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Immobilien-Investor gegen Gartenverein

 

Krieg um “Goebbels-Villen”

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Köpenick –

Der Vergleich Klein gegen Groß hat viele Namen. David gegen Goliath. Asterix gegen die Römer. Bayern München gegen den Rest der Bundesliga. Oder eben Kleingärtner gegen Immobilieninvestor. Oft genug ging die Auseinandersetzung in Berlin zu Ungunsten der Parzellenbesitzer aus. In Köpenick will nun David, die „Kleingartenanlage an der Dahme e.V.“, gewinnen. Denn sie haben ein Faustpfand in der Tasche. Ein Wasser-Grundstück, 1000 Quadratmeter groß. Damit könnte der Investor Millionen scheffeln. Doch das kleine Stück Land rücken die Kleingärtner nicht raus.

Lutz Poppenberg hat in der Kleingartenanlage an der Wendenschloßstraße sein Leben verbracht. „Seit ich vier Jahre alt war, verbringe ich jede freie Minute auf meiner Parzelle“, so Poppenberg. Heute ist der Busfahrer 62 Jahre alt. „Meine Familie ist seit 1959 in dieser Anlage. Erst meine Großeltern, dann meine Eltern, dann ich. Und meine kleine Enkelin Sarah soll hier auch aufwachsen und wie ich eine unbeschwerte Kindheit genießen.“

Seit mehr als 80 Jahren gibt es die Kolonie mit 48 Parzellen, hier stehen noch die sogenannten Goebbels-Villen. Die ließ der damalige Propagandaminister Joseph Goebbels im Zweiten Weltkrieg für Ausgebombte am Stadtrand errichten.

Heute sieht die Zukunft der Anlage düster aus. Eine Vermögensverwaltung mit Sitz am Savignyplatz hat das Grundstück am Ufer der Dahme, auf dem sich die Kleingartenanlage befindet (14000 m2) vor 15 Jahren gekauft. Bislang liegt zwar nur ein Bauvorbescheid, also eine Absichtserklärung vor – erahnen können die Kleingärtner die Pläne jedoch, wenn sie nach links und rechts schauen. Auf der einen Seite stehen bereits schicke Neubauten in herrlicher Lage, mit Blick und Zugang zum Wasser, auf der anderen rotieren Kräne. Der Pachtvertrag mit der Kolonie ist bereits zum 30. November gekündigt, ab dem 1. Dezember soll eine Sicherheitsfirma das Gelände schützen.

Hier könnte die Geschichte enden. In Köpenick geht es nun aber erst richtig los. Denn: 1999 kaufte der Kleingartenverein (in weiser Voraussicht) 1000 Quadratmeter Gelände. Direkt am Wasser. Eine grüne Wiese, auf der sich keine Parzellen befinden. Für den neuen Grundstückseigentümer sind jene 1000 Quadratmeter Gold wert. Ohne sie hätten die Häuser auf seinem Gelände nämlich zwar Wasserblick, aber eben keinen Zugang.

„Wir denken nicht im Traum daran, unser kleines Glück aufzugeben“, so Dirk Müller (35). Er ist der Vereinsvorsitzende der Kleingartenkolonie. „Wir wollen hier im Sommer baden, Feste feiern, unser Vereinsleben ausleben.“ Logisch, dass das der Charlottenburger Vermögensverwaltung so überhaupt nicht in den Kram passt. Er ist interessiert an einem Erwerb des Grundstücks.

Und das soll, so der Vorwurf der Gärtner, so funktionieren: Es gibt einen Vertragsentwurf, wonach die Kleingärtner jeweils eine Entschädigung (individuell aushandelbar) für die Auflösung ihrer Parzelle bekommen.

Allerdings: Wer diesen unterschreibt, bekommt zwar Geld, verpflichtet sich aber auch, „auf eine Beschlussfassung der Mitglieder des Vereins hinzuwirken, die den Vorstand des Vereins zum Verkauf der Vorlandfläche an den Eigentümer beauftragt.“

Und dann der Hammer: „Zur Umsetzung erteilt der Nutzer hiermit dem Eigentümer eine Vollmacht zur Ausübung seiner Stimmrechte in der Mitgliederversammlung des Vereins.“ Stimmenkauf. Hinzu kommt, dass die Vermögensverwaltung angeblich Druck auf die Kleingärtner ausübt und mit Klagen und mit Einbehalten der Entschädigung droht. Außerdem hat sie bereits angekündigt, den Vereinsmitgliedern kein Wegerecht zu ihrem Grundstück am Wasser einzuräumen. Müller: „Dann kommen wir eben immer mit dem Boot vom Wasser aus.“

Die Vermögensverwaltung dementiert die Vorwürfe. Der Geschäftsführer: „Selbstverständlich wird niemand unter Druck gesetzt und wir verwahren uns gegen diese Unterstellungen. Es wurde allen Nutzern ein faires Angebot für eine einvernehmliche Regelung unterbreitet. Die Gespräche erfolgten freiwillig, transparent und selbstverständlich ohne jeden Druck.“

 

 

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