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Vom Umgang mit Heuschrecken in Berlin und in Wien

Der Tagesspiegel über sozialen – oder besser: kommunal organisierten Wohnungsbau in Wien:

Auch jenseits der geförderten Wohnungen ist der Mieterschutz so streng, dass Investoren eher abgeschreckt werden. „Bisher haben wir es geschafft, große Heuschrecken fernzuhalten“, so Wohnbaustadtrat Michael Ludwig, die treibende Kraft des sozialen Wiener Wohnungsbaus. Bisher: Es gibt Initiativen in der EU, den geförderten Wohnungsbau drastisch zu reduzieren, nämlich auf die unterste Einkommensschicht. Alles andere sei Wettbewerbsverzerrung.

Eine Metropole, die ganz offen sagt, dass große private Wohnungsbauinvestoren nicht erwünscht sind. Auf diese Idee kommt in Berlin niemand. Im Gegenteil: Man rollt ihnen den roten Teppich aus. Nichts Neues, da es der Berliner Politik nicht um irgendwas Soziales geht, sondern darum, möglichst attraktive Verwertungsmöglichkeiten fürs Kapital zu schaffen. Warum man hier nicht viel öfter von massiver Politikerkorruption liest, wundert ein wenig.

Der Artikel aus dem Tagesspiegel ist lesenswert, weil er grundlegend darstellt, wie eine Kommune auch im Kapitalismus einen einigermaßen vernünftigen Wohnungsbau organisieren kann. Man muss es nur wollen.

Nochmals der Tagesspiegel:

Als Großgrundbesitzerin verfügt Wien über derzeit 2,3 Millionen Quadratmeter Boden. Die Stadt kauft kontinuierlich potenzielles Bauland auf, um es später unter bestimmten Vorgaben an – meist gemeinnützige – Bauträger zu veräußern; mit den Einnahmen wird neue Fläche eingekauft.

Statt die Stadt sich selbst und profit-orientierten internationalen Investoren zu überlassen, gestaltet man sie lieber selber, mit Hilfe von Bauträger-Wettbewerben.

Und in der Tat: Ist man in Wien unterwegs, stolpert man ständig über schicke Neubauten und ganze Viertel, die einem Berliner aufgrund der Ästhetik umstandslos als Luxusbauten erscheinen. In Wirklichkeit sind das Sozialwohnungen, in der Regel für eine Kaltmiete von sechs Euro und weniger. (In Wien wird auch das teilweise kritisch diskutiert, vor allem wegen dem Hauptaugenmerk auf Wohnen und zuwenig Mischung mit Gewerbe.)

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