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Wohnungsnot in Berlin erreicht die Mittelschicht

Der Leerstand in der Hauptstadt geht gegen null. Es entstehen zu viele Eigentumsobjekte und zu wenig Wohnungen für Durchschnittsverdiener, warnt Berlins größter Immobilienverband.

 

Um die Wohnungsnot in Berlin zu dämpfen, wird in der Hauptstadt „weder genug noch günstig genug gebaut“. Das sagte Maren Kern, Chefin des wichtigsten Wohnungsverbandes der Stadt BBU, bei der Vorstellung ihres Jahresberichts. Knapp 11.000 Wohnungen seien im vergangenen Jahr errichtet worden, 20.000 wären nötig gewesen, um die Neuberliner in der wachsenden Stadt mit Wohnungen zu versorgen.

Besorgniserregend ist die dahindümpelnde Bautätigkeit außerdem deshalb, weil immer mehr Eigentumsobjekte entstehen, obwohl die Menschen vor allem günstige Mietwohnungen suchen. Dem BBU zufolge müsste es genau umgekehrt sein: Ein Drittel der neu errichteten Wohnungen müssten Sozialbauten sein, ein weiteres Drittel für 8,50 bis 10 Euro je Quadratmeter Nettokalt angeboten werden – und nur ein Drittel als Eigentum an den Markt kommen.

Neubau ist deshalb so dringend erforderlich, weil in Berlin seit 20 Jahren nicht mehr so wenige Wohnungen leer standen wie heute: 1,7 Prozent. Von echtem „Leerstand“ sprechen Experten bei diesem geringen Anteil nicht, es sind Wohnungen, die Eigentümer bei Mieterwechsel sanieren, verkaufen oder zusammen- legen – es gibt fast keine verfügbaren überschüssigen Wohnungen mehr. Sogar am Stadtrand geht der Leerstand zurück.

125.000 Wohnungen fehlen

Betroffen von der Wohnungsnot sind vor allem Haushalte mit geringen Einkünften, 125.000 Wohnungen fehlen nach einer jüngst vorgestellten Studie. Nicht geförderte Neubauten könnten diese Not nicht lindern, weil die Kosten dafür um 12 Prozent im vergangenen Jahr auf 2934 Euro pro Quadratmeter stiegen und sich seit den 90er Jahren verdoppelt haben. Um die Baukosten zu finanzieren, müssten die Wohnungen für 12 Euro plus Nebenkosten von rund 2,37 Euro pro Quadratmeter vermietet werden, das entspricht rund 1000 Euro für eine 70-Quadratmeter-Wohnung. Das ist zu viel für den Berliner Durchschnittshaushalt, der laut statistischem Landesamt etwa 2300 Euro zur Verfügung hat.

„Fehlendes Bauland, unflexible und immer höhere Baustandards, stark gestiegene Grunderwerbsteuern sowie lange Bauplanungsverfahren sind maßgeblich verantwortlich dafür, dass es immer weniger Neubauwohnung pro Euro gibt“, sagt BBU-Chefin Kern. Sie fordert deshalb, „den Mietwohnungsbau zu bevorzugen“: Grund- und Grunderwerbsteuer absenken, Energie- und Baustandards ebenfalls, Baugenehmigungen schneller und bevorzugt erteilen zum Beispiel. So könnten Wohnungen für die Mittelschicht entstehen, die kein Anrecht auf Sozialwohnungen haben und sich Neubauwohnungen nicht leisten können.

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