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Russen und Araber sind jetzt heiß auf deutsche Wohnungen

London war für Investoren aus der Golfregion, China und Russland eine Goldgrube, der Immobilienboom trieb die Preise immer höher. Nach dem Brexit nehmen sie jetzt deutsche Städte ins Visier.

 

Die “Ghost Houses” sind in London ein schon lange bekanntes Phänomen. Die Bürger der Stadt kennen den Anblick: Frisch renovierte Apartments oder sogar neu gebaute Wohnhochhäuser gleich neben der Themse stehen leer. Abends brennt in vielen Etagen kein Licht, nur wenige Bewohner scheinen in den “Geisterhäusern” zu leben. Und das mitten in einer Stadt mit überbordender Wohnungsnachfrage, wo Mieter und Käufer selbst weit außerhalb kaum etwas finden.

Für den seltsamen Leerstand gibt es eine Erklärung. Vor allem Investoren aus dem Ausland kamen in den vergangenen Jahren in die britische Hauptstadt, um ihr Geld dort zu parken. Für sie zählte das sichere wirtschaftliche Umfeld und die Aussicht auf weitere steigende Immobilienpreise.

Staatsfonds und private Großanleger etwa aus China, den arabischen Staaten oder aus Russland stehen in ihren eigenen Ländern vor unkalkulierbaren Risiken, haben anderswo nur beschränkten Marktzugang und landen deshalb immer wieder in London. Sie kaufen Wohnungen und warten einfach ab. Bei Preiszuwächsen von fünf bis zehn Prozent pro Jahr kann man auf einige wenige Prozentpunkte zusätzlicher Rendite durch laufende Mieteinnahmen locker verzichten.

So war es bisher. Bald geht die Rechnung unter Umständen nicht mehr auf. Schon in den Monaten vor dem britischen Referendum über einen EU-Austritt hielten sich die Investoren zurück, wie Marktbeobachter feststellten. Denn außerhalb der EU ist unklar, wie sich die Kapitalströme nach London entwickeln und ob die Nachfrage so hoch bleibt wie bisher.

Deutschlands als neues Ziel der Investoren

Nachdem eine knappe Mehrheit der Briten nun für den Brexit votiert hat, wird erwartet, dass sich die Investoren nach neuen Zielen umsehen. Und in Europa fällt der Blick dabei als Erstes auf Deutschland. “Internationale Investoren könnten sich nun verstärkt auch in den deutschen Standorten nach neuen Möglichkeiten umsehen”, sagt Andreas Mattner, Präsident des Zentralen Immobilien Ausschusses (ZIA). “Die stabilen Fundamentaldaten der Bundesrepublik haben bereits in den vergangenen Jahren zu einem wachsenden Interesse geführt.”

Von oben betrachtet, ist Deutschland für Immobilienkäufer jetzt der sicherste Geldhort in Europa. Als am vergangenen Freitag die Entscheidung über einen britischen EU-Austritt feststand, konnten deshalb Makler, Projektentwickler und Analysten ihre Freude über gute Geschäftsaussichten nur schwer verbergen.

“Die Deutsche Invest Immobilien bedauert die Entscheidung Großbritanniens sehr”, hieß es etwa bei dem auf hochwertige Wohnimmobilien in Hamburg sowie in den Regionen Rhein-Main und Rhein-Neckar spezialisierten Entwickler und Verwalter. Der Deutsche-Invest-Chef Frank Wojtalewicz fügte allerdings hinzu: “Wir rechnen insbesondere mit einer noch höheren Nachfrage institutioneller Investoren und vermögender Privatinvestoren nach Wohnimmobilien mit hohem Wertsteigerungspotenzial in B-Städten und ausgewählten Mikro-Lagen großer Metropolen in Deutschland.”

Der EU-Austritt Großbritanniens mag viele Verlierer haben. Die Immobilienbrache in Deutschland gehört bestimmt nicht dazu. Während Spezialisten für Büroräume gleich am Freitagmorgen die ersten Nachfragen und sogar Geschäftsabschlüsse mit Interessenten aus London verbuchten, erwartet man nun auch Folgen für den Wohnungsmarkt.

In London war der Immobilienmarkt überhitzt

 

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