Deutschen Wohnen veräußert werden/worden sein. Der Käufer soll PI-Immobilien sein, die sich auf ihrer Homepage damit brüsten, hochwertige Eigentumswohnungen zu entwickeln und zu realisieren, die anscheinend auch schon Baupläne bei der Urbanistica PLK in Auftrag gegeben hat.

Die Mieter fürchten also nicht nur um ihren Wohnraum und ihre Werkstätten, sondern auch um ein einzigartiges Kulturdenkmal und ein ganz besonderes Fleckchen Natur, das unwiederbringlich zerstört werden könnte, um luxuriösen Eigentumswohnungen zu weichen.

Bisher ist es ihnen gelungen, einen anderen potenziellen Investor ins Boot zu holen, die TWP Projektentwicklungsgesellschaft mbH. Geschäftsführer Alexander Wiedemann ist bereits mit den Eigentümern der vorgelagerten Gewerbegrundstücke in Verhandlung gegangen und wäre bereit, in Zusammenarbeit der TRIODOS-Bank und anderen gemeinnützigen Organisationen die Grundstücke 13, 15 und 17 zu erwerben und im Vorderen Teil, also auf den Grundstücken 13 und 17 ein soziales Wohnprojekt und eine Kita zu errichten. Der denkmalgeschützte bereich würde denkmalgerecht saniert werden und das Waldgebiet soll mit Wegen erschlossen werden als Erholungsgebiet für die Bewohner der neu geschaffenen Wohnungen.

Der Ortstermin

Am 30. Juni war ein Ortstermin mit Bezirksstadtrat Martin Lambert angesetzt, zu dem nicht nur einige der Mieter erschienen, sondern auch Nachbarn, die einer mindestens dreigeschossigen Bebauung und der Aussicht auf die Rodung des Waldbestandes eher besorgt entgegensehen, Vertreter der lokalen Presse, mehreren Vertretern der reinickendorfer BVV unterschiedlicher Parteien, Herr Wiedemann nebst seinem Architekten und wir Piraten hatten es uns auch nicht nehmen lassen, mit zwei Vertretern an diesem Termin teilzunehmen. Herr Lambert schien an einer tatsächlichen Ortsbegehung wenig Interesse zu haben und so standen wir eine gute halbe Stunde im Kreis herum und hörten dem Bezirksstadtrat zu, wie er nachdrücklich angab, keine Kenntnis von bevorstehenden Baumaßnahmen zu haben und dass, sollten irgendwann Bebauungspläne für dieses, als Baupotential ausgewiesenes, Gelände vorliegen, hätte angeblich die BVV letzten Endes die Entscheidung, ob die denkmalgeschützten Gebäude stehen bleiben sollten – oder nicht. Und ganz im allgemeinen würde ohnehin auch die Vorgabe bestehen, dass ein gewisser Anteil von neugebauten Wohnungen immer zu einem niedrigen Mietzins zur Verfügung stehen solle. Im Anschluss beantwortete er noch einige Fragen der Anwesenden, hörte sich kurz den Vorschlag von Herrn Wiedemann an und verabschiedete sich dann, ohne die Pläne des anwesenden Architekten eingesehen zu haben, er müsse noch auf einen anderen Termin. Die übrigen Anwesenden hatten dann die Gelegenheit, die Pläne für das soziale Wohnprojekt einzusehen und Herrn Wiedemann und den Architekten dazu zu befragen. Darüber hinaus gab es noch eine Führung über das gesamte Gelände und uns wurde auch berichtet, dass sich auch schon der NABU in dem Waldstück umgesehen hätte und dort auf einige seltene, teilweise bedrohte Tier- und Pflanzenarten gestoßen sei und dass zu prüfen wäre, ob hier nicht, in Anbetracht der Fläche, ein Gesetz zum Schutz von Bestandswald greifen würde. Außerdem werden nach eigenen Angaben die Mieter zunehmend unter Druck gesetzt, zum einen durch unangemeldete Vermessungsarbeiten, zum anderen wurde ihnen schon Geld im fünfstelligen Bereich angeboten, wenn sie ausziehen würden, andernfalls würden umfangreiche Sanierungsarbeiten angesetzt werden und man würde ihnen den Umzug zahlen, doch im Anschluss, da sind sich die Bewohner ganz sicher, würden sie sich die neuen Mieten nicht mehr leisten können.

Wir Piraten vertreten die Meinung, dass unbedingt die Möglichkeit des sozialen Wohnprojektes den Vorrang haben sollte, bei dem auch die Bewohner der Trettachzeile 15 ihre Wohnungen behalten könnten und eine Sanierung bekommen würden, die die Wohnqualität deutlich verbessern würde, ohne sie zu vertreiben. Die weiteren Entwicklungen behalten wir im Auge.

 

Quelle:  http://piratenpartei-reinickendorf.de/?p=2731

Kommentar (1)

  1. Leonore Fuger

    Danke für die Weiterverbreitung! Ich hoffe, es folgen noch viele eurem Beispiel! Sobald wir neue Erkenntnisse haben, informieren wir weiter auf unserer Webseite.

    Die Piraten Reinickendorf

    Antworten

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