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Verbietet endlich das Bauen neuer Wohnungen!

Neue Untersuchungen zeigen die Klimaschädlichkeit aktueller Siedlungskonzepte auf. Die Wohnungsfrage für Flüchtlinge kann nicht durch Neubauten gelöst werden, die nur neue Probleme schaffen.

Bauen in Zeiten der Flüchtlingsströme – das ist viel mehr als nur die Abarbeitung von Wohnungsbauprogrammen. Auf der großen Strategiekonferenz der Bundesregierung zur Nationalen Stadtentwicklungspolitik in Leipzig im September waren sich noch alle Landes- und Kommunalpolitiker einig gewesen: Was wir vor allen Dingen vermeiden müssen, das ist Siedlungsbau wie in den 1960er- und 1970er-Jahren.

Konzepte, wie sie die westdeutschen Wohnungsbaugesellschaften und die DDR-Planwirtschaft zur “Lösung der Wohnungsfrage als soziales Problem” (Erich Honecker) damals verfolgten, müssen strikt vermieden werden. Mit ihnen würde man die Flüchtlinge praktisch “kasernieren” – und damit den Boden für Gettobildung, also für die Entstehung von Problemvierteln, bereiten.

Was in derselben Konferenz nicht diskutiert wurde, das waren die wirtschaftlichen und ökologischen Probleme, die ein massenhafter Wohnungsneubau in Deutschland aufwerfen würde. Das rächt sich jetzt. Denn landauf, landab sind wider alle damaligen Warnungen vor Flüchtlingsgettos inzwischen derartige Siedlungen in der Planung. Dabei liegt die Federführung in den Händen der großen kommunalen und privaten Wohnungsgesellschaften, die sich auf derartige Projekte hervorragend verstehen. Eine ganze Branche des Bauwesens steht vor einer neuen Blüte und hofft, sich an der staatlich verordneten Bauwut gesundzustoßen.

In diesem Augenblick kommt eine Streitschrift mit dem provokanten Titel “Verbietet das Bauen!” in die Buchhandlungen (Oekom Verlag, München) – und sie räumt radikal mit allen lieb gewordenen Legenden von den gesamtgesellschaftlichen Segnungen einer entfesselten Neubautätigkeit auf. Da der Band vor der Flüchtlingswelle geschrieben ist, wirkt er umso objektiver. Denn der Autor untersucht den Neubaumythos ohne moralisierende und politisierende Argumente. Seine Kernthese: Solange wir Leerstände haben, ist Neubau weder wirtschaftlich noch ökologisch zu rechtfertigen.

Daniel Fuhrhop, studierter Architekt, Baupraktiker und Betriebswirtschaftler, stützt sich dabei auf eine Untersuchung, die selbst von und für eine große norddeutsche Wohnungsgesellschaft, die Stäwog in Bremerhaven, erarbeitet wurde. Darin ist bis in alle Details am Beispiel eines Altbaus aus den 1950er-Jahren durchgerechnet worden, welche Baukosten und welche Energiebilanz sich für eine Sanierung auf der einen und den Abriss plus Neubau auf der anderen Seite ergeben. Das Ergebnis ist ebenso ernüchternd wie hochpolitisch. Jede Variante von Neubau kommt das Land teurer und klimaschädlicher als die Instandsetzung des Altbaus zu stehen.

Überraschende Energierechnungen

 

Weiter lesen http://www.welt.de/kultur/kunst-und-architektur/article151224460/Verbietet-endlich-das-Bauen-neuer-Wohnungen.html

 

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