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Die irre Jagd auf jeden Quadratmeter Hauptstadt

 

Was viele in den 90er-Jahren vergeblich hofften, passiert nun. Berlin wandelt sich zur Metropole. So schnell, dass es die Menschen überrollt. Die Zahl für den Anstieg der Mieten ist atemberaubend.

 

Es gibt verschiedene Wege, mit den vielen Baustellen in Berlin zurechtzukommen. Man kann versuchen, irgendwie um sie herumzufahren. Das ist die gewöhnliche Variante. Der überzeugte Berliner dagegen nimmt eine Rikscha, fährt an den Rand der Baugrube und erklärt sie zur gesellschaftlichen Krise. So wie die Performancekünstler und Schauspieler des Ensembles “MS Schrittmacher”.

Am letzten Maiwochenende radeln die Akteure wie schon im Vorjahr Touristen und Spezialinteressierte durch Berlins Mitte und zeigen “Krisenorte”. Dazu zählen sie beispielsweise die Stadtschloss-Baustelle. Oder die Sanierung der Staatsoper Unter den Linden. “Die Krise lebt” lautet das Motto. Immerhin kann man Geld damit verdienen. Für die Rundfahrt werden 30 Euro verlangt.

Wie schon vor hundert Jahren fremdeln viele Berliner mit einer rasanten Stadtentwicklung. Das Ausmaß, in dem in ihrem Riesendorf gebaggert, saniert und investiert wird, ist kaum noch zu überblicken. Städte wie Hamburg oder Frankfurt am Main sind stolz, wenn sie es schaffen, einzelne Stadtteile oder Hochhäuser zu entwickeln.

In Berlin dagegen entstehen innerhalb weniger Jahre eine neue U-Bahn-Linie, neue Straßenbahnstrecken, ein Schloss, eine Oper, eine Autobahn, ein gutes Dutzend Wohngebiete, ein neuer Stadtteil am Hauptbahnhof mit 40 Hektar Fläche, fast 20 Wohnhochhäuser und – aller Wahrscheinlichkeit nach – ein Flughafen.

Wohnungsnot trotz Bauboom

Gleichzeitig wühlen sich die Wasserwerke durch den Untergrund und sanieren teilweise hundert Jahre alte Rohrsysteme. “Wir werden 2016 mehr Baustellen haben als 2015”, warnte Stadtentwicklungssenator Andreas Geisel Anfang des Jahres die Stadtbewohner.

All das wird begleitet von einem unvergleichlichen Boom am Wohnungsmarkt. Die Stadt hat eine Anziehungskraft entwickelt, wie sie wohl kaum jemand vorhergesehen hat. Berlin wächst jedes Jahr um fast 40.000 Einwohner. Die Zahl der Haushalte stieg binnen drei Jahren um 85.000. Innerhalb kürzester Zeit fiel der Wohnungsleerstand auf heute 1,5 Prozent. Damit herrscht nach offizieller Definition eine Wohnungsnot, und das trotz eines neuen Rekords von 15.000 neu gebauten Wohnungen im Jahr 2015.

Als erstes Bundesland führte Berlin im Juni vergangenen Jahres die Mietpreisbremse ein. Doch die Regulierung wird einfach vom Markt überrollt. Die durchschnittlichen Angebotsmieten legten bei ihrem steilen Anstieg eine kurze Pause ein, kletterten dann aber weiter und liegen heute etwa sechs Prozent über dem Vorjahresniveau.

Betrachtet man die Jahre 2010 bis 2015, verteuerten sich die Mieten in keiner anderen Stadt in Deutschland jemals so schnell wie in der Hauptstadt. Die Marktforscher des unabhängigen Beratungsunternehmens Bulwiengesa verzeichneten in jenen fünf Jahren einen Anstieg der durchschnittlichen Angebotsmiete um fast 40 Prozent. Auf Rang zwei liegt München mit knapp 28 Prozent.

41 Prozent Anstieg der Kaufpreise

 

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