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Neue Mietwohnungen sind zu teuer

Es sollte der Politik zu denken geben, die aus lauter Ohnmacht auf Investoren angewiesen ist: Der Bund hat die Verantwortung für den sozialen Wohnungsbau abgegeben, Länder und Städte haben ihre Baugesellschaften verscherbelt, genauso große Arbeitgeber wie Bahn oder Post.

 

95 Prozent der privat gebauten Mietwohnungen können sich Normalverdiener nicht leisten. Die Zahlen belegen das Versagen der Politik.

Endlich, so könnte man meinen, kommt der Wohnungsbau in Gang: Die Zahl der Baugenehmigungen steigt so schnell wie seit Jahren nicht, die Auftragsbücher der Handwerker sind voll. Entstehen in den Städten jetzt die Wohnungen, die so dringend gebraucht werden: etwa für Familien, Berufsanfänger oder Flüchtlinge?

Neue Zahlen zeigen das Gegenteil: Was in den vergangenen zwölf Monaten gebaut wurde, kann sich die breite Masse nicht leisten. Nur 4,7 Prozent der Mietwohnungen, die private Bauherren in den 20 größten Städten errichtet haben, fallen in das bezahlbare Segment. Das hat das NDR-Magazin Panorama aus den Marktdaten des Instituts Empirica errechnet. Als “bezahlbar” gilt eine Wohnung, wenn ein durchschnittlicher Haushalt höchstens 30 Prozent seines Einkommens für die Kaltmiete zahlen muss. In München, wo die Einkommen hoch sind, trifft das immerhin auf 8,2 Prozent der privaten Neubauten zu. In Berlin dagegen nur auf 2,5 Prozent.

Alle blicken sie nun auf ein Marktversagen, das sie selbst verursacht haben

Das sind nicht nur traurige Zahlen für Wohnungssuchende. Es sollte auch der Politik zu denken geben, die aus lauter Ohnmacht auf Investoren angewiesen ist: Der Bund hat die Verantwortung für den sozialen Wohnungsbau abgegeben, Länder und Städte haben ihre Baugesellschaften verscherbelt, genauso große Arbeitgeber wie Bahn oder Post. Alle blicken sie nun auf ein Marktversagen, das sie selbst verursacht haben.

Dabei ist entscheidend, warum private Investoren so teuer bauen. Es stimmt zwar, dass Bauträger wie Vermieter Gewinn erwirtschaften wollen. Doch das Problem beginnt schon beim Bauland: Die wenigen Flächen sind derart teuer, dass darauf kaum günstige Wohnungen entstehen können. Hinzu kommen, je nach Land, zu viele verschiedene Auflagen, etwa zur Zahl der Parkplätze. So entstehen statt Mietshäusern energetisch perfekte Eigentumswohnungen mit Tiefgarage, wie es der Gesetzgeber vorgibt.

Zwar gibt es die Theorie, dass jede neue Wohnung – egal wie teuer – hilft: Familien ziehen etwa vom billigen Apartment in einen größeren Neubau, dadurch wird die günstige Wohnung frei. Doch erstens ist es beim Mieterwechsel üblich, die Miete zu erhöhen oder die Wohnung zu sanieren. Zweitens zieht jeder teure Neubau den örtlichen Mietspiegel nach oben. So steigen die Mieten in den Großstädten seit Jahren deutlich schneller als die Einkommen.

Quelle : http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/kommentar-wie-waers-mal-mit-bezahlbar-1.3047858

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